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Der Dino im Niedergang: Der HSV darf nicht absteigen - Liga Zwei macht alles schlimmer!

Felix Haas sagt, dass der Abstieg dem HSV guttun würde. Niels Kruse (FC-St.-Pauli-Fan) widerspricht: In der elenden zweiten Liga wird alles nur noch schlimmer.

Die Fans und die berüchtigte Stadionuhr: Nach fast 52 Jahren könnte das Oberhaus für den HSV bald Geschichte sein

Die Fans und die berüchtigte Stadionuhr: Nach fast 52 Jahren könnte das Oberhaus für den HSV bald Geschichte sein

Die Zweite Liga ist, man muss es so drastisch sagen, eine Scheiß-Liga. Die Anstoßzeiten: unsäglich. Das Geld: reicht gerade mal eben so. Sportlich: eng, verdammt eng. Jeder ist in der Lage jeden zu schlagen, jede Mannschaft kann sich am Ende ganz oben wiederfinden genauso wie ganz unten. Es zählen weder Tradition (Nürnberg, Braunschweig), noch dicke Etats (Kaiserlautern, Leipzig), noch leidenschaftliche Fans (Berlin, St. Pauli). Die Zweite Liga ist nichts für Weicheier, nichts für hochtrabende Ambitionen, nichts für Vereine, die längst vergangenen Glanzzeiten hinterherhängen. Sie ist schlicht nichts für den HSV.

Der Kollege Felix Haas beschreibt hier, dass selbst viele Hamburger dem Klub mittlerweile den Abstieg gönnen. Warum? Um die Rothosen endlich zurück auf den Boden der Tatsachen zu zwingen: runter mit Gehältern und Ansprüchen, weg mit Blingbling und Riesenkader, raus mit Dummschnackern und Sonnengöttern. Und selbst einige wohlmeinende Anhänger des HSV hoffen darauf, mit dem Gang ins Unterhaus könne endlich die Grundlage für einen Neuanfang gelegt werden. Eine Rosskur, um wieder in die Spur zu kommen.

Sofortiger Wiederaufstieg? Natürlich!

Die Frage ist nur: in welche Spur genau? Angenommen, der HSV steigt nach fast 52 Jahren tatsächlich ab, worauf sehr viel hindeutet, dann wäre der Klub dort, ob er will oder nicht, wieder einmal in der Bringschuld. Etwa als absoluter Superduper-Top-Aufstiegsfavorit, der jedes Sandhausen, Fürth und Heidenheim im Vorbeigehen 5:0 weghaut und nächste Saison wieder erstklassig spielt - natürlich. Wo sonst? Und da wäre sie wieder: diese elendige Anspruchshaltung, mit der der HSV schon seit Jahren hadert.

Nur leider ist es den wenigsten Bundesligaabsteigern in den vergangenen Jahren gelungen, sofort wieder ins Oberhaus zurückzukehren. Kein Wunder, denn die Kernmannschaften fallen nach dem Abstieg meist auseinander, es fehlen Geld und Perspektive für zwei, drei entscheidende Topleute. Erfolgreich waren in der Liga Zwo zuletzt vor allem gewachsene Teams, echte Mannschaften, die Bock haben, in denen jeder für jeden rennt - siehe Darmstadt und Karlsruhe. Es ist diese Art von Hemdsärmeligkeit, für die die Hamburger aber schon im Bundesliga-Mittelfeld keine Zeit und Muße hatten, warum sollte sich das ausgerechnet in der Zweiten Liga ändern?

Ja, der HSV ist Tabellenerster - man muss es nur wollen, wie die Kollegen der "Hamburger Morgenpost" beweisen

Ja, der HSV ist Tabellenerster - man muss es nur wollen, wie die Kollegen der "Hamburger Morgenpost" beweisen

Welche absurde Blüten diese ewige "Wir sind doch schließlich wer"-Einstellung treibt, hat neulich die altehrwürdige "Hamburger Morgenpost" gezeigt. Sie brachte das Kunststück fertig, eine Tabelle abzudrucken, in der der HSV tatsächlich auf Platz eins stand. Vor den beiden Borussias aus Mönchengladbach und Dortmund. Die Zahlen logen nicht, denn das Blatt hatte einfach die Rangliste aus den letzten beiden Spieltagen generiert. Zwei Spieltage an denen der HSV gewonnen hatte - und schwupps konnten endlich wieder die Worte "Titel" und "HSV" zusammen in eine Spalte passen. Wer eine solche Begleitmusik hat, braucht keinen gegnerischen Lärm mehr.

Hanebüchene Ambitionen in den Kopf pflanzen

Es ist das Dilemma des Vereins (und mit Abstrichen auch das des kleinen Rivalen aus St. Pauli): Wenn nicht gerade ein überambitionierter Kluboffizieller die Latte mal wieder zu hoch hängt, dann sind es manisch-depressive Medien, verblendete Fans oder geltungssüchtige Sponsoren, die den Bogen völlig überspannen. Irgendjemand findet sich immer, der den Leuten hanebüchene Ambitionen in den Kopf pflanzt.

Unter diesen Umständen wird aus der erhofften "Rosskur Unterhaus" schnell ein Spießrutenlauf, bei dem die Rothosen nur verlieren können. Es sei denn, es würden einmal zwei, drei Jahre vergehen, in denen kein Vorstand, kein Aufsichtsrat, kein Geldgeber, kein Spieler oder Trainer irgendeinen noch so kleinen Anspruch formuliert. Kein Aufstieg, keine Europa League, kein nichts. Stattdessen: Ochsentour, malochen und der Nichtabstiegsparole des Stadtrivalen folgen: "Einfach mal die Klasse halten". Das weiß die Vereinsführung vermutlich ohnehin schon seit Jahren, dazu braucht es die Zweite Liga nicht.

Niels Kruse

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