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BVB in der Champions League: Mchitarjans schmerzhafter Lernprozess

Der Armenier Henrich Mchitarjan hätte Dortmunds Held werden können, scheiterte jedoch gegen Real Madrid am Pfosten und sich selbst. Stürmer Adrian Ramos ersetzt im Sommer Robert Lewandowski.

Henrich Mchitarjan hatte Streicheleinheiten nötig. Unmittelbar nach dem Abpfiff der Partie zwischen Borussia Dortmund und Real Madrid nahm Trainer Jürgen Klopp seinen Schützling tröstend in den Arm. Der BVB hatte eine herausragende Vorstellung geboten, die "Königlichen" Madrilenen 2:0 besiegt und war dennoch ausgeschieden. Das allein war selbstverständlich nicht die Schuld des Mittelfeld-Technikers, doch er allein hätte für den Einzug ins Halbfinale der Champions League sorgen können.

Klopp versuchte dem 25-Jährigen Schuldgefühle auszureden. Der Zuspruch des Fußball-Lehrers konnte den Frust des 26 Millionen Euro teuren Neuzugangs aber nur bedingt schmälern. Auch beim Verlassen des Stadions rund eine Stunde später wirkte der Pechvogel noch immer konsterniert: "Ich möchte mich bei meinen Mitspielern entschuldigen", sagte er kleinlaut.

Hätte der Armenier im Spiel zuvor nur eine der drei Großchancen genutzt, wäre es nach dem 0:3 im Hinspiel zumindest zu einer Verlängerung gekommen. Er brachte es stattdessen fertig, den Ball vor dem leeren Tor an den Pfosten zu schieben und auch aus sieben Metern gelang es ihm - hervorragend eingesetzt von Doppeltorschütze Marco Reus - nicht, den nötigen Treffer zu erzielen. "Er hatte zwei Momente, die jeder, der einmal Fußball gespielt hat, auch schon erleben musste - vor allem in einer Phase, wo einem das Toreschießen nicht so leicht fällt", kommentierte Coach Klopp.

Das schwere Götze-Erbe

Ähnlich fahrlässig war Mchitarjan schon in den vergangenen Spielen gegen Madrid, Wolfsburg und Schalke mit besten Möglichkeiten umgegangen. "Er ist ein Klassefußballer und soll weiter machen wie bisher. Dann bin ich mir sicher, dass er schon bald wieder trifft", sagte Außenverteidiger Lukasz Piszczek.

Mchitarjan war im vergangenen Sommer vom ukrainischen Topclub Schachtjor Donezk nach Dortmund gewechselt - und sollte dort den zu Bayern München abgewanderten Superstar Mario Götze ersetzen. Ein zweifelsohne schweres Erbe. In 26 Bundesliga-Spielen gelangen ihm zwar sechs Treffer, in zehn Champions-League-Einsätzen zwei Tore, doch zu häufig scheitert der hochbegabte Fußballer in den entscheidenden Szenen.

In Dortmund vertrauen die Verantwortlichen dennoch weiter voll auf die Fähigkeiten des Armeniers. Im Dreitagesrhythmus Topleistungen abliefern zu müssen, das war für Mchitarjan neu und körperlich gewöhnungsbedürftig. Doch Beispiele aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass Klopp mit genügend Zeit aus Talenten Weltklassespieler formen kann. Robert Lewandowski hing nach seiner ersten Saison 2010/11 in Dortmund ebenfalls bereits der Ruf des Chancentods nach, im Sommer verlässt er die Westfalen nun als womöglich bester Stürmer der Welt.

Adrian Ramos unterschreibt bis 2018

Einen Ersatz für den Polen konnte der BVB einen Tag nach dem unglücklichen Ausscheiden aus der Champions League präsentieren. Der Kolumbianer Adrian Ramos, der seit Monaten in Dortmund gehandelt worden war, unterschrieb einen Vierjahresvertrag bis 2018. Der 28 Jahre alte Ramos soll das Erbe Lewandowskis jedoch nicht alleine antreten, noch eine weitere Offensivkraft wird folgen, weil der Starstürmer laut Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke "nicht eins zu eins zu ersetzen" sei.

Ramos hatte bei der Hertha noch einen Kontrakt bis 2015, für ihn muss die Borussia dem Vernehmen nach rund zehn Millionen Euro Ablöse nach Berlin überweisen. "Es war mein Wunsch, diesen nächsten Karriereschritt zu gehen und Champions League spielen zu können", sagte der kolumbianische Nationalspieler. Er erzielte in dieser Saison bereits 16 Tore, nur eines weniger als Lewandowski.

nck/DPA / DPA

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