Chef der Steuergewerkschaft zum Hoeneß-Prozess Haftstrafe immer wahrscheinlicher


Der Prozess gegen Uli Hoeneß hat begonnen. Der Bayern-Präsident steht vor der Woche der Wahrheit. Lesen Sie die wichtigsten Ereignisse des Tages im Newsticker von stern.de nach.

Der erste Verhandlungstag im Steuerprozess gegen Uli Hoeneß ist nach fünfeinhalb Stunden zu Ende gegangen. Gemeinsam mit seiner Frau Susi verlässt der wegen Steuerhinterziehung angeklagte und sichtlich erschöpfte Präsident des FC Bayern München den Gerichtssaal im Münchner Justizpalast. Richter Rupert Heindl hatte zuvor die Sitzung geschlossen. Drei der vier geladenen Zeugen waren bereits am Montag vor Gericht erschien. Am Dienstagmorgen um 9.30 Uhr soll der Prozess fortgeführt werden.

Aufreger des Tages:

Hoeneß gestand, insgesamt mindestens 18,5 Millionen Euro hinterzogen zu haben - und damit 15 Millionen Euro mehr als von der Staatsanwaltschaft errechnet. Er wolle "reinen Tisch" machen, sagte Hoeneß. Der stern hatte schon vor Monaten die Frage aufgeworfen, ob Hoeneß nicht viel mehr Geld als angenommen in der Schweiz versteckt hatte.

+++ 16.20 Uhr: Reaktion in den Sozialen Netzwerken gespalten +++

Häme, Unterstützung oder Irritation: Die Nutzer in den Sozialen Netzwerken reagieren unterschiedlich auf die Neuigkeiten vom Hoeneß-Prozess. Eine kleine Auswahl:

+++ 15.30 Uhr: Chef der Steuergewerkschaft hält Haftstrafe für möglich +++

Der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, hält eine Haftstrafe für immer wahrscheinlicher. "Das sind ja gigantische Zahlen. Und das wirft ein wirklich dunkles Licht auf diese Selbstanzeige", sagte Eigenthaler dem TV-Sender N24. Der Vorsitzende der Steuergewerkschaft sagte, dies sei von einer vollständigen Selbstanzeige weit entfernt. "Ich sehe mittlerweile eine Gefängnisstrafe am Ende des Tunnels."

+++ 15 Uhr: Zeugen sagen aus +++

Hintereinander werden die Zeugen vernommen. Bei den Befragungen geht es vor allem um die Rolle der stern-Recherchen. Wann rief der stern bei den Steuerfahndern an? Was hatte er für Fragen? Dabei bestätigten die Zeugen die Chronik der stern-Recherche. Die Ereignisse können Sie auch <hier in einer Chronologie nachlesen. Der Name Hoeneß fiel bei der Recherche nie.

Der dritte Zeuge gibt zu Protokoll, dass Hoeneß ihn am 15. Januar angerufen habe, damit er nach Bad Wiessee komme. Hoeneß habe erklärt, dass die Selbstanzeige dringend sei, weil er von einem Artikel erfahren hatte, in dem es um sein Konto in der Schweiz geht. Die Kontonummer sei in Teilen richtig aber die Summe falsch.

+++ 13.50 Uhr: Richter Heindl: "Das kann man glauben, muss man aber nicht" +++

Der Vorsitzende Richter Heindl zeigte sich äußerst kritisch zu den Darstellungen von Hoeneß. Er äußerte sich "überrascht", dass Hoeneß nie etwa schriftliche Kontoauszüge in die Hand bekommen haben will. Das Gericht habe inzwischen grob geschätzt 70.000 Blatt Papier zu den Kontobewegungen von Hoeneß erhalten. Der Richter zeigte sich auch verwundert, warum Hoeneß sich beim Auftauchen von CDs mit den Daten von Steuersündern nicht schon früher zur Selbstanzeige entschlossen hatte. Besonders offen attackierte Heindl den Angeklagten Hoeneß bei der Darstellung, dass er von Recherchen des stern zu dem Schweizer Konto nicht besonders beunruhigt gewesen sein will. "Das kann man glauben, muss man aber nicht", sagte der Richter.

+++ 12.00 Uhr: Hoeneß hinterzog 18,5 Millionen Euro +++

FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat nach eigenen Angaben mindestens 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen. Diese Summe ergibt sich aus Unterlagen, die Hoeneß erst wenige Tage vor dem am Montag beim Landgericht München II begonnenen Steuerhinterziehungs-Prozess einreichte. Hoeneß sagt, er wolle nun "ohne Wenn und Aber" reinen Tisch machen. In den Jahren 2003 bis 2009 habe er weitere 15 Millionen Euro am Fiskus vorbei geschleust, sagte sein Anwalt Hanns W. Feigen. Die Summe ergibt sich aus Devisengeschäften. Was diese Aussagen für den Prozess bedeuten, war zunächst nicht abzusehen.

Offizieller Gegenstand der Anklage sind die 15 Millionen Euro nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte Hoeneß nur wegen Hinterziehung von 3,55 Millionen Euro angeklagt.

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft umfasst vier Seiten. Hier können Sie das Dokument einsehen.

+++ 11.45 Uhr: "Ich will reinen Tisch machen" +++

Zum Auftakt seines Prozesses räumt Hoeneß vor dem Landgericht München alle Vorwürfe der Steuerhinterziehung voll ein. "Ich habe Steuern hinterzogen", sagt Hoeneß. "Mir ist bewusst, dass daran auch die Selbstanzeige nichts ändert. Ich habe gehofft, mit einer Selbstanzeige einer strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen." Er habe mit immensen Summen regelrecht "gezockt" und keinen rechten Überblick mehr über Gewinne und Verluste gehabt, sagt er. Unter dem Strich habe er 2003 bis 2009 Verluste in Millionenhöhe gemacht. Dennoch sei ihm klar, dass er Gewinne hätte versteuern müssen.

Eine gute halbe Stunde nach Verhandlungsbeginn setzt Hoeneß seine Brille auf und las von seinem Manuskript. "Hohes Gericht, die mir in der Anklage zur Last gelegten Steuerstraftaten habe ich begangen", sagte er. "Ich bin aber kein Sozialschmarotzer, ich habe 5 Millionen an soziale Einrichtungen gegeben, 50 Millionen Steuern gezahlt. Ich will damit nicht angeben, ich will nur reinen Tisch machen." Zehn Millionen Euro hat er schon beim Finanzamt hinterlegt, zur Aussetzung seines Haftbefehls 5 Millionen Euro gezahlt.

+++ 9.58 Uhr: Vorwürfe gegen Hoeneß umfassender als bekannt +++

Die Vorwürfe gegen Uli Hoeneß sind deutlich umfassender als bisher bekannt. Hoeneß soll laut der am Montag vor dem Landgericht München II verlesenen Anklageschrift nicht nur 3,55 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Er soll außerdem zu Unrecht 5,5 Millionen Euro an Verlustvorträgen aus seinen privaten Veräußerungsgeschäften gemacht haben und so seine Steuerschuld nach unten gedrückt haben. Staatsanwaltschaft Achim von Engel warf ihm am Montag zum Prozessauftakt in München zudem vor, Einkünfte in Höhe von mehr als 33 Millionen Euro beim Finanzamt verschwiegen zu haben. Die Anklage lautet auf Steuerhinterziehung in sieben selbstständigen Fällen.

+++ 9.40 Uhr: Prozess beginnt +++

Unter großem Andrang hat am Montag in München der mit Spannung erwartete Steuerprozess gegen Uli Hoeneß begonnen. Der Präsident des FC Bayern soll mit Konten in der Schweiz Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben. Damit droht dem 62-Jährigen eine Haftstrafe. Eine Kernfrage des Verfahrens wird dabei sein, ob die Wirtschaftskammer am Landgericht München II unter Vorsitz von Richter Rupert Heindl die Selbstanzeige von Hoeneß von Anfang 2013 ganz oder wenigstens teilweise anerkennt. Vier Verhandlungstage sind angesetzt. Wenn nichts dazwischen kommt, soll es am Donnerstag ein Urteil geben.

+++ 9.27 Uhr: Hoeneß fährt vor +++

Uli Hoeneß ist am Montag in München in einem dunklen Wagen am Gericht vorgefahren. Der Präsident des FC Bayern München, der durch den Hintereingang ins Gebäude schritt, muss sich vor dem Landgericht München II wegen Steuerhinterziehung verantworten. Hoeneß soll mit Konten in der Schweiz soll Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben. Vier Verhandlungstage sind angesetzt. Wenn nichts dazwischen kommt, soll es am Donnerstag ein Urteil geben.

+++ 8 Uhr: Großer Andrang vor dem Müchner Justizpalast +++

Am ersten Tag des Steuerprozesses gegen Uli Hoeneß herrscht bereits in aller Frühe großer Andrang vor dem Gericht. Schaulustige versammeln sich vor dem Gebäude, schon um 6 Uhr war rund die Hälfte der Zuschauerplätze besetzt. Einzelne Besucher waren sogar schon um 3 Uhr vor dem Landgericht, gegen 7.30 Uhr warteten immer noch Dutzende auf Einlass.

Alle Infos zum Prozess

Hintergründe, Porträts von Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung, sowie eine Chronologie der Ereignisse, die zum Hoeneß-Prozess führten, finden Sie hier.

feh/DPA/AFP DPA

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