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Borussia Dortmund nach DFB-Pokal: Ausgelaugt über die Ziellinie

Borussia Dortmund verabschiedet sich nach dem Pokalfinale endgültig von Tainer Jürgen Klopp. Doch der Klub ist von seiner eigenen Enttäuschung zu übermannt, um ihn ein letztes Mal hochleben zu lassen.

Von Mathias Schneider, Berlin

Jürgen Klopp bei seiner Abschiedsrede: Keine Tränen mehr.

Jürgen Klopp bei seiner Abschiedsrede: Keine Tränen mehr.

Ein Kraftwerk also, für die letzte gemeinsame Feier. Wie passend. Wie sehr sie ein bisschen Zuspruch, ein bisschen Energie hätten gebrauchen können nach diesem Pokalfinale. Schon deshalb hätten sie keinen passenderen Ort wählen können, als das 1997 stillgelegte Heizkraftwerk in Berlin Mitte für ihre After-Work-Feier, die bei Pokalfinalsten ja immer ein bisschen später losgeht, genau genommen nach Mitternacht. Ein durchaus monumentaler Bau stellt die 1997 stillgelegte Halle dar. Mächtige Betonpfeiler ragen aus dem Hauptsaal in die Höhe, ein Industrieloft für Großveranstaltungen. Überdimensionierte schwarz-gelbe Tafeln waren an den Wänden angebracht worden. Sie kündeten von der Liebe zu Borussia Dortmund. Der Saal barst, mehr als 1000 Edel-Borussen mögen es locker gewesen sein. Vorn versuchte eine Band vergeblich, ihnen etwas Leichtigkeit abzutrotzen.

Sie hatten sich extra noch mal schick gemacht, Hummels, Kehl und er natürlich auch. Jürgen Klopp. Waren nicht direkt vom Finale hierher gekommen. Ihre Frauen streiften sich hauchenge Ballkleider über, festlich sollte es wie immer zugehen, das zumindest. Doch die Wucht dieses 1:3 war zu heftig.

Nach Niederlage im DFB-Pokal: Klopp redet über seinen Abschiedsschmerz

"Hart, ehrlich, hart"

Als der Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu seiner obligatorischen Post-Mitternachts-Rede auf die Bühne trat, traf er auf einen Saal, dem die stechende Enttäuschung jede Kraft für Sentimentalität und Abschiedsschmerz geraubt hatte. Ein letztes Mal die scheidenden Jürgen Klopp und Sebastian Kehl in triumphalem Jubel versinken lassen, so hatte es sich Watzke ausgemalt. Was regierte, war - Müdigkeit. Auf allen Seiten. Zu lange geht dieser Klopp jetzt schon. Einen Sieg hätten sie noch einmal alle zusammen zum Abschluss gebraucht, um seine Größe zu spüren. Stattdessen standen sie wie im Vorjahr wieder als Verlierer dar. Das verstärkt die Bereitschaft zur kollektiven Gefühligkeit nicht eben.

Dann sprach Jürgen Klopp. "Das ist meine schwerste Aufgabe bisher", hob er im schwarzen Anzug an. Eine "unglaublich lehrreiche" Zeit, "emotional wertvoll" sei es gewesen, "wir nehmen so viel für unser weiteres Leben mit". Wir - das waren er und sein Trainerstab. "Heute war der Abschied hart, ehrlich, hart", bekannte er.

Erschöpft durch die letzte Nacht

Schon im Stadion war Klopp nach dem Schlusspfiff losmarschiert, um jeden, den er nur greifen konnte, an seine Brust zu ziehen. Als er einmal durch war, hätte er am liebsten wieder von vorne angefangen. Danke habe er seinen Spielern sagen wollen, sie gar nicht mehr loslassen, erklärte er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Der Abschiedsschmerz, er spüre ihn jetzt. Doch es flossen keine Tränen mehr. Nicht bei ihm. Und auch nicht bei seinen Männern. Als Klopp von der Bühne trat, brandete kein langanhaltender Beifall mehr auf. Stattdessen erlebte man einen Verein, der erschöpft durch seine letzte Nacht stolperte. Eine Niederlage als schmerzlicher wie passender Schlusspunkt. Als sollten sie alle ein letztes Mal nachdrücklich daran erinnert werden, warum die große Ära des Jürgen Klopp so plötzlich wie jäh zu Ende geht. Gehen muss. Warum die Uhren nun wieder auf Null gestellt werden unter Klopps Nachfolger Thomas Tuchel.

Noch einmal um den Borsigplatz rollen, auf einer offenen Bühne, am Tag nach dem Finale, unten tausende Menschen, oben er, das hatte sich Jürgen Klopp gewünscht. Noch einmal das ganz große Gefühlskino. Und er mittendrin. Wie Jürgen Klopp seine letzte Fahrt in Schwarz-Gelb genossen hätte.

Er wird sie nicht mehr antreten.

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