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Nach Niederlage beim BVB: Wie Ancelottis Plan die Bayern durcheinanderbringt

Der neue Trainer Carlo Ancelotti hat beim FC Bayern München einiges umgekrempelt. Bislang wirkt sein Team dadurch allerdings nur nachlässiger. Der Bayern-Coach hat offenbar einen langfristigen Plan. Doch kurzfristig braucht er nun eine Trendwende.

Carlo Ancelotti

Bezeichnende Geste: Carlo Ancelotti bei der Niederlage des FC Bayern München in Dortmund

Den kleinen Scherz konnte sich BVB-Mediendirektor Sascha Fligge nicht verkneifen. Am Ende der Pressekonferenz im Anschluss an den 1:0-Sieg der Dortmunder gegen den FC Bayern München wandte er sich persönlich an den Münchner Trainer Carlo Ancelotti und wünschte ihm eine gute Rückreise: "Ich bedanke mich bei Ihnen, Sie sind hiermit offiziell entlassen." 

Nun ist Ancelotti nach knapp fünf Monaten im Amt natürlich noch lange nicht "offiziell entlassen". Aber so richtig angekommen ist er in München auch noch nicht. Es läuft längst nicht alles rund beim Rekordmeister. Die Bayern sind schlagbar, das zeigte ein bissiger BVB im Spitzenspiel deutlich auf. Sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League liegt das Team zurzeit drei Punkte hinter den Tabellenführern RB Leipzig und Atletico Madrid. Ancelottis Bayern führen zurzeit nicht an, sie jagen.

Carlo Ancelotti und der kleine Kulturschock

Für den Trainer kommt es daher darauf an, eine Trendwende herbeizuführen. Dabei muss es für ihn vor allem darum gehen, in die Köpfe seiner Spieler zu gelangen. Nach drei Jahren unter dem peniblen Pep Guardiola dürfte die lange Leine, die der väterliche Italiener ihnen auf und neben dem Platz gewährt, seinen Spielern wie ein kleiner Kulturschock vorkommen.

Auch taktisch geht es bei Ancelotti sehr viel übersichtlicher zu als zu Guardiolas Zeiten, wo sogar während des Spiels regelmäßig umgestellt wurde. Ancelotti setzt ausdauernd auf sein 4-3-3-System, erst am Samstag in Dortmund wechselte er nach einer Stunde auf 4-4-2. Vorher wie nachher fehlten den Bayern aber in der Offensive die zwingenden Aktionen, der letzte Querpass kam nicht an. Ein Spiegelbild der bisherigen Saison, 24 Tore nach elf Spielen sind der schlechteste Münchner Wert seit drei Jahren - was auch auf Verletzungssorgen (Ribery, Robben, Costa, Coman) und Formschwächen in der Offensive zurückzuführen ist. Außerdem häufen sich Stimmen, dass die Spieler nicht austrainiert wären und demnach auch mangelnde Fitness - unter Guardiola Grundvoraussetzung für das rasante Spiel - zu den vermeidbaren Ursachen der Mini-Krise an der Säbener Straße zählt.

Keine Frage: Ancelotti braucht Zeit, um dem FC Bayern seine Identität zu vermitteln. Sie wird ihm gewährt, aber er muss jetzt sowohl Ergebnisse als auch einen Stimmungsumschwung erarbeiten. Dass die Teams unter seiner Ägide traditionell gegen Saisonende ihre Bestform erreichen, mag wie ein Trost klingen. Und wohl kein Trainer geht ein Heimspiel gegen Augsburg im Herbst mit so manischer Akribie an wie Pep Guardiola. Trotzdem ist es fraglich, ob man bei dieser Art von Formaufbau von einem Plan sprechen kann. Sport1-Experte Armin Veh hat da so seine Zweifel: "Wenn mir das einer erklärt, dann muss ich sagen 'Hut ab'", so der frühere Meistertrainer im "Doppelpass". "Ich kann es nicht erklären, wie das gehen soll."

Bis Weihnachten sollte Ancelotti angekommen sein

Bevor sich die kritischen Stimmen häufen, sollte Ancelotti wohl tatsächlich auf einen kleinen Zwischensprint setzen. In der Champions League muss am Mittwoch in Rostow ein Sieg her, um die Chance auf den Gruppensieg zu wahren. Das dürfte klappen. Und auch in der Bundesliga könnten die Verhältnisse spätestens zur Winterpause wieder gerade gerückt sein. Am 21. Dezember empfangen die Bayern in der heimischen Allianz Arena im letzten Spiel vor Weihnachten RB Leipzig. Spätestens nach diesem Spiel sollte Ancelotti in München angekommen sein.

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