HOME

Champions League: Schalke im Pech, Bremen peinlich

Deutsche Clubs hinken weiter in Europa hinterher: Trotz einer starken Leistung hat es für Schalke gegen Chelsea London nur zu einem Unentschieden gereicht. Werder Bremen blamierte sich bei Lazio Rom und verlor völlig verdient. Für beide Teams wird es schwer, das Achtelfinale zu erreichen.

Der FC Schalke 04 hat sich mit einer nicht für möglich gehaltenen Energieleistung eindrucksvoll in der Champions League zurückgemeldet, einen greifbar nahen Sieg gegen den FC Chelsea aber verpasst. Die Gelsenkirchener kamen am Dienstagabend gegen das Londoner Fußball-Starensemble trotz eines Sturmlaufs nur zu einem 0:0, bewahrten sich aber durch den Achtungserfolg immerhin die Chance auf das Erreichen des Achtelfinales. Ganz anders Werder Bremen: Die Norddeutschen blamierten sich im Spiel gegen Lazio Rom bis auf die Knochen. Nach der verdienten 1:2 (0:0)-Niederlage am Dienstagabend fiel der Fußball-Bundesligist auf den letzten Platz der C-Gruppe zurück und muss um den Einzug ins Achtelfinale bangen.

Mit vier Punkten ist einer der beiden Spitzenränge in der Gruppe B für die zuletzt hart kritisierten Schalker in den noch ausstehenden Spielen in Valencia (3 Punkte) und gegen Trondheim (7) in Reichweite. Zwei Wochen nach dem 2:0-Sieg im Hinspiel trat Chelsea vor 53 951 Zuschauern in der ausverkauften Schalker Veltins-Arena regelrecht lustlos auf. Der Arbeitgeber des verletzten Michael Ballack kann als Gruppenprimus (8) aber fast schon für die nächste Runde planen.

Nichts sprach für den einen Schalker Erfolg

Vor dem Spiel sprach praktisch nichts für einen Schalker Teilerfolg. Mehr als ein halbes Dutzend verletzte Stammkräfte musste Trainer Mirko Slomka ersetzen und sein Personal nach den jüngsten Enttäuschungen aufrichten. "Das wird eine andere Mannschaft sein als gegen Cottbus", versprach der Coach erhöhte Einsatzbereitschaft. Und seine Spieler ließen Taten folgen. Etwas überraschend brachte Slomka den jungen Mesut Özil in der Offensive. Gerald Asamoah biss trotz Kniereizung auf die Zähne und bildete mit Özil die Flügelzange hinter der einzigen Spitze Sören Larsen. Chelsea, mit dem Selbstbewusstsein von sieben Siegen in Serie angereist, baute auf seine zuletzt auch ohne Ballack, John Terry und Ashley Cole erfolgreiche Elf.

Fast hätte das Spiel für Schalke genauso bitter begonnen wie die Partie an der Stamford Bridge. Nach einem groben Schnitzer von Marcelo Bordon kam Didier Drogba (6. Minute) frei zum Schuss, doch S04-Torwart Manuel Neuer reagierte - im Gegensatz zu seinem schlimmen Patzer im Hinspiel - diesmal großartig. "Er hat seinen Fehler wieder gut gemacht. Viele halten diesen Ball nicht", lobte TV-Experte Franz Beckenbauer.

Schalke legte mächtig los

Für eigene gelungen Offensivaktionen brauchten die Gelsenkirchener eine Anlaufzeit: Doch dann legten sie mächtig los und setzten die Londoner mit lange nicht gesehenem Powerplay unter Dauerdruck. Heiko Westermann prüfte Chelsea-Keeper Petr Cech zweimal aus der Distanz (19./23.). Larsen traf das Außennetz (20.), Bordon köpfte aus vier Metern über das Tor (24.), und Juliano Belleti klärte nach einem weiteren Westermann-Versuch auf der Linie (28.). Nur ein Treffer wollte Schalke einfach nicht gelingen.

Von Chelsea war bis kurz vor dem Seitenwechsel nichts mehr zu sehen. Und doch wäre das illustre Starensemble fast mit einer Führung in die Pause gegangen. Wieder tauchte Drogba frei vor Neuer auf, und wieder zeigte der 21-Jährige eine souveräne Parade.

Chelsea-Keeper musste verletzt raus

Bei Chelsea musste der angeschlagene Cech im zweiten Abschnitt durch Carlo Cudicini ersetzt werden. Der neue Schlussmann wurde bald das erste Mal geprüft. Özil (51.) fehlten nach einem Konter aber Kraft und Zeit für einen präzisen Schuss. Der 19-Jährige musste wenig später verletzt ausgewechselt werden. Der Schalker Angriffsfußball ging weiter, und auch das Pech blieb bestehen. Eine Bogenlampe von Rafinha (73.) landete an der Latte. Peter Löwenkrands traf bei einem Konter den Innenpfosten (88.). Belohnt wurden die Schalker für ihr Engagement einfach nicht.

Für Werder Bremen ist es nach der peinlichen Niederlage gegen Lazio Rom fast unmöglich, noch das Achtelfinale zu erreichen. Selbst die Teilnahme am Uefa-Cup, für die Werder den dritten Platz erreichen muss, ist nicht selbstverständlich. Tommaso Rocchi riss die desolate Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf mit seinem Doppelschlag (57./68. Minute) aus allen Träumen, Diego konnte den Schaden mit seinem Foulelfmeter (88.) auch nicht mehr verhindern. In der Nachspielzeit sah der beste Bremer sogar noch die Rote Karte. Das Führungstor fiel kurios: Rocchi verwandelte einen Foulelfmeter erst im Nachschuss, nachdem Werder-Keeper Tim Wiese den bereits abgewehrten Ball nicht unter Kontrolle bekam. Naldo hatte zuvor Mourad Meghni ungeschickt von den Beinen geholt.

Lazio übernahm sofort die Initiative

Lazio übernahm vor 30.000 Zuschauern im Olympiastadion auch ohne seinen verletzten Top-Torjäger Goran Pandev, für den Stephen Makinwa stürmte, sofort die Initiative und setzte die verunsicherten Gäste unter Dauerdruck. Die in sieben Bundesliga-Spielen ungeschlagenen Bremer konnten von Glück reden, dass sie nicht viel früher in Rückstand gerieten. Werder wirkte über 90 Minuten verunsichert und baute die Italiener mit vielen Fehlern auf.

Die Mannschaft von Trainer Delio Rossi zog gegen die personell geschwächten Gäste unbeirrt ihr Offensivspiel auf. Sechs gute Chancen innerhalb von 16 Minuten sagten alles. Nach einer halben Stunde musste Kapitän Frank Baumann von Bord: Der 32-Jährige trabte mit blutender Nase vom Rasen. Diagnose des Mannschaftsarztes: Nasenbeinbruch. Für den Routinier kam der Däne Daniel Jensen.

Schwächste Leistung in der Champions League

"Eigentlich machen wir genau das Gegenteil von dem, was wir uns vorgenommen haben", sagte Manager Klaus Allofs dem TV-Sender Premiere in der Halbzeitpause. "Wir wollten Druck machen und bei Ballbesitz Anspielmöglichkeiten schaffen." Dagegen boten die Hanseaten die schwächsten Leistung in dieser Champions-League-Saison: Nach vorn lief gar nichts, "Stockfehler" und Fehlpässe ließen keinen geordneten Spielfluss zu. Hochkarätige Chancen: null. Neben dem bis auf seinen Fehler beim 0:2 starken Wiese erreichte nur Diego in Ansätzen Normalform.

Ulli Brünger und Michael Rossmann/DPA / DPA

Wissenscommunity