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Kolumne

Rot-weiß - die Bayern-Fan-Kolumne: Kalle gegen alle: Der FC Bayern steht vor einer Zerreißprobe

Eigentlich müssten beim FC Bayern alle fröhlich am Double arbeiten. Leider versucht Karl-Heinz Rummenigge auf der Zielgeraden seiner Karriere, den Verein nach seinem Gusto umzubauen - und sorgt so für unnötige Unruhe.

Von Stefan Johannesberg

Karl-Heinz Rummenigge (l.) will offenbar auf der Zielgraden seiner Karriere den FC Bayern noch nach seinem Gusto umbauen - was macht Uli Hoeneß (r.)?

Karl-Heinz Rummenigge (l.) will offenbar auf der Zielgraden seiner Karriere den FC Bayern noch nach seinem Gusto umbauen - was macht Uli Hoeneß (r.)?

DPA

2020 zieht Oliver Kahn in die Bayern-WG an der Säbener Straße ein. Ein Jahr lang spielt der Titan dann die zweite Geige, um danach in die großen Fußstapfen von Ex-Manager Uli Hoeneß und dem amtierenden Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge zu treten. Alpha-Kalle und Alpha-Olli unterwegs in gemeinsamer Mia-San-Mia-Mission: Fans, Hater und Medien dürfen sich ob dieses spannenden Experimentes nächstes Jahr zurücklehnen und die Popcorn-Tüten bereithalten, treiben ja auch zusätzlich Noch-Präsident und Aufsichtsratschef Uli Hoeneß sowie Beta-Brazzo ihr Unwesen in München. Bestenfalls findet Rummenigge im unverbrauchten und modern denkenden Kahn einen Mitstreiter für seine Ideen. Momentan jedoch isoliert er sich mit wenig förderlichen und unprofessionellen Aussagen zu Kovac zusehends und gefährdet so die beiden möglichen Titel.

Game of Coaches: Rummenigge macht die Cersei

Genaugenommen zockt Kalle auf verlorenem Posten wie GoT-Königin Cersei. Hoeneß und Brazzo unterstützen Kovac öffentlich und treiben lieber die Kaderplanung für die nächsten ein, zwei Jahre voran, statt den Trainer immer wieder ins Fadenkreuz zu rücken. Wichtigster Bestandteil dieser Planung: Klarheit auf der Trainerposition. Es ist nicht zu verstehen, warum man einen jungen Trainer wie Kovac in ein so schweres Umbruchsjahr schickt, mehrmals betont, dies auch auf Kosten von Titeln zu tun, nur um dann, wenn man nicht wie zu Pep-Zeiten alles auseinanderspielt und -schießt, an seinem Stuhl zu sägen. Bei aller berechtigen Kritik liefert Kovac nämlich genau das ab, was man von ihm nach seinen Stationen Kroatien und Frankfurt erwarten konnte: Mia-San-Mia-Mentalität, vertikales Umschaltspiel nach aggressivem Gegenpressing, Pragmatismus und Siege stehen auf der Haben-, limitiertes In-Game-Coaching und statisches Ballbesitzspiel auf der Sollseite. 

Auch Ex-Bayer und TV-Experte Effenberg äußert offen sein Unverständnis für dieses Vorgehen: "Ich kann mich an keinen positiven Ausspruch von Karl-Heinz Rummenigge in Richtung Niko Kovac erinnern", so Effenberg im "Doppelpass" auf Sport1. "Das hat auch was mit Respekt zu tun. Hätte Rummenigge das auch mit Jupp Heynckes gemacht? Nein." Effe hat natürlich Recht, Führungsverantwortung sieht anders aus. Warum steht Kalle Kovac so kritisch gegenüber? Bayern schießt Tore am Fließband und spielt eine überragende Rückrunde. Ist es wirklich nur der leblose Auftritt zu Hause gegen die erste Elf von Liverpool, als mit Müller und Kimmich die beiden wichtigsten Führungsspieler fehlten und Coman knappe 70 Prozent seines Leistungsvermögens erreichte? Oder war er mit der holprigen bis desaströsen Trainersuche und der anschließenden Not-Wahl von Kovac vor gut einem Jahr immer schon unzufrieden? 

Links steht Uli Hoeneß im Anzug vor einem großen FC Bayern-Wappen, rechts liegt er als jüngerer Mann im Krankenhausbett

Offenbar hat Kovac wenig Rückendeckung im Team

Zumindest eröffnet seine fehlende Rückendeckung für Kovac der medialen Diskussion Tür und Tor. Es fallen Namen wie Erik Ten Haag, seines Zeichens Ex-FCB-Trainer und Dirigent der tollen, offensiv agierenden Ajax-Mannschaft oder Van Bommel, Ex-Aggressive Leader der Bayern und Erfolgscoach beim PSV Eindhoven. Auch das Theater um den einst umworbenen Thomas Tuchel bei PSG schürt Gerüchte und selbst der undenkbare Bus-Vors-Tor-Steller Mourinho gießt höchstpersönlich Öl ins Feuer. Die Spieler registrieren diese Diskussionen ganz genau. Bis auf Kimmich, der zwar auf dem Feld oft genug gegen die taktischen Regeln von Kovac verstößt, äußerte sich bislang keiner wirklich leidenschaftlich pro Coach. Co-Kapitän Thomas Müller, trotz seiner Wichtigkeit als Führungspersönlichkeit und Gegenpressing-Chef, wirkt neben dem Platz eher unzufrieden. 

Doch Niko Kovac kämpft und bleibt integer. "Es gibt da überhaupt keine Probleme. Intern ist alles soweit okay. Ich muss meine Leistung bringen. Wenn ich sie bringe, denke ich, muss man gar nicht diskutieren." Trotzdem forciert sein Umfeld immer wieder seine Wunschvorstellungen bei neuen Spielern: Ein defensiv- wie passstarker Sechser oder Ante Rebic als Mentalitätsmonster im Angriff. Doch wie zu Beginn der Saison, als Kovac für eine angedachte Dreierkette Abwehrspieler Voigt aus Hoffenheim verpflichten wollte, verpuffen seine Ideen innerhalb der Führungsriege. Noch.

Was der FC Bayern sofort tun muss

Oberste Regel: Der FC Bayern muss sofort das Ende der Rumeierei einleiten, sich als Einheit präsentieren und Fakten schaffen:

  1. Niko Kovac ist auch 2019/2020 der Trainer, egal wie viele Titel er jetzt holt.
  2. Thomas Müller wird öffentlich zum Führungsspieler und ersten Kapitän gekürt. Die Systeme werden auf seine Stärken zugeschnitten.
  3. James funktioniert weder im Verein noch neben Müller dem Platz. Kein Kauf.
  4. Rafinha, Ribéry, Robben und auch Boateng gebührend verabschieden.
  5. Mats Hummels nicht verkaufen.
  6. Renato Sanches in der Bundesliga oder nach Portugal ausleihen.
  7. Torwart-Talent Früchtl ausleihen und einen erfahrenen Keeper als dritten Torwart holen.
  8. Zwei der drei offensiven Talente Davies, Jeong und Arp ausleihen.
  9. Timo Werner bereits dieses Jahr an die Säbener Straße lotsen.
  10. Dribbelstarken Flügelstürmer wie Pepe oder Ziyech als Ersatz für Ribéry kaufen (aber nicht Rebic).
  11. Ernsthaft den Markt nach einem pass- und zweikampfstarken 6er scannen.
  12. U19-Stoßstürmer Joshua Zirkzee in die erste Mannschaft holen und als Backup von Lewandowski spielen lassen.
  13. Zusage von Kai Havertz für 2020 forcieren.
  14. Beruhigt in die neue Saison gehen, denn ein Kader mit dem Kern um Neuer, Goretzka, Süle, Kimmich, Gnabry, Tolisso, Thiago, Coman, Alaba, Pavard, Hernandez und den oben genannten Spielern kann immer noch alles gewinnen. Vor allem, wenn man nicht jedes Jahr einen neuen Trainer bekommt.

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