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DFB-Chaos: Bei der Trainersuche geht es drunter und drüber

Guus Hiddink bestätigt Kontakte, Morten Olsen schweigt, und Jürgen Klinsmann fordert radikale Reformen im DFB: Das Chaos nimmt zu, aber ein Bundestrainer ist noch lange nicht gefunden.

Bei der verzweifelten Suche nach einem neuen Bundestrainer zeichnet sich noch immer keine Lösung ab. Der dänische Verband signalisierte am Freitag, Nationalcoach Olsen nicht ziehen lassen zu wollen. Der Niederländer Hiddink bestätigte nach einem Bericht des "Algemeen Dagblad" zwar eine entsprechende Offerte für den seit über drei Wochen vakanten Posten nach dem Vorrunden-Aus der DFB-Auswahl bei der EM in Portugal. Doch eine Tätigkeit als Coach des WM-Gastgeberlandes 2006 sei mit seinem Engagement als Trainer und Clubdirektor beim PSV Eindhoven nicht zu vereinen.

Beckenbauer im Zirkus

"Um jetzt einen Trainer zu finden, braucht man einen Zauberer", meinte der Chef der Trainer-Findungs-Kommission (TFK), Franz Beckenbauer, am Donnerstagabend in "Sat1" und fügte hinzu: "Ich bin schon dabei, nach einem im Zirkus Krone zu suchen."

Nebenbeschäftigung für Hiddink?

Hiddink soll nach Angaben des "Algemeen Dagblad" in seinem bis 2007 laufenden Kontrakt eine Klausel haben, die es ihm ermögliche, als Nebenbeschäftigung einen WM-Teilnehmer zu betreuen. Allerdings habe der Fußballlehrer, der 2002 das Gastgeberland Südkorea sensationell auf den vierten WM-Platz führte, dabei aber vor allem an ein asiatisches oder ein lateinamerikanisches Land gedacht.

Zweifel an einem Wechsel Hiddinks

PSV-Präsident Harry van Raaij glaubt nicht, dass Hiddink zum DFB wechseln wird. Übereinstimmend zitierten Medien in und um Eindhoven den Clubchef, der sich am Vortag mit Hiddink getroffen hatte, mit den Worten, dass dieser seinen Club nicht verlassen wolle. "Hiddink sieht Deutschland nicht als ernst zu nehmendes Thema", meldete das Fachblatt "Voetbal international". Auch das "Eindhovense Dagblad" verwies darauf, dass Hiddink zahlreiche junge Spieler zum PSV geholt habe und gerade eine neue Struktur aufbaue.

Kein konkretes Angebot für Olsen

Und Olsen? Offensichtlich liegt dem Dänen doch noch kein Angebot des DFB als Nachfolger von Rudi Völler vor, obwohl das Fachmagazin "kicker" am Donnerstag von einer entsprechenden Offerte berichtet hatte. Der Generalsekretär des dänischen Verbandes DBU, Jim Stjerne Hansen, erklärte ausdrücklich, dass sich Olsen nicht wegen eines Angebots aus Deutschland an den eigenen Verband gewandt hat.

"Es gibt nicht die geringsten Anzeichen, dass Morten Olsen nach Deutschland will und deshalb auf uns zukommen wird. Wir rechnen weiter fest mit ihm", sagte Hansen. "Wir haben einen Vertrag mit Morten Olsen bis 2006 und erwarten, dass der erfüllt wird." Olsen selbst verweigerte dazu zwar jeden Kommentar. Er bestätigte aber erneut, dass es zu seinen Prinzipien gehöre, beim Vorliegen eines konkreten Vertragsangebotes sofort seinen Arbeitgeber zu informieren.

Klinsmann fordert Reformen beim DFB

Während Bayern-Profi Jens Jeremies nach sieben Jahren seinen Rücktritt aus der DFB-Elf erklärte ("Eigentlich wollte ich es ja dem neuen Bundestrainer mitteilen. Aber es war ja keiner da."), forderte sein ehemaliger Mitstreiter Klinsmann radikale Reformen beim DFB. "Im Prinzip muss man den ganzen Laden auseinander nehmen", sagte der 39-Jährige der "Süddeutschen Zeitung".

Klinsmann forderte wie Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge einen Manager für die Nationalelf und sprach sich dabei ebenfalls für seinen Ex-Kollegen Oliver Bierhoff aus. "Eine solche Position ist überfällig. Aber das wäre auch nur der erste Schritt", meinte er. "Man muss eine gesamte Umstrukturierung in Gang bringen." Ein Team mit Fachleuten für jeden Bereich müsse nach einer Bestandsaufnahme aufgebaut und eine Altersbeschränkung beim DFB eingeführt werden. Klinsmann bot zwar seine Hilfe an, für einen Posten wie den des Teammanagers stehe er aber nicht zur Verfügung.

Jens Marx, DPA / DPA

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