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DFB: Zwischen Zerknirschung und Zuversicht

Nach dem 1:1 gegen Litauen versucht man sich beim DFB an einer Analyse der Blamage. Franz Beckenbauer sieht schon die Götterdämmerung des Deutschen Fußballs.

Der DFB-Chef will den Rückschlag aufarbeiten, der "Fußball-Kaiser" malt ein düsteres Bild vom deutschen Fußball: Das blamable 1:1 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gegen Litauen hinterlässt deutliche Spuren. Am Dienstag werden bei der routinemäßigen Zusammenkunft in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und die sportliche Leitung mit Rudi Völler an der Spitze das Remis von Nürnberg analysieren. Zwar sehen Mayer-Vorfelder und andere Experten das Erreichen der EM- Endrunde 2004 in Portugal noch nicht gefährdet, doch die Alarmsignale sind erkannt.

Haben die DFB-Kicker genug Klasse für die EM-Qualifikation?

Völler wurde laut, der Kaiser zeigt Verständnis

Es gebe "keine Entschuldigung" für die blamable Vorstellung des Vizeweltmeisters in Nürnberg, erklärte der ehemalige Teamchef Franz Beckenbauer am Montag in seiner "Bild"- Kolumne: "Ich habe volles Verständnis, dass Rudi hinterher sauer war. Ich wäre es genauso gewesen." Der verärgerte Völler hatte seine Mannschaft schon unmittelbar nach dem 1:1 in Nürnberg deutlich die Meinung gesagt. "Natürlich bin ich etwas lauter geworden", sagte Völler. Es habe aber keinen Krach in der Mannschaft gegeben.

Kaum noch Weltklasse in der Nationalelf

"Jetzt sehen wir: Die WM war die Ausnahme", sagte Beckenbauer und meinte damit den derzeit großen Abstand der deutschen Elf zur Weltspitze. Mit Michael Ballack habe Deutschland derzeit nur einen einzigen Weltklasse-Feldspieler. Bayern München könne den Verletzungs-Ausfall kompensieren, da "Ze Roberto und einige andere Kaliber" dort spielen. "Rudi Völler hat sie nicht", betonte der "Kaiser", der die Partie nicht live im Stadion verfolgt hatte.

Auch Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus stuft Ballack auf Grund seines spielerischen Vermögens und Jens Jeremies wegen seiner Mentalität als unersetzbar ein. "Mittlerweile ist es ja fast so, dass die jüngeren die älteren Spieler führen müssen", sagte Matthäus in einem Interview mit der Münchner "AZ". Den Einfluss Rudi Völlers stufte er als "schwierig" ein. "Er hat die Spieler ja nur drei, vier Tage im Monat." Matthäus sieht die Mannschaft in der Pflicht: "Sie muss jetzt selbst den Kopf aus der Schlinge ziehen." Völler wird sich gemeinsam mit Assistent Michael Skibbe am Mittwoch das Gastspiel Schottlands in Litauen anschauen.

Beckenbauer warnt: nicht die Schotten unterschätzen

In den Spielen gegen die von Berti Vogts trainierten Schotten werde das deutsche Team auf Gegner treffen, die "vielleicht das fußballerische Schießpulver nicht erfunden haben", die aber "fighten, fighten, fighten", warnte Beckenbauer vor dem nächsten Qualifikations-Gegner. Das DFB-Team tritt am 7.Juni in Schottland und vier Tage später in Torshavn gegen die Färöer Inseln an. "Wenn die deutschen Spieler diese kämpferische Einstellung nicht annehmen, werden wir noch öfter stolpern wie gegen Litauen", meinte Beckenbauer.

In Glasgow kommt's drauf an

"Wir müssen nichts schönreden. Der Druck auf uns ist durch den Sieg von ’McBertis’ Schotten gegen Island deutlich angewachsen. Nun wird das Spiel im Glasgower Hampton Park ein heißer Fight, ein Endspiel", erklärte Fredi Bobic, der alle Ausreden weit von sich schiebt. "Keiner konnte zufrieden sein. Keiner der direkt Beteiligten, keiner der Verantwortlichen, keiner der Betrachter, keine Fans. Dennoch sollten wir den Flieger besteigen mit der Zuversicht und dem Willen, in Schottland drei Punkte zu holen", sagte der Hannoveraner kämpferisch.

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