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DFB-Pokal-Finale: VfB greift nach dem Double

Der VfB Stuttgart ist frisch gebackener Deutscher Meister, der 1. FC Nürnberg das Überraschungsteam der Bundesliga-Rückrunde. Vor dem Cup-Finale in Berlin (ab 20 Uhr im stern.de-Live-Ticker) weisen beide Trainer die Favoritenrolle weit von sich.

Hans Meyer griff schon mal mit beiden Händen beherzt nach dem Pokal, seinem abergläubischen Kontrahenten Armin Veh reichte ein schelmisch-scheuer Seitenblick auf die Trophäe. Beim 64. DFB-Pokalendspiel wollen sich die Überraschungsmeister vom VfB Stuttgart ihr Traumziel auch vom vermeintlichen Angstgegner 1. FC Nürnberg nicht nehmen lassen und beim ersten Double-Gewinn der 114-jährigen Vereinsgeschichte den Siegerpokal in die Höhe stemmen. "Das war unser einziges Saisonziel, und jetzt sind wir da", sagte VfB-Trainer Veh am Freitag in Berlin. Doch die Franken wollen den Himmelsstürmern den perfekten Saisonausstand verderben und hoffen (20.00 Uhr/ARD) auf den ersten Pokalsieg seit 45 Jahren. "Wir wollen die Krönung, das Sahnehäubchen dieser Saison. Ein Titel reicht in Schwaben", sagte "Club"-Manager Martin Bader.

2,5 Millionen Euro Antrittsprämie pro Team, 74.600 Zuschauer im seit Wochen ausverkauften Berliner Olympiastadion: Die Bühne für das große Saisonfinale des besten Sturms gegen die beste Abwehr der Bundesliga ist gerichtet und verspricht ein spannendes Duell der beiden Überraschungsteams dieser Saison. "Das wird ein knappes Spiel", prophezeite Meyer, der mit einem Erfolg als erster in der DDR ausgebildeter Trainer einen gesamtdeutschen Titel einfahren könnte. Der Trainer-Fuchs schrieb seinem Team die geliebte Außenseiterrolle zu. "Als Meister geht man immer als Favorit ins Spiel."

"Im Pokal gibt es keine Favoriten"

Doch die nach ihrem meisterlichen Feiermarathon des vergangenen Wochenendes wieder voll konzentrierten Schwaben wollen sich vom Nürnberger Pokerspiel nicht bluffen lassen. "Im Pokal gibt es keine Favoriten, auch im Endspiel nicht", sagte Stuttgarts Nationalstürmer Mario Gomez. Auch die Tatsache, dass die Franken als einziges Team der Liga beide Bundesliga-Partien gegen den Meister gewinnen konnten, schreckt die Stuttgarter nicht. "Nürnberg ist kein Angstgegner, das hier hat mit der Bundesliga nichts zu tun", sagte Kapitän Fernando Meira. Die Statistik ist ohnehin auf der Seite der Schwaben: In den vergangenen vier Jahren holte der Meister auch stets den Pokal.

"Es sind zwei Mannschaften, die eine tadellose Saison gespielt haben", sieht VfB-Manager Horst Heldt zwei Finalisten in Hoch-Stimmung. Endlich einmal hatten die Leid geprüften Franken nichts mit dem Abstieg zu tun, zur Belohnung lockt nun der UEFA-Cup-Wettbewerb - und der erste mögliche Pokaltriumph seit 45 Jahren. "Der 1. FC Nürnberg könnte endlich mal wieder seinen Briefkopf verändern", weiß auch Trainer Meyer um die lange Durststrecke. 1935, 1939, 1962 - wie auch Gegner VfB könnte der "Club" seinen vierten Pokalsieg einfahren. Erst zehn Jahre liegt der letzte Stuttgarter Pokalsieg (2:0 gegen Energie Cottbus) zurück.

"Zu 99,3 Prozent beschwerdefrei"

Meyer schloss am Freitag auch einen Einsatz seines seit Wochen wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel pausierenden Angreifers Robert Vittek nicht aus. "Er ist zu 99,3 Prozent beschwerdefrei." Von Beginn an wird wohl der tunesische Nationalspieler Jaouhar Mnari auflaufen können. Stuttgarts Coach Veh ließ seinerseits einen möglichen Einsatz von Nationalstürmer Gomez bereits in der Startelf offen.

Auf besondere Motivationskünste nach der Kräfte zehrenden Saison baut Trainer Meyer nicht. "Ich muss meine Spieler nicht anspornen vor so einem Spiel. Ich kenne so viele Spieler, die so ein Finale niemals erlebt haben." Wie seine künftigen Kollegen aus Schwaben hofft auch "Club"-Kapitän Raphael Schäfer, am Samstagabend von Bundestrainer Joachim Löw den Pokal überreicht zu bekommen. "Wir sind Außenseiter. Aber es wird wieder Zeit für einen Außenseitersieg", fordert Schäfer, der nach seinem letzten Spiel ausgerechnet zum Pokalgegner wechselt und dort Nachfolger seines Gegenüber Timo Hildebrand wird. Der 28-Jährige setzt auf die perfekte Arbeitsteilung mit seinen Kollegen: "Ihr habt die Meisterschale, wir holen den Pokal."

Michael Fox und Marc Zeilhofer/DPA / DPA

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