Champions-League-Endspiel Bayern ohne Ribéry - na und?


Es ist eigentlich eine niederschmetternde Nachricht: Der FC Bayern steht seit neun Jahren erstmals wieder im Finale der Champions League und muss ausgerechnet in diesem Spiel auf seinen Superstar Franck Ribéry verzichten. Axel Kintzinger findet das überhaupt nicht schlimm.

Franck Ribéry wurde von der Uefa wegen seines Fouls im Hinspiel gegen Lyon für drei Partien gesperrt. Spätestens nach dem triumphalen 3:0 bei den Franzosen aber wissen die Bayern auch: Alles nicht so schlimm.

Hand aufs Herz: Hat am Dienstagabend irgendjemand von den rund zehn Millionen Menschen in Deutschland, die Lyon gegen Bayern im Fernsehen verfolgt haben, Ribéry vermisst? Schwer vorstellbar. Denn die Münchner verfügen über den Komfort, statt des quirligen Franzosen einen Spieler wie Hamit Altintop zu bringen. Der hat seine Sache hervorragend gemacht, und wer sich darüber wundert, braucht sein Gedächtnis nur ein bisschen anzustrengen. Denn wie hieß noch mal der beste Spieler der vergangenen Europameisterschaft? Nicht Cristiano Ronaldo, nicht Michael Ballack, nicht Andrés Iniesta und schon gar nicht Ribéry, sondern: Hamit Altintop.

Tu felix Bavaria, andere müssen in solchen Fällen mediokre Nachwuchskräfte einsetzen, du aber holst Dir einfach einen Top-Spieler von der Ersatzbank. Das gilt nicht nur für den Mann mit der Nummer sieben, der nicht nur so gern in fremde Strafräume, sondern auch in fremden Betten dribbelt. Es gilt auch für einen 35-Mio.-Euro-Einkauf wie Mario Gomez.

Für jeden Gegner die richtige Taktik

Selbst auf dessen Dienste kann Trainer Louis van Gaal locker verzichten, hat er doch den Null-Euro-Einkauf Ivica Olic im Kader. Der unprätentiöse Kroate kam im vergangenen Sommer als Stürmer Nummer vier nach München. Vor ihm standen Weltmeister Luca Toni, Nationalspieler Miroslav Klose und eben Gomez. Toni ist längst geflohen, und die anderen beiden müssen sich hinter Olic einreihen. Noch so ein Auftritt im Finale, und in München werden sie ein Olic-Denkmal bauen, so hoch, dass man es noch in Zagreb sehen kann.

Der Aufstieg Olics bei den Bayern ist so spektakulär wie der Saisonverlauf der ganzen Mannschaft. Die hat tatsächlich gute Chancen, diese Champions League zu gewinnen. Das hat viel mit Stars wie Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger und eben Olic zu tun - noch mehr aber vielleicht mit Trainer van Gaal. Der Niederländer scheint für jeden Gegner die richtige Taktik zu finden. In Mailand und Barcelona jedenfalls dürften in der Nacht zu Mittwoch einige Kinnladen heruntergeklappt sein. Lyon ist vielleicht nicht allererste europäische Sahne - aber eine Mannschaft, die immerhin Real Madrid aus dem Wettbewerb geworfen hat, muss man erstmal so dominieren, wie die Bayern das getan haben. Und das alles ohne Ribéry.

Diesen Kommentar haben wir für Sie in der Financial Times Deutschland gefunden.

FTD

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