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EM 2008: Gewinner und Verlierer

Ist das schon ein Fingerzeig? Unter anderem ohne Tim Borowski und Arne Friedrich wird das DFB-Team zum Test gegen Weißrussland in Kaiserslautern anreisen. Sie sind die großen Verlierer der ersten Trainingswoche auf Mallorca. Doch es gibt auch strahlende Gesichter.

Von Volker Königkrämer

Mit dem Test gegen Weißrussland (Dienstag, 17.45 Uhr) geht die Vorbereitung auf das Unternehmen EM für das deutsche Team in die heiße Phase. Eine Woche lang haben die 26 Kandidaten Zeit gehabt, sich beim Training auf Mallorca in die Herzen und Köpfe des Trainerteams um Joachim Löw zu spielen.

"Mini-Messi" Marin

Einem ist das besonders gut gelungen: dem 19-jährigen Marko Marin. Ein ums andere Mal bediente er im Training die Stürmer mit seinen Flanken. Der Gladbacher "Mini-Messi" ist mit seiner Unbekümmertheit der große Gewinner der ersten Mallorca-Woche. Der Bundestrainer gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er auf "den Kleinen" zu sprechen kommt. "Marko hat die Frechheit, sich in Eins-zu-Eins-Situationen ohne Angst vor Fehlern durchzusetzen." Wer so gelobt wird, hat sein EM-Ticket so gut wie in der Tasche.

Profiteur Clemens Fritz

Ein weiterer Gewinner des Trainingslagers ist der Bremer Clemens Fritz. Er profitiert von seiner Vielseitigkeit und vom Verletzungspech der Konkurrenz - und das gleich in doppelter Hinsicht. Nachdem schon Bernd Schneider wegen eines Bandscheibenvorfalls die EM sausen lassen musste, schwächelt jetzt auch der Bremer Tim Borowski im Kampf um den Platz auf der rechten Außenbahn. Und auch die Position in der Abwehr ist durch die Blessur von Arne Friedrich vakant. Alles läuft zwangsläufig auf den Bremer zu. "Wir wissen, dass Clemens im Verein als Rechtsverteidiger gesetzt ist", sagte Löw, "aber wir haben mit ihm gerade auch auf der offensiveren Position sehr gute Erfahrungen gemacht." Lohn der ersten Woche: ein Platz in der Startelf gegen Weißrussland.

Im Sturm haben vor allem zwei Kandidaten auf sich aufmerksam gemacht. Miroslav Klose und Patrick Helmes. Gerade Klose haben die Tage auf Mallorca gut getan. Er unterzog sich einem speziellen Aufbau-Programm, um den durch seine Nasen-Operation entstandenen Trainingsrückstand aufzuholen. Mit Erfolg: "Er hat kräftemäßig aufgetankt und nachgeholt", urteilte Joachim Löw. Und auch Helmes gelang es immer wieder, im Training auf sich aufmerksam zu machen - auf der Tribüne aufmerksam registriert von Chef-Scout Urs Siegenthaler.

Kostet ein Infekt Borowski die EM?

Der große Pechvogel der ersten Woche heißt Tim Borowski. Der Bremer ist durch seine angeschlagene Gesundheit völlig unerwartet sogar zu einem der drei Streichkandidaten geworden. Seit einer Woche liegt der 1,94 Meter große Blondschopf mit einem grippalen Infekt flach, konnte keine einzige Trainingseinheit bestreiten. "Tim ist krank, dafür kann er nichts", sagte Bundestrainer Joachim Löw, "ich hoffe, dass er bald trainieren kann. Das wäre sehr gut für ihn." Auch wenn Borowski am Sonntag erstmals fieberfrei war: Für das EM-Turnier wird's ganz schwer. "Da wird die Aussage der Ärzte eine wichtige Rolle spielen", sagte Team-Manager Oliver Bierhoff, "die Frage wird sein, inwieweit man da den Rückstand aufholen kann."

Keine Ausrufezeichen setzen konnten auch der Berliner Arne Friedrich und David Odonkor. Während Friedrich von einem Magen-Darm-Infekt geplagt wurde, ging Odonkor im Wirbel um Marko Marin, der "neuen Geheimwaffe des DFB" (Gladbachs Team-Manager Christian Ziege), ein wenig unter. Außerdem setzen ihn auch die guten Trainingsleistungen von Patrick Helmes unter Druck. Der Kölner wird in seinem Verein auch schon mal auf der rechten Seite eingesetzt - der Stammposition des Wirbelwindes aus Sevilla.

Fazit: Debütant Marin ist der Mann der ersten Woche. Patrick Helmes und Clemens Fritz haben Ansprüche angemeldet. Tim Borowski dagegen klebt das Pech an den Füßen.

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