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Nach Niederlage gegen BVB Fünf Gründe, warum der FC Bayern so schlecht ist wie lange nicht

Robert Lewandowski und Thomas Müller beim Spiel des FC Bayern München gegen den BVB
Robert Lewandowski und Thomas Müller vom FC Bayern München: Beide konnten die Niederlage gegen den BVB nicht verhindern
© Alex Grimm/Bongarts/Getty Images
Der FC Bayern verliert gegen den BVB erstmals in dieser Saison ein Bundesliga-Spiel. Die Niederlage in Dortmund ist Ausdruck einer Entwicklung, die Bundesliga-Fans nördlich des Weißwurst-Äquators freuen dürfte - und die ihre Gründe hat.

Der FC Bayern München ist nun offiziell erster RB-Leipzig-Jäger, der Niederlage gegen den BVB sei Dank. Die erste Pleite der noch jungen Saison führt dem Rekordmeister schmerzlich vor Augen, was sich bereits seit Anfang der Spielzeit sanft abgezeichnet hat: Die Dominanz ist weg. Vier der letzten sechs Bundesliga-Spiele hat der FC Bayern nicht gewonnen!

Jahrelang zogen die Münchner weitestgehend unbeirrt ihre Kreise an der Spitze, konnten Kräfte für die wichtigen Partien in der Champions League aufsparen. Doch in diesem Jahr werden die Bayern erstmals wieder an der heimischen Bundesliga-Front gefordert. Das hat seine Gründe:

1. Neuer Trainer, neue Philosophie

Carlo Ancelotti ist so ziemlich das Gegenteil von Pep Guardiola. Wo der Spanier an der Linie tobt und gefühlt so stark gestikuliert, als müsse er Flugzeuge einwinken, kaut der Italiener mit fast schon desinteressierter Mine sein Kaugummi und sitzt stoisch auf der Bank. Auch ihre Spielphilosophien sind äußerst unterschiedlich. Guardiola wollte stets die totale Dominanz, die maximale Erfolgschance in jedem Pass, jedem Zweikampf, jedem Spiel. Ancelotti ist zwar ähnlich ehrgeizig, sein Weg ist aber ein anderer. Er will ein Spiel nicht zu 100 Prozent kontrollieren, lässt weniger ballbesitzbesessen spielen als sein Vorgänger. Dazu variiert er in der Formation nicht. Guardiola wechselte ständig, forderte Flexibilität. Ancelotti lässt stoisch im 4-3-3 spielen. Dieser Übergang hinterlässt Spuren. Die Bayern-Maschine läuft noch nicht rund.

2. Taktisch ausgehebelt

Das Spiel gegen Dortmund hat eines deutlich gemacht: Der aktuelle FC Bayern kann taktisch ausgehebelt werden. BVB-Coach Thomas Tuchel ließ mit Fünfer-Kette und zwei Spitzen spielen, nahm die wichtigen Aufbauspieler in Bayerns Innenverteidigung so aus dem Spiel und sorgte in der eigenen Defensive für Überzahl. Diesen Kniff sah Ancelotti, doch er konnte 90 Minuten nichts dagegen unternehmen. Seine Einwechslungen verpufften.

3. Thomas Müller

Es ist natürlich falsch, die Probleme des FCB an einer Person festzumachen. Aber Thomas Müller hat dieser Tage einen besonderen Anteil daran. Wer in Bestform - und die hatte er jahrelang nahezu durchgehend - Spiele alleine entscheiden kann, hinterlässt eben auch eine gewaltige Lücke, wenn es nicht läuft. Und bei Müller läuft es mal so gar nicht. Er wirkte gegen Dortmund behäbig, mitunter fast schon resigniert - etwas, was man ihm früher niemals vorwerfen konnte.

4. RB Leipzig

Bei allem, was beim FCB derzeit nicht so ganz rund läuft, darf man natürlich eines nicht vergessen: Der BVB ist immer noch drei Punkte hinter den Bayern. In einer "normalen" Saison wäre die Tabellenführung also aktuell nicht futsch. Doch Aufsteiger RB Leipzig rockt das Oberhaus des deutschen Fußballs. Die Sachsen sind weiter ungeschlagen und haben sich Platz eins redlich verdient. Natürlich hat das auch mit dem Geld von Red Bull zu tun, aber eben auch mit einer guten Idee und Sportverstand. Fragen sie mal beim HSV nach, wie man nur mit Geld eine gute Truppe zusammenstellen möchte.

5. Der verlorene Nimbus der Unbesiegbarkeit

Ein Grund für die Dominanz der Bayern in den vergangenen Jahren war ihre Ausstrahlung. Viele Bundesligisten traten an, um nicht allzu hoch zu verlieren. Nach einem 0:2 rühmte man sich, ja schon auch mitgespielt zu haben. Der wirkliche Wille, den FC Bayern zu schlagen, war kaum erkennbar. Dieser Nimbus bröckelt. Weniger Ballbesitz führt zu weniger Dominanz auf dem Platz und das spüren auch die Gegner. Auf einmal merken sie: Hier geht heute was. Fragen Sie mal in Frankfurt oder Hoffenheim nach. Interessant wird diese Frage dann am 21. Dezember. Da darf der RB Leipzig mal überprüfen, wie unbesiegbar die Bayern im Moment sind.


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