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Bundesliga im stern-Check: Warum Derbys mittlerweile einen hohen Nerv-Faktor haben

Die Bayern patzen schwer gegen Nürnberg und halten den BVB im Titel-Rennen. Und Derbys sind auch nicht mehr das, was sie mal waren: Viele Fans benehmen sich daneben und Derby-Sieger tun so, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen.

FC Schalke 04

Glückliche Fußballer: Daniel Caligiuri (M.) jubelt mit Guido Burgstaller und anderen Schalker Spielern über sein traumhaftes Freistoßtor

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So liefen die Spiele in der Fußball-Bundesliga

Alle Ergebnisse des 31. Spieltages, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltages

Nur ganz knapp: Der Handelfmeter gegen Dortmund im Derby war eine ärgerliche Fehlentscheidung. Da hatte BVB-Trainer Lucien Favre auf seiner Wut-Pressekonferenz nach dem Spiel vollkommen recht. Das Kriterium der Körperflächenvergrößerung ist bei einem Schuss aus kurzer Distanz gegen die Natur des Sports. Wo soll der Arm denn hin? Die Arm-Bewegung von BVB-Verteidiger Julian Weigl war beim Schuss von Schalkes Breel Embolo so natürlich wie nur irgendwas. Die Regel muss geändert werden, wenn sie denn tatsächlich korrekt ausgelegt wurde. Es muss hinzugefügt werden: Der Strafstoß war aus Dortmunder Sicht ärgerlich, aber nicht der Grund für die Niederlage. Wer so etwas behauptet, sucht nur nach Ausreden.

+++ Lesen Sie hier, warum den Dortmundern wieder mal die Nerven versagten +++ 

Gewinner des Spieltages

Das ist der 1. FC. Nürnberg. Beim 1:1 im bayerisch-fränkischen Duell zeigte der Club Zähne und brachte die Bayern an den Rand einer Niederlage. Bedauerlich aus Nürnberger Sicht ist natürlich, dass Tim Leibold einen Strafstoß an den Pfosten setzte. Nürnberg hätte die drei Punkte im Abstiegskampf dringend gebraucht. Jetzt ist der Abstand auf den Relegationsplatz auf fünf Punkte angewachsen, weil Stuttgart sein Spiel gewann. Aber abgestiegen sind die Franken noch nicht. Für die Bayern ist das Ergebnis ein bisschen peinlich. Im Falle eines Sieges hätten sie vier Punkte Vorsprung auf Dortmund gehabt, jetzt sind es lediglich zwei und der Titelkampf bleibt offen. In zwei Wochen spielen sie gegen Leipzig, der nach Fußball-Kommentator Béla Réthy aktuell besten Mannschaft in Deutschland. Das kann aus Bayern-Sicht noch heikel werden.

Verlierer des Spieltages

Hier kommen wir an Borussia Dortmund nicht vorbei. Hätte der BVB das Derby gewonnen, wäre er jetzt punktgleich mit den Bayern. Aber das ist nicht das Entscheidende: In so einem Spiel geht es ja nicht in erster Linie um den Tabellenplatz, sondern um Triumph oder Schmach. Und die Dortmunder haben sich die volle Breitseite abgeholt. Sie haben sich durch zwei rote Karten selbst aus dem Spiel genommen und am Ende 2:4 verloren. Noch ein Wort zu den Schalkern: Wenn man 30 Spieltage lang nur Mist zusammenspielt und dann nach dem Derby-Erfolg so feiert, als hätte man die Meisterschaft gewonnen, dann wirkt das befremdlich, egal wie wichtig das Derby in der ganz eigenen Wahrnehmung ist. Nur zur Erinnerung: Mit zwei Mann mehr auf dem Platz haben sie noch ein Gegentor kassiert!

Davon abgesehen haben Derbys mittlerweile ein hohen Nerv-Faktor entwickelt, weil sie dermaßen mit Bedeutung und Hass-Parolen aufgeladen werden, als gäbe es danach kein Morgen mehr. In Dortmund gab es wieder das volle Programm. Dortmunder Fans versuchten noch im Stadion, Jagd auf Gästefans zu machen, später stürmten sie eine Schalker Fankneipe. Die Königsblauen Anhänger zeigten dafür peinliche Plakate und sorgten schon beim Einlass für Tumulte etc. Mein Kollege Niels Kruse hat anlässlich des Hamburger Derbys mal sehr zutreffend aufgeschrieben, wie sehr das nervt.

+++ FC St. Pauli vs. HSV: Lasst mich bloß mit dem Derby in Ruhe! +++

Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

So einen Treffer wie von Kenan Karaman sieht man man nicht alle Tage im Fußball. Der Düsseldorfer Angreifer bekam den Ball in der eigenen Hälfte zugespielt und setzte zu einem atemberaubenden Sololauf über das ganze Feld an. Die Bremer Gegenspieler, wahrscheinlich noch alle erschöpft vom Pokal-Halbfinale gegen die Bayern, umkurvte er wie Fahnenstangen. Die Fortuna gewann 4:1 und hat jetzt 40 Punkte gesammelt - als Aufsteiger. Düsseldorf schreibt eine der Erfolgsstorys dieser Saison.

Bild des Spieltages

Oliver Baumann

Oliver Baumann will einen harmlosen Kopfball des Wolfsburgers Weghorst fangen und lässt ihn ins Tor trudeln. Beim nächsten Tor durch Maximilan Arnold sieht er auch nicht gerade gut aus. Es gibt halt so Tage. Hoffenheim verlor zu Hause gegen Wolfsburg mit 1:4. Aber Schuld allein war Baumann auch nicht.

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