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Kommentar

Mats Hummels: Natürlich geht er zu den Bayern

Mats Hummels bald im Dress des FC Bayern München sehen zu müssen, treibt BVB-Anhänger zur Weißglut. Dabei ist der bevorstehende Wechsel nicht nur verständlich, sondern logische Konsequenz.

Mats Hummels will vom BVB zum FC Bayern München wechseln

Mats Hummels ist eine Identifikationsfigur beim BVB - ab der kommenden Saison spielt er aller Voraussicht nach für den FC Bayern München

Mats Hummels will vom BVB zum FC Bayern wechseln. Der Kapitän verlässt das nicht-sinkende Schiff. Das Schiff ist gar so gut unterwegs wie lange nicht. Trotzdem will Hummels weg. Ausgerechnet zu den Bayern. Die BVB-Fans sind außer sich. "Ehrenlos" sei der Mats. Kapitänsbinde wegnehmen und nicht mehr aufstellen sollte man ihn, erfährt man auf den sozialen Netzkanälen der Borussia.

Natürlich sind die BVB-Fans enttäuscht, auch mein schwarz-gelbes Herz blutet. Aber genauso natürlich ist sein Wechsel zum FC Bayern. Die besten deutschen Fußballer gingen schon immer an die Säbener Straße. Das ist seit Ewigkeiten so - und wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern. Dort wird der beste, der erfolgreichste Fußball gespielt.

Auch "Echte Liebe" kann vergehen

Aber was ist denn mit der "Echten Liebe", dem Werbe(!)-Slogan des BVB, fragen sich viele Anhänger. Hummels spielt seit acht Jahren für Dortmund, wurde dort zweimal Deutscher Meister, gewann den DFB-Pokal und reifte zum Weltklassespieler. Er war schon Anführer, weit bevor er Kapitän wurde, ging stets voran und stellte sich den Fans nach bitteren Niederlagen. Liebe ist ein großes Wort - Hummels Verhältnis zu Dortmund kommt dem dennoch nahe. Aber wie in unzähligen Beziehungen davor kommt nun der Punkt, an dem sich die Wege trennen. Hummels und der BVB haben sich auseinandergelebt. Er ist 27, hat die beste Zeit seines Lebens diesem Klub gegeben, doch jetzt ist das Feuer erloschen.

Hummels sucht neue Herausforderungen. Die Champions League will er gewinnen, ein paar Meister- und Pokal-Titel nimmt er sicher auch dankend mit. Die besten Chancen darauf hat er in Deutschland nun mal beim FC Bayern München - darüber hinaus sprechen die weichen Faktoren wie Familie in der Stadt und Jugendbindung für den Rekordmeister.

Mats Hummels geht stilvoller als Mario Götze

Anders als Mario Götze, dem man seinen unvorhersehbaren Abgang in Dortmund heute noch nicht verziehen hat, machte Hummels nie ein Geheimnis aus seinen Absichten. Bereits vor der vergangenen Spielzeit hatte er öffentlich über mögliche Veränderungen gesprochen, sich dann aber für ein weiteres Jahr bei der Borussia entscheiden. Dieses Jahr deutete er seine Wechselabsichten wochenlang an, ließ seinen Vater und BVB-Boss Watzke in Interviews schon mal die Tür ölen, durch die er nun durchgegangen ist.

Doch gerade ein Zitat zum damaligen Götze-Transfer wird Hummels aktuell um die Ohren gehauen. Es gäbe "sportliche wenig bis keine Gründe" den BVB zu verlassen, hatte er im Sommer 2013 gesagt. Doch damals hatte er ja auch noch Recht damit. Die Bayern waren zwar frischgebackener Meister. Der BVB aber hatte sie zuvor zwei Jahre in der Liga vorgeführt, im DFB-Pokalfinale 2012 mit 5:2 demontiert und das Champions-League-Finale erst in letzter Sekunde knapp verloren. Der BVB war unter den besten Mannschaften Europas, die Erinnerungen an die Trophäen in der Hand noch frisch. Aber jetzt, fast drei Jahre später? Fragen Sie mal bei Marco Reus nach, welche Titel man mit dem BVB so holt.

Die Besten gehen zum Besten

Folgerichtig wechselt erneut einer der besten Spieler Deutschlands zum besten Klub Deutschlands - und einem der besten fünf überhaupt. Natürlich ist das suboptimal für die Spannung in der Liga, natürlich werden die Bayern dadurch noch dominanter, aber so ist eben das Geschäft Fußball. Da wird auch die vermeintliche "Echte Liebe" nichts dran ändern. Das einzige, was die Dortmunder tun können, ist: ihr Schiff konsequent weiter auf Kurs halten - trotz der drohenden Abgänge - und vielleicht in absehbarer Zeit zumindest wieder für einen spannenden Zweikampf an der Spitze sorgen. Vielleicht schaffen sie es dann auch irgendwann, dass ihre Stars dem Flötenspiel aus München widerstehen können.

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