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Van Nistelrooy und Real Madrid: Lasst ihn ziehen!

Ruud van Nistelrooy möchte trotz laufenden Vertrags weg vom HSV und zu seinem Herzensclub Real Madrid zurückkehren. Das erinnert stark an Hoffenheims Demba Ba, der sich nach England streiken will. Und doch gibt es einen Unterschied.

Von Klaus Bellstedt

Am Dienstag um 15 Uhr steht für Ruud van Nistelrooy im Hamburger Volkspark die erste Trainingseinheit nach dem Theater um einen Wechsel zu Real Madrid an. Wird er dabei sein oder wird er schwänzen, um so auf die Verantwortlichen weiter Druck aufzubauen? Keine Sorge, der 34-jährige Niederländer ist nicht so verdorben wie Hoffenheims Stürmer Demba Ba, der sich nach England streiken will. Im Gegenteil: Van Nistelrooy eilt ein exzellenter Ruf voraus. "Van the Man" gilt auf dem Fußballplaneten als sympathisch und fairer, aber vor allem professioneller Sportsmann. Deshalb wird er natürlich mit seinen Kollegen üben - und mit seinen Gedanken doch bei seinem Lieblingsclub Real Madrid sein.

Man muss wissen: Real Madrid ist van Nistelrooys Leidenschaft, vier Jahre hat er hier gespielt, seine beiden Kinder wurden in dieser Zeit geboren, erst vor einem Jahr wurde er für zu alt befunden und ablösefrei nach Hamburg verabschiedet. Nun wollen ihn die Königlichen zurück, sofort. Obwohl dem HSV noch kein offizielles Angebot aus Madrid unterbreitet wurde, stellte Real-Trainer José Mourinho am Montag einmal mehr klar, dass eine Verpflichtung van Nistelrooys als Ersatz für den verletzten Gonzalo Higuain weiterhin oberste Priorität habe. Mourinho ruft. Und jetzt?

Mitspieler haben Verständnis

In der Sache wollen Demba Ba und Ruud van Nistelrooy das Gleiche. Raus aus einem laufenden Vertrag. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und doch gibt es einen Unterschied: Der Niederländer hat nie mit Erpressung gedroht, wie in seiner holländischen Heimat kolportiert wurde. Er sagt selber: "Ich bin nicht frei, ich habe einen Vertrag." Statt, wie Ba, öffentlich einen Konflikt zu schüren und die totale Verweigerungshaltung einzunehmen, spielt van Nistelrooy weiter gut Fußball. Beim 1:0-Auswärtserfolg der Rothosen in Gelsenkirchen erzielte er gar den Siegtreffer.

Nein, man kann es Ruud van Nistelrooy nicht übel nehmen, dass er unbedingt zu den Königlichen zurückkehren möchte. Dieser gestandene Fußballer will unter Welttrainer Mourinho mit dem Weltclub Real Madrid einen letzten Anlauf auf den Gewinn der Champions League unternehmen. Seine Weltkarriere wäre damit vollendet. Sogar van Nistelrooys Mitspieler haben Verständnis. "Er ist ein Super-Typ. Ich würde gern weiter mit ihm zusammenspielen. Aber ich möchte jetzt nicht in seiner Haut stecken und könnte verstehen, wenn er seine Karriere gern bei Real Madrid beenden will", sagt Torhüter Frank Rost diplomatisch, wohl wissend, dass man als Fußballer ein Angebot von Real Madrid einfach nicht ablehnen darf.

Deja-vu beim HSV

Der Hamburger SV stellt sich noch quer. Weil er seinen besten Stürmer nicht verlieren will. Aber vor allem, weil Real Madrid kein Geld bietet. Die Wahrheit sieht nämlich so aus: Die Causa "van Nistelrooy" ist längst zu einem Pokerspiel geworden. In spanischen Medien wird am Dienstag bereits spekuliert, dass Real darüber nachdenkt, zwei Millionen Euro für den am Saisonende ablösefreien Stürmer zu bieten. Ein bisschen mehr müsste es vielleicht schon sein, aber dann dürfte alles ganz schnell gehen. Zwei Millionen Euro an Gehalt würden die klammen Hamburger bei einem Transfer darüber hinaus einsparen. Auch nicht ganz unwichtig.

Am Ende wird der HSV Ruud van Nistelrooy die Freigabe geben, wegen des Geldes - und weil sie bei den Norddeutschen wissen, dass man wechselwillige Spieler, die mit ihrem Herzen längst woanders sind und das auch noch öffentlich kundtun, sowieso nicht halten kann. So etwas kann nur schief gehen. Bei den Hamburgern weiß man davon ein Lied zu singen. Die Herren van der Vaart und Boulahrouz lassen schön grüßen...

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