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Bundesliga im stern-Check: Schalke 04 ist ein Fall für den Psychotherapeuten

Köln liegt in Südamerika, ein Bayern-Star feiert fast nackt und der FC Schalke ist der große Verlierer - aber in Gelsenkirchen scheint man sich in dieser Rolle inzwischen offenbar seltsam wohl zu fühlen: Das Bundesliga-Wochenende im stern-Check.

So liefen die Spiele

Hier finden Sie alle Ergebnisse, Tabellen und Highlights im Überblick.

Dieses Tor sollten Sie (noch mal) sehen

Es war ein südamerikanischer Moment mitten im Rheinland, als Marcel Risse mit dem Außenrist zum 3:1 gegen Darmstadt traf. Ob das Traumtor Absicht oder Zufall war, wurde der Kölner später gefragt. Ehrliche Antwort: "Das war ein bisschen von beidem." Zum Jubeln rannte der "Außen-Risse" mit dem Daumen im Mund Richtung Tribüne - ein Gruß an seine schwangere Frau Nina: "Meine Frau trägt einen kleinen Ball in sich", verriet Risse nach einem der überzeugendsten FC-Siege der Saison.

Gewinner des Tages

Besonders häufig war der HSV in den letzten Jahren nicht in dieser Rubrik zu finden - aber mit dem Sieg im spannenden Flutlicht-Derby gegen Werder Bremen gelang dem Team von Bruno Labbadia der "geilste Sieg der Saison" ("Hamburger Morgenpost") und ein big point im Abstiegskampf. Bedanken durften sich die Hamburger vor allem bei ihrem überragenden Torwart Jaroslav Drobny und dem Sorgenkind der letzten Zeit: Pierre-Michel Lasogga bewies nach fünf Monaten und 666 Minuten ohne Tor, dass auf ihn in wichtigen Spielen durchaus noch Verlass ist. Seinen wuchtigen Doppelpack feierte der Sturm-Bulle ausgerechnet mit seinem Konkurrenten im Kampf um einen Platz im HSV-Angriff, Sven Schipplock: "Ich verstehe mich sehr gut mit ihm", so Lasogga. "Er hat auch seinen Anteil, dass es bei mir sehr gut lief."

Pierre-Michel Lasogga und Matthias Ostrzolek

Pierre-Michel Lasogga jubelt gegen Werder Bremen mit  Matthias Ostrzolek über das Ende seiner torlosen Durststrecke

Aufreger des Tages

Der Sieg des FC Bayern in Berlin ist als unspektakulär einzustufen. Für deutlich mehr Aufregung sorgten die Münchener mit einer Pressemitteilung am Sonntagnachmittag: Matthias Sammer habe die beiden letzten Spiele nicht auf der Trainerbank verfolgen können wegen einer Durchblutungsstörung des Gehirns, die aber "winzig" sei und vollständig ausheilen werde. "Es gibt keine Einschränkungen für mich und die Ärzte haben versichert, dass ich vollständig auskuriert und wieder hergestellt werde“, lässt der Sportvorstand wissen. „Ich werde mir aber die nötige Zeit zum Regenerieren geben, um für die Mannschaft und den FC Bayern danach wieder mit voller Kraft zur Verfügung zu stehen." Wie unwichtig die Gewinner, Verlierer und sportlichen Aufreger, die wir hier so besprechen, angesichts so einer Meldung werden. Weiterhin gute Besserung, Matthias Sammer!

Verlierer des Tages

Gegen Leverkusen spielt der FC Schalke 04 in der ersten Halbzeit wie eine Spitzenmannschaft, in der zweiten Halbzeit wie das Gegenteil davon. Die 2:3-Niederlage nach 2:0-Führung ist im Rennen um die Europapokalplätze ein herber Rückschlag für die "Knappen", aber womöglich liegen die Probleme in Gelsenkirchen noch tiefer als bisher befürchtet. Im Sport-1-"Doppelpass" macht sich Wolfram Eilenberger jedenfalls ernsthafte Sorgen um die Schalker, die reif für eine Therapie seien: "Es gibt bei Schalke so eine verstellte Lust am Untergang", so der Publizist und Philosoph, der eine Verlierer-Identität erkennt, die in die Schalker Köpfe eingedrungen sei. Man wisse vorher, dass es schiefgehe, weil man nun mal Schalke sei - und man gefalle sich in der Rolle. Er habe sich mit zwei Schalker Fans über den kommenden Manager Christian Heidel unterhalten: "Den kriegen wir schon noch klein", hätten die Fans gesagt und gelacht. "Da wird eine Folklore des Untergangs kultiviert", folgert Eilenberger daraus. Klingt bedenklich. Wie besingen hämische Fans anderer Vereine gerne die vielen Schalker Jahrzehnte ohne Meistertitel: "Ein Leben lang / Keine Schale in der Hand." Wer Eilenbergers Psychoanalyse Glauben schenkt, wundert sich darüber nicht mehr.

Bundesliga-Bild des Tages

Arturo Vidal

Arturo Vidal nach dem Sieg im Berliner Olympiastadion vor der Bayern-Kurve

Arturo Vidal brachte den FC Bayern München bei der Hertha mit seinem Führungstreffer zum wiederholten Mal auf die Siegerstraße. Ohnehin ist der 28-Jährige ein Typ, der sein letztes Hemd für den Erfolg gibt (drei Euro ins Phrasenschwein) - in Berlin ließ er dazu noch die Hose runter und schenkte sie einem Fan. Anschließend flitzte er in Unterhose in die Katakomben des Olympiastadions. Die "Bild"-Zeitung kürte den Chilenen daraufhin kurzerhand zum neuen "Schlüpfer-Stürmer" der Münchener.

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