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Der Bundesliga-Check: Schalke 04: Neustart trotz knapper Ressourcen

Viel Geld stand ihm nicht zur Verfügung, doch Trainer Ralf Rangnick hat das Beste draus gemacht: Er hat den aufgeblähten Kader abgespeckt und gleichzeitig sinnvoll verstärkt. Damit hat Schalke 04 das Zeug, im oberen Tabellendrittel mitzuspielen.

Von Carsten Heidböhmer

Was ist neu?
Viel Geld für neue Transfers stand dem hoch verschuldeten Revierclub nicht zur Verfügung - dafür hat Trainer Ralf Rangnick die Mannschaft gezielt verstärkt. Mit dem Mainzer Christian Fuchs konnte einer der besten Linksverteidiger der Liga verpflichtet werden. Auf der rechten Abwehrseite dürfte der von Alemannia Aachen gekommene 21-jährige Marco Höger nach seinen guten Leistungen in der Vorbereitung künftig gesetzt sein. Ebenfalls aus Mainz kehrt der ausgeliehene Lewis Holtby nach Gelsenkirchen zurück - eine Verstärkung für das defensive Mittelfeld.

Auch der zuletzt an Kaiserslautern verliehene junge Tscheche Jan Moravek spielt in der neuen Saison für Schalke 04 und wird im rechten offensiven Mittelfeld eingesetzt. Ablösefrei kommt der Stürmer Ciprian Marica vom VfB Stuttgart. Er dürfte jedoch zunächst kein Mann für die erste Elf sein. Dafür ist die Torwartfrage geklärt: Auch dank seiner starken Leistungen in der Supercup-Partie gegen Borussia Dortmund ist der von Eintracht Frankfurt gekommene Ralf Fährmann die unumstrittene Nummer eins im Schalker Tor.

Was ist gut?

Der von Felix Magath aufgeblähte Kader wurde deutlich verschlankt: Von Mitläufern wie Charisteas, Karimi, Hao oder Plestan hat man sich getrennt. Ralf Rangnick hat zudem das Kunststück fertig gebracht, gezielt zu investieren und gleichzeitig die Finanzen zu konsolidieren. Zudem hat der Trainer eine klare Vorstellung von der taktischen Ausrichtung seiner Mannschaft. Die ähnelt erstaunlicherweise stark der des Erzrivalen Borussia Dortmund: ein flexibles 4-2-3-1-System, das auf laufstarke, technisch versierte junge Spieler setzt.

Nach den ganzen Querelen um Felix Magath scheint der Verein jetzt endlich den passenden Trainer gefunden zu haben. Wenn man Rangnick in Ruhe arbeiten lässt, könnte er den Verein in zwei, drei Jahren wieder in die Spitzengruppe der Bundesliga führen.

Was ist schlecht?

Der Kader ist noch immer stark von Felix Magaths Transfer-Aktionismus geprägt. Viele Spieler passen nicht in Rangnicks Konzept. Daneben gibt es einige potenzielle Unruheherde im Verein: Die ungeklärte Rolle von Raúl, der von Rangnick ins Mittelfeld beordert wurde, könnte in der kommenden Saison für Ärger sorgen. Auch die Rolle von Klaas-Jan Huntelaar scheint nicht ganz geklärt. In Rangnicks System passt der Holländer jedenfalls nicht hundertprozentig. Mittelfeldspieler Peer Kluge und Ersatztorwart Matthias Schober haben bereits in der Vorbereitung aufbegehrt. Weitere Konflikte sind programmiert.

Darüber hinaus darf der starke Einstand von Ralf Fährmann nicht darüber hinweg täuschen, dass Schalke auf der Torwartposition geschwächt in die neue Saison geht. Manuel Neuer allein hat der Mannschaft in der vergangenen Saison viele Punkte gerettet.

Was ist möglich?

Die letzte Saison hat Schalke 04 auf Platz 14 abgeschlossen. Das wird jetzt deutlich besser werden: Auch wenn die Vereinsführung bewusst tief stapelt und keinen Platz im internationalen Geschäft vorgibt - die Qualifikation für die Europa League sollte mit dieser Mannschaft drin sein.

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