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Confed-Cup: Klinsmann will Argentinien bezwingen

Schon ein Punkt reicht zum Gruppensieg, aber die deutsche Nationalmannschaft will mit Überraschungs-Torhüter Timo Hildebrand gegen Argentinien endlich auch wieder eine Fußball- Großmacht schlagen.

Im Vorrundenfinale des Confederations Cups soll nach dem bereits perfekten Halbfinal-Einzug nicht nur der erste Platz in Gruppe A errungen werden, sondern auch die schwarze Serie enden, die das DFB- Team seit fast fünf Jahren belastet. "Natürlich kommt jetzt wieder der alte Satz hoch, endlich gegen einen Großen zu gewinnen. Das werden wir auch versuchen. Ziel ist der Gruppensieg", erklärte Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor dem Prestige-Duell des dreimaligen Weltmeisters Deutschland gegen den zweimaligen Champion Argentinien am Dienstag (20.45 Uhr/ARD und Premiere) in Nürnberg.

Anerkennung und Belohnung

Die DFB-Trainer entschieden sich am Montag in der Torwart-Rotation überraschend für die Nominierung der Nummer drei Hildebrand. "Das ist ein Stück Anerkennung und Belohnung. Er hat seit drei Wochen auf einem Top-Niveau trainiert, er hat sich toll entwickelt im letzten halben Jahr", begründete Klinsmann die Entscheidung für den 26- Jährigen vom VfB Stuttgart. Jens Lehmann kommt im Halbfinale zum Zuge. Der noch immer an Rückenproblemen leidende Oliver Kahn wird zum Turnier-Abschluss im möglichen Finale oder im Spiel um Platz drei eingesetzt. "Wir werden Oliver Kahn jetzt den einen oder anderen Tag geben zur vollständigen Gesundung", sagte Assistenztrainer Joachim Löw. Im Nürnberger Frankenstadion sitzt Lehmann auf der Bank.

Podolski angeschlagen

Bei den Feldspielern soll die Fitness maßgeblich mitentscheiden bei der Aufstellung. Beim Abschlusstraining am Montagabend wollte Klinsmann sein Personal vor dem dritten Spiel innerhalb von sieben Tagen noch einmal intensiv auf Verschleißerscheinungen überprüfen und entsprechend reagieren. "Wenn wir das Gefühl haben, einer braucht eine Pause, bekommt er sie", erklärte Löw. Stürmer Lukas Podolski konnte wegen einer Wadenprellung nur eingeschränkt an der Übungseinheit in Herzogenaurach teilnehmen. Die medizinische Abteilung sieht den Einsatz des Kölners aber dadurch nicht gefährdet. Auch Kahn absolvierte bei großer Wärme am Abend nur Lauftraining.

Emotionaler Stil

Die Konstellation ist klar: Die Argentinier müssen gewinnen, um als Gruppen-Erster auch das Halbfinale gegen den Zweiten der Brasilien-Gruppe in Nürnberg bestreiten zu können. Dem DFB-Team würde auf Grund des besseren Torverhältnisses schon ein Remis Platz eins einbringen. Ein taktisches Resultat, um möglicherweise im Halbfinale den Brasilianern aus dem Weg zu gehen, scheidet aus, da der fünfmalige Weltmeister in Gruppe B nach dem 0:1 gegen Mexiko nicht mehr auf Tabellenplatz eins programmiert ist. "Unabhängig davon werden wir versuchen zu gewinnen", betonte Löw und bekräftigte, auch gegen den Top-Gegner am unterhaltsamen Stil festhalten zu wollen: "Wir spielen einen sehr emotionalen Fußball."

Aufbauprogramm für die Fitness

Der bisherige Verlauf der Mini-WM macht dem Trainerstab Mut. Nach den alarmierenden Fitness-Werten seiner Spieler hatte Klinsmann ein gezieltes Aufbauprogramm angeordnet, das beim 3:0 gegen Tunesien schon in der Schlussphase Wirkung gezeigt hatte. "Wir sind sehr zufrieden mit der Spritzigkeit und dem gesamten Fitnesszustand", betonte der Bundestrainer. Dennoch wird er in Einzelfällen auf den Kräfteverschleiß reagieren. Der von den Saison-Strapazen gezeichnete Gerald Asamoah wird seinen Platz im Sturm wohl wieder an Kevin Kuranyi abgeben müssen. Auch Bastian Schweinsteiger könnte eine Verschnaufpause bekommen, zumal er wie Michael Ballack und Robert Huth mit einer Gelben Karte vorbelastet ist.

Statistik spricht für Argentinien

Ein frischer Fabian Ernst, der im Turnier erst acht Minuten spielen durfte, könnte für Schweinsteiger ins Team kommen und seine größere Defensivstärke in die Waagschale werfen. Als Ersatz für den gesperrten Arne Friedrich auf der rechten Verteidiger-Position kann sich Patrick Owomoyela die besten Chancen ausrechnen. Am Montag stimmte Chef-Spion Urs Siegenthaler das Team mit einer Videoanalyse nochmals auf den Gegner ein. Trainer und Spieler erfuhren von dem Schweizer, "wo die Argentinier Probleme haben, wo sie zu packen sind und wer dafür geeignet ist", berichtete Löw. In den bisherigen 15 Begegnungen gegen die Südamerikaner gab es nur fünf Siege, aber sieben Niederlagen. Allerdings verwies Löw noch einmal auf das jüngste 2:2 am 9. Februar in Düsseldorf. "Da haben wir Argentinien über weite Strecken dominiert."

Hildebrand hofft vor allem auf weitere Fortschritte im Defensivspiel. "Ich versuche, auch zu Null zu spielen", sagte der Stuttgarter vor seinem dritten Länderspiel, das für ihn laut Klinsmann ein "wichtiger Erfahrungswert" wird. "Das muss er aufsaugen", forderte der Bundestrainer. Hildebrand weiß, dass er so viele Chancen als Nummer drei vor der WM nicht mehr bekommt: "Ich hoffe, dass ich das Vertrauen der Trainer rechtfertigen kann."

Jens Mende und Klaus Bergmann/DPA

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