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HSV-Niedergang Hamburg kann seinem Verein nur den Abstieg wünschen


Der HSV könnte am Wochenende erstmals absteigen. Selbst viele Hamburger finden, das wäre mehr als verdient. Vor allem die jahrelange Misswirtschaft im Verein regt auf.
Ein Kommentar von Felix Haas

Wenn man als Hamburger derzeit über die Flure seines Büros läuft, dann beobachtet man mehrfach solche Szenen wie diese: Kollegen und Kolleginnen lehnen an den Türrahmen, sie diskutieren - verärgert, traurig, energisch - über: den Hamburger Fußball. Die Lage ist desolat. Beide großen Clubs müssen einen Abstieg fürchten. Wenn es ganz schlimm ausgeht, bleibt der Stadt in der nächsten Saison nur ein Zweitligist übrig. Das Horror-Szenario: der HSV muss erstmals runter in Liga zwei, St. Pauli steigt in die dritte Liga ab.

Das Kuriose bei den Flur-Gesprächen ist allerdings: Während sich in der Causa St. Pauli viele, selbst HSV-Fans, einig sind ("müssen drinbleiben"), gibt es beim Hamburger SV auffällig viele, die sagen: Ein Abstieg wäre mehr als verdient. Man hört dann so etwas wie: "Der HSV ist mal dran."

Natürlich wollen vor allem die eingefleischten HSV-Fans nicht wirklich, dass ihr Club absteigt. Wer weiß schon, wie es in der zweiten Liga weitergeht? Wer weiß schon, ob der direkte Wiederaufstieg gelingt? Oder ob der HSV einer der vielen Traditionsvereine wird, der in der "stärksten zweiten Liga aller Zeiten" versauert? Doch irgendwie sind selbst die Hardcore-Fans von ihrem eigenen Verein genervt. Die Lektion aus den vergangenen Jahren war hart: Jedes Jahr wurde ihnen der Europacup versprochen, jedes Jahr wurden Hoffnungen geschürt, und jedes Jahr mussten die Fans mit van der Vaart und Co. um Bundesliga-Luft knapsen.

"Die Daumen sind ja schon platt"

Den Gemütszustand von Fans beschreibt wie so oft Idol Uwe Seeler am Besten. "Seit Jahren werden im Verein so viele Fehler gemacht. Da muss man sich nicht wundern, dass man in so einer Situation ist", sagt er. Und natürlich hat er auch noch ein schönes Bild parat: "Die Daumen sind ja schon platt, aber ich werde sie noch einmal drücken."

Allein - ob das Daumendrücken noch hilft, ist fraglich. Und auch, ob es wirklich Sinn ergibt. Ein Gang in Liga zwei könnte reinigend wirken. Vor allem auf die Gehaltsstruktur des Kaders. Schließlich verdienen Spieler wie Lasogga oder van der Vaart fast doppelt so viel wie der bestbezahlte Spieler bei einem Spitzenteam wie Mönchengladbach.

Abstieg und dann: Vorbild RB Leipzig

Das ist auch einer der großen Fehler von denen Seeler spricht. In den vergangenen Jahren wirtschafteten Clubbosse und Manager wie Hoffmann, Arnesen und Beiersdorfer wie Kinder, denen Mama mal Kleingeld für Süßes gegeben hat. Sie kauften viele kleine bunte Leckereien, die Bauchschmerzen setzten erst später ein.

Der HSV ist einer der reicheren Clubs in Deutschland. Doch in Zukunft werden nur die Vereine erfolgreich sein, die mit ihrem Geld clever umgehen. Ausgerechnet bei Traditionalisten verhasste Teams wie der kommende Erstligist Ingolstadt oder auch RB Leipzig machen vor, wie man mit Geld umgeht. Sie kaufen nicht wahllos ein, sondern investieren in Jugendarbeit und Talente. Und trotz aller Unkenrufe: Ihre Spieler verdienen nicht unverhältnismäßig viel.

Der HSV muss also nicht nur sportlich (das steht eh fest), sondern auch finanziell generalüberholt werden. Vielleicht sollte man darum die Daumen für einen Abstieg drücken. Vielleicht ist der Verein wirklich "mal dran". In der kommenden Saison kann er sich dann bei RB Leipzig in der zweiten Liga abschauen, wie man Erfolg (mit viel Geld) langfristig plant.


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