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Champions League: "Wie im Märchen": FC Thun feiert Premieren-Sieg

Der Schweizer Dorfklub ärgert in der Königsklasse weiter die Etablierten. In den anderen Gruppen gaben sich die Favoriten Barcelona, Juventus Turin sowie Manchester United keine Blöße.

Am Tag der Favoritensiege setzten der kleine FC Thun und "Ronaldinho der Große" die Glanzlichter in der Champions League. "Magier Ronaldinho verhext Udinese Calcio", titelte "La Gazzetta dello Sport" anerkennend nach dem glatten 4:1-Erfolg des FC Barcelona, den der Weltfußballer aus Brasilien mit drei spektakulären Toren fast im Alleingang herausschoss. Während die Thuner "Nobodys" aus dem Berner Oberland mit dem 1:0 über Sparta Prag ihre historische Sieg-Premiere in Europas Meisterliga feierten, liegen neben Barcelona nach zwei Vorrundenspielen in ihren Gruppen Juventus Turin und der FC Arsenal mit optimalen 6 Punkten sowie Manchester United (4) vorn.

Heimlicher Sieger im Camp Nou war auch Coach Fank Rijkaard. Seine Maßnahme, die Torschützen Ronaldinho und Deco zuvor gegen Sevilla (4:1) pausieren zu lassen, ging voll auf. "Es war die Nacht der ’heiligen Kühe’: Rijkaards Schachzug erweist sich als durchschlagender Erfolg", befand "Sport". "Rijkaard gewinnt weiter an Prestige", schrieb "El Mundo Deportivo". Und Matchwinner Ronaldinho, den die Zwangspause zur Top-Leistung animierte, meinte: "Der Trainer weiß, was er tut. Er hat unser Vertrauen. Wir haben nun auf dem Platz unsere Antwort gegeben."

"Capello reiht die siebte Perle auf"

Besonders die Südamerikaner brillierten. Neben Ronaldinho und dem ebenfalls in Brasilien geborenen Portugiesen Deco drehte vor allem Leo Messi groß auf. Der argentinische Jungstar, der gerade erst einen spanischen Pass erhalten hat, riss das Publikum zu Ovationen hin. "Das war die Nacht des Leo Messi und der ’Bestraften’ vom Samstag", fasste "El Periódico de Catalunya" passend zusammen und urteilte angesichts des Drei-Punkte-Vorsprunges vor Udinese und Panathinaikos Athen: "Barcelona hat das Weiterkommen schon halb in der Tasche."

Das gilt in Gruppe A auch für Juventus (3:0 gegen Rapid Wien) und Bayern München (1:0 gegen FC Brügge), die nach zwei Siegen über noch punktlose Gegner nun vor zwei Duellen um den Gruppensieg stehen. "Der Höhenflug geht weiter. Capello reiht die siebte Perle auf", schrieb die "Gazzetta" nach Juves siebtem Sieg im siebten Saisonspiel. Trotz der Treffer von David Trezeguet, Adrian Mutu und Zlatan Ibrahimovic, der seine 135-tägige Torflaute beendete, war Trainer Fabio Capello nicht vollauf zufrieden. "Wir haben zu viele Fehler gemacht und waren vor dem Tor zu egoistisch." Dagegen war Rapids Keeper Helge Payer vollauf bedient: "Nach dieser Niederlage geht es mir schlecht."

Eidgenossen feiern den FC Thun

Während Ruud van Nistelrooy mit seinem 47. Europacup-Tor den 2:1- Heimsieg von Manchester United über Benfica Lissabon und die knappe Führung in der Gruppe D perfekt machte, liegt der FC Arsenal nach dem ersten Auswärtssieg seit knapp 20 Monaten (2:1 bei Ajax Amsterdam) in Gruppe B souverän vorn. Hinter Arsenal (6) folgt nun Außenseiter Thun (3), für den Selver Hodzic (89.) den 1:0-Erfolg über Prag perfekt machte. "Ein unglaublicher Moment", berichtete der bosnisch-stämmige Schweizer nach seinem Last-Minute-Siegtor: "Es ist wie im Märchen."

Im Land der Eidgenossen feierten die Zeitungen den Coup des 1898 gegründeten Clubs, der noch keinen Titel gewonnen hat. "Der FC Wunder stürmt weiter", schrieb der "Tages-Anzeiger" nach dem Happy End eines denkwürdigen Abends. "Thun ist und bleibt der perfekte Außenseiter", urteilte "Blick". Und die Agentur "SI" glaubt, dass der "derzeitige Stolz des Schweizer Fußballs" sogar noch mehr erreichen kann. "Der historische Sieg eröffnet den Oberländern nun Chancen, zumindest den dritten Gruppenplatz zu erreichen und im Europacup zu überwintern."

DPA

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