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Bundesliga

Dritte Liga Nach Spielabbruch wegen Rassismus: Duisburg gegen Osnabrück wird wiederholt

Duisburg-Spiel: Osnabrücks Aaron Opoku (r) spricht mit Schiedsrichter Nicolas Winter
In der unterbrochenen Partie gegen Duisburg spricht Osnabrücks Aaron Opoku (r) mit Schiedsrichter Nicolas Winter nach rassistischen Beleidigungen von den Zuschauerrängen
© Revierfoto / DPA
Am 19. Dezember wurde das Drittliga-Spiel Duisburg gegen Osnabrück wegen rassistischer Beleidigungen gegen den VfL-Spieler Aaron Opoku abgebrochen. Nun entschied das DFB-Sportgericht, dass das Spiel wiederholt wird. 

Nach dem Abbruch der Partie der 3. Fußball-Liga zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück am Sonntag wegen eines rassistischen Vorfalls soll das Spiel wiederholt werden. Das entschied am Donnerstag das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Schiedsrichter Nicolas Winter hatte das Spiel zunächst unterbrochen, nachdem nach Angaben der Gäste VfL-Profi Aaron Opoku von den Zuschauerrängen beleidigt worden war. Winter beschrieb die Szene wie folgt: "Es gab einen Eckstoß für den VfL Osnabrück, und als der ausführende Spieler zum Eckstoß laufen wollte, wurden Affenlaute von der Tribüne gerufen. Das hat er sofort wahrgenommen und auch der Assistent. Beide haben mir den Vorgang geschildert." Das sei etwas, "wo wir sehr sensibel sind und auch direkt reagieren", sagte der Unparteiische. "Ich habe versucht, mich direkt um ihn zu kümmern und habe gesehen, wie schockiert er war." Der VfL Osnabrück sah sich anschließend nicht in der Lage weiterzuspielen. Daraufhin wurde die Partie ganz abgebrochen.

DFB setzt mit Urteil Zeichen gegen Rassismus

Die Wiederholung des Spiels entspreche den Anträgen der beteiligten Vereine, so die Mitteilung des DFB-Sportgerichts. Auch der DFB-Kontrollausschuss hatte sich zuvor für eine Wiederholung des Spiels ausgesprochen.

Stephan Oberholz, der Stellvertretende Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, sagte zur Urteilsbegründung: "Bei dem Vorfall handelt es sich um einen nicht normierten Sonderfall, der ungeachtet eines etwaigen Verschuldens der beteiligten Vereine nach Ansicht des Sportgerichts eine Spielwiederholung rechtfertigt. Emotional und moralisch halten wir die Entscheidung des VfL Osnabrück, das Spiel nicht fortzusetzen, für nachvollziehbar. Auch hat die Intention, ein Zeichen gegen Rassismus setzen zu wollen, unsere ausdrückliche Unterstützung. Allerdings muss klar bleiben, dass das Recht zum Spielabbruch grundsätzlich allein dem Schiedsrichter zusteht. Wir weisen zudem ausdrücklich darauf hin, dass in künftigen, vergleichbaren Fällen eines Spielabbruches in Bezug auf die Spielwertung immer auch Tatintensität, Täterprofil, Zeitpunkt und Spielstand näher in den Blick genommen werden müssen."

Über mögliche Sanktionen gegen den MSV Duisburg wegen der rassistischen Beleidigungen wird das Sportgericht nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. 

Duisburg-Spiel: Polizei ermittelt nach rassistischen Beleidigungen

Beide Vereine begrüßten die Entscheidung mit einer gemeinsamen Mitteilung. "Wir hoffen aber auch, dass so ein Spielabbruch einmalig bleibt", sagte Duisburgs Präsident Ingo Wald. VfL-Präsident Holger Elixmann betonte, beide Vereine hätten "durch ihr Verhalten ein klares Zeichen gegen Rassismus und für Menschlichkeit gesetzt, der DFB hat sich im Sinne des Fußballs durch das Urteil daran angeschlossen".

Die Ermittlungen zu den rassistischen Beleidigungen dauern indes an. "Der Beschuldigte hat sich geäußert. Darüber hinaus werden Videos gesichtet und weitere Zeugen befragt", sagte eine Polizeisprecherin am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Ein 55 Jahre alter Mann soll rassistisch beleidigt haben. Ob es auch – wie vom Schiedsrichter angegeben – Affenlaute gegeben hat, will die Polizei prüfen. Sie hatte umgehend Anzeige erstattet. Eine Beleidigung kann eine Geldstrafe oder eine Haftstrafe bis zu einem Jahr nach sich ziehen.

Allerdings gibt es laut Polizei Zeugenaussagen, dass "ein anderer Spieler gemeint gewesen sein" könnte. Demnach wäre nicht Aaron Opoku, sondern VfL-Spieler Florian Kleinhansl Ziel der Schmähungen gewesen.

rw DPA

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