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Champions League: "Thun-believable" - Schweizer Dorfklub ärgert Arsenal

Sie sind Fußball-Experte und haben noch nichts vom FC Thun gehört? Fragen Sie mal bei Arsenal London nach.

Die Gnade des späten Tores hat die Fußball- Millionäre von Arsenal London zum Champions-League-Auftakt vor einer Blamage gegen die Nobodys des FC Thun bewahrt. Dank des Treffers des eingewechselten Dennis Bergkamp in der Nachspielzeit kam das Starensemble von Trainer Arsene Wenger gegen die Europapokal-Neulinge aus der Schweiz zu einem schmeichelhaften 2:1. Als moralische Sieger durfte sich jedoch der Dorfverein aus dem Berner Oberland fühlen. "Es tut weh, so kurz vor dem Abpfiff noch zu verlieren. Ein kleines Detail hat uns um die Früchte unserer Anstrengungen gebracht", meinte Trainer Urs Schönenberger. Doch betonte er: "Wir verlassen London erhobenen Hauptes."

Im Highbury Park waren Welten aufeinander gestoßen. Die Schweizer planen mit einem Jahresetat von drei Millionen Euro, Arsenal hat einen Jahresumsatz von 170 Millionen Euro und ist laut dem Magazin "Forbes" der siebtreichste Verein der Welt. Im Schnitt verdienen die Profis aus Thun rund 44 000 Euro im Jahr. Londons Torjäger Thierry Henry kommt auf 119 000 Euro - pro Woche. Der FC Thun will Dritter werden in der Gruppe B und sich für den UEFA-Pokal qualifizieren, Arsenal möchte endlich die Champions League gewinnen.

Englische Presse kennt keine Gnade mit den "Gunners"

Doch von einem Leistungsunterschied war nichts zu sehen. Auch das Fehlen von Henry und dem gesperrten deutschen Nationaltorhüter Jens Lehmann sowie die Rote Karte für Robin van Persie kurz vor der Pause konnten die Probleme des englischen Vizemeisters nicht erklären. "10 gegen 11 ist schwierig", meinte Trainer Wenger, der den Kung-Fu-Tritt von van Persie gegen Alen Orman als "Unfall" bezeichnete.

Die britische Presse ließ keine Ausreden gelten und ging mit Wenger und seinen Fußball-Millionären am Donnerstag hart ins Gericht. "Arsene Wenger muss sich die Frage gefallen lassen, warum es so schwierig war, ein Team zu schlagen, das vor neun Jahren vor nur 100 Zuschauern Amateurfußball gespielt hat", schrieb die "Sun". Der "Daily Mirror" bemerkte: "It’s Thun-believable." Und "The Guardian" kam zum Schluss: "Trotz des Platzverweises von Robin van Persie sollten zehn Premier-League-Millionäre in der Lage sein, mit einfachen Mitteln einen FC Thun zu schlagen."

Italienische Teams mit weißer Weste

Für Arsenal war es nur ein schwacher Trost, dass sich auch Manchester United in der Gruppe D schwer tat beim FC Villareal und mit Glück ein 0:0 erreichte. Super-Talent Wayne Rooney schwächte sein Team durch eine gelb-rote Karte, weil er dem Schiedsrichter höhnisch applaudierte. Das brachte Trainer Alex Ferguson auf die Palme: "Das Verhalten Rooneys war ein infantiler Fehler." Der spanische Champions-League-Debütant bekam von den einheimischen Blättern viel Lob. "Villareal begnadigt Manchester", schrieb "El País"

Die vier italienischen Vertreter legten indes einen perfekten Start in der "Königsklasse" hin. Nach den Siegen am Dienstag durch die beiden Mailänder Vereine AC und Inter gewannen auch Meister Juventus Turin und Udinese Calcio am Mittwoch ihre ersten Spiele. In Bayern Münchens Gruppe A setzte sich Juve mit 2:1 beim belgischen Meister FC Brügge durch. Dabei erzielte David Trezeguet seinen 100. Treffer für die Turiner und ist nun nah am Vereinsrekord seines französischen Landsmannes Michel Platini (104 Tore).

Matchwinner beim Erfolg von Champions-League-Neuling Udinese Calcio war Stürmer Vicenco Iaquinta. Er schoss alle Treffer beim 3:0- Sieg gegen Panathinaikos Athen. "Ein Mittelstürmer aus Dynamit", lobte "La Gazzetta dello Sport" den Nationalspieler. Dank Iaquinta übernahm Udine die Führung in der Gruppe C, in der auch Werder Bremen und der FC Barcelona (0:2) spielen.

DPA

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