Champions League Messi lässt Werders Traum platzen


Fast hätten sie die Sensation geschafft: Im Spiel gegen den FC Barcelona hat Werder Bremen erst kurz vor Schluss den bitteren Ausgleich kassiert. Bayern München konnte bei Inter Mailand den zweiten Sieg landen.

Trotz einer Klasse-Leistung hat Werder Bremen mit dem 1:1 (0:0) gegen den FC Barcelona den Befreiungsschlag in der Champions League verpasst. Aber dank des wichtigen Punktgewinns gegen den haushohen Favoriten besteht für die Bremer weiter eine kleine Chance, eine Runde weiter zu kommen.

Pizarro und Podolski treffen für Bayern

Bei den Bayern dagegen von Krise keine Spur: Dank der späten Tore von Claudio Pizarro und Lukas Podolski hat der deutsche Meister seinen Italien-Fluch besiegt und hält nach dem 2:0 (0:0) bei Inter Mailand Kurs auf den Gruppensieg in der Champions League. Für die Bayern war es der erste Europacup-Auswärtssieg bei einem italienischen Club seit fast 18 Jahren. Der Achtelfinal-Einzug ist damit fast geschafft.

Die Bremer gingen vor 37.000 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion durch ein Eigentor von Carles Puyol (56./Eigentor) in Führung, die Lionel Messi (89.) noch egalisieren konnte. Im Heimspiel am 18. Oktober gegen Levski Sofia benötigen die Bremer nun unbedingt einen Sieg, um ihre Ausgangsposition in der Meisterliga zu verbessern.

"Es war unglücklich"

"Ich freue mich über das gute Spiel, aber natürlich ist man enttäuscht, wenn man lange 1:0 führt und dann so spät den Ausgleich bekommt", sagte Bremens Nationalspieler Torsten Frings nach dem Teilerfolg. "Vor dem Spiel wäre ich mit einem 1:1 zufrieden gewesen." Und Kapitän Frank Baumann ergänzte: "Vom Spielverlauf her war das unglücklich, aber wir haben bewiesen, dass wir auch mit einem so starken Gegner mithalten können."

Die Bremer begannen konzentriert und zielstrebig wie schon lange nicht mehr gegen die anfangs recht sorglos wirkenden Katalanen, die die Hausherren zunächst nahezu ungestört kombinieren ließen. Hunt (2.) und Torsten Frings (9.) boten sich beinahe folgerichtig erste gute Einschussmöglichkeiten. Dann aber taute auch "Barca" allmählich auf: Erst nahmen Frings und Torhüter Tim Wiese im Zusammenspiel dem durchgestarteten Ronaldinho das Leder vom Fuß (15.), dann scheiterte Samuel Eto'o am aufmerksamen Werder-Schlussmann (18.).

Werders Defensive stand gut

Werder musste dem hohen Anfangstempo Tribut zollen und ließ in der Offensive nach. Aber die sonst so häufig gescholtene Defensive hielt gegen die Star-Elf der Katalanen fast immer stand. Als aber Bremens Hintermannschaft um den erstmals seit knapp drei Monaten eingesetzten Nationalspieler Mertesacker einmal nicht im Bilde war und Ludovic Giuly nach Ronaldinhos Vorlage freistehend von der Strafraumgrenze abziehen konnte, hatten die Hausherren Glück, dass der Franzose zu unplatziert schoss. Wiese konnte per Faustabwehr klären (34.).

Nach der Pause begannen erneut die Gastgeber besser. Nachdem Klose per Kopf nur das Außennetz (51.) getroffen und Diego (54.) genau auf Keeper Victor Valdes gezielt hatte, sorgte ausgerechnet Puyol für die verdiente Führung. Der Abwehrchef lenkte eine Hunt-Flanke ins eigene Netz, als er vor Borowski klären wollte. Mit Lionel Messi und Eidur Gudjohnsen verstärkte Gäste-Coach Frank Rijkaard nun die Offensive. Dadurch boten sich Werder Konterchancen: Borowski (65.) und Klose (69.) vergaben guten Möglichkeiten zur Vorentscheidung.

Messi mit genialem Solo

Die Katalanen drängten nun gewaltig, Werder hielt weiter dagegen. Wiese rettete mit einer Glanzparade gegen den nach einem sehenswerten Solo frei vor ihm aufgetauchten Edeljoker Messi den Vorsprung. Auch in der Schlussphase, als die Spanier alles auf eine Karte setzten und nur noch nach vorne gingen, erwies sich der Schlussmann als Rückhalt. Gegen Messis Schuss nach gelungener Kombination mit Deco kurz vor dem Abpfiff war aber auch er chancenlos.

"Mir war klar, dass die Mannschaft in der Champions League ihr wahres Gesicht zeigen wird. Dass wir dazu auch noch gewonnen haben, ist um so schöner", sagte Bayern-Coach Felix Magath nach der Partie gegen Inter Mailand. Clubchef Franz Beckenbauer merkte dagegen kritisch an: "Die Partie wird nicht in die Annalen eingehen als eines der allerbesten Spiele."

Lange fehlte die Präzision

203 Tage nach dem 1:4-Debakel im Achtelfinal-Rückspiel beim Lokalrivalen AC Mailand präsentierten sich die Bayern bei ihrer Rückkehr ins Giuseppe-Meazza-Stadion in anderer Verfassung. Gegen einen spielerisch schwachen italienischen Meister bestimmten die Münchner sogar weitgehend das Geschehen. Allerdings fehlten ihnen in Strafraumnähe sogar in Überzahl lange Zeit die Entschlossenheit und Präzision, um zum Erfolg zu kommen. Erst neun Minuten vor dem Ende "stolperte" Pizarro eine Vorlage von Roy Makaay zum 1:0 ins Netz.

Zu den positiven Erscheinungen in einem zerfahrenen Spiel zählten Hargreaves-Vertreter Andreas Ottl und Torhüter Oliver Kahn. Bei seinem Debüt in der europäischen Königsklasse zeigte das 21-jährige Eigengewächs im Duell mit Weltstar Luis Figo keinen Respekt und imponierte zudem mit gutem Stellungsspiel. Kahn hielt den deutschen Rekordmeister mit zwei Glanzparaden im Spiel. Auch der gegen Moskau wegen Formschwäche auf die Reservebank verbannte Makaay strahlte endlich wieder Torgefahr aus. In der 22. Minute scheiterte der von Ottl freigespielte Niederländer an dem mit toll reagierenden Inter-Schlussmann Julio Cesar.

Inter ohne Viera

Ohne den gesperrten Mittelfeldstar Patrick Vieira war von der gefürchteten Offensivstärke Inters bis dahin fast nichts zu sehen gewesen. Dennoch wäre schon die erste Unaufmerksamkeit der Bayern-Innenverteidigung beinahe mit dem 0:1 bestraft worden, doch Oliver Kahn rettete glänzend gegen den allein auf sein Tor zulaufenden Ibrahimovic (12.). Der Schwede und sein Angriffspartner Hernan Crespo deckten manche Abstimmungsprobleme zwischen Lucio und Daniel van Buyten auf.

Auch nach Wiederbeginn bestimmten die Bayern Tempo und Rhythmus der Partie, ohne wirklich zwingend aufzutreten. Selbst aus dem Platzverweis für Ibrahimovic wegen wiederholten Foulspiels konnten die Gäste zunächst kein Kapital schlagen. In der 61. Minute wurde sogar erneut Kahn zum Retter für die Münchner, als er einen Schuss von Crespo aus kurzer Distanz entschärfte. Als schon eine Nullnummer drohte, machte Pizarro das Bayern-Glück doch noch perfekt.

DPA/tis print

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