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FC Bayern München: "Sechs Wochen Lebensqualität"

Schlecht gespielt, aber totzdem einen wichtigen Punkt entführt: Das 1:1 der Bayern in der Champions League beim AC Florenz lässt das Selbstvertrauen der Klinsmänner weiter anwachsen. Der Trainer verriet im Anschluss an das Remis gegen die Fiorentina das neue Erfolgsrezept - und Manager Hoeneß schnaufte tief durch.

Vom festlichen Mitternachts-Bankett mit Meeresfrüchte-Lasagne und Wildenten-Ravioli im Florenzer Grand Hotel waren die ersten Bayern-Profis schon nach einer Viertelstunde verschwunden. Viel mehr Zeit hatte der deutsche Fußball-Meister aus München in der mitreißenden Schlussphase auch nicht benötigt, um beim 1:1 (0:1) gegen den AC Florenz einen Riesenschritt Richtung Achtelfinale zu machen und die erste Saison-Niederlage in der Champions League zu vermeiden. "Wir sind mathematisch zwar noch nicht qualifiziert, aber wir haben beste Voraussetzung geschaffen", rechnete Karl-Heinz Rummenigge bei seiner Bankett-Ansprache vor und freute sich über einen "wunderbaren Tag".

Viel hatte aber nicht gefehlt und die festliche Mitternachts- Zusammenkunft wäre weniger fröhlich ausgefallen. Lange sah es so aus, als ob Jürgen Klinsmann nach dem Gegentor durch Adrian Mutu (11. Minute) am Ort seines größten Trainer-Debakels mit der Nationalelf vor der WM 2006 (1:4) eine weitere Pleite hinnehmen müsste. Doch die Comeback-Bayern schlugen nach einer lange mutlosen Vorstellung wieder zu. Zum fünften Mal binnen der vergangenen sechs Spiele konnten sie das Halbzeit-Ergebnis noch wenden und dank Tim Borowski (78.) den Punkt holen. "Es ist kein Zufall, dass wir die letzten Spiele ohne Probleme gedreht haben", sagte der 44 Jahre alte Fitness-Freak Klinsmann - und ließ sich zwei extra große Stücke Tiramisu schmecken. In drei Wochen zu Hause gegen das bereits ausgeschiedene Team aus Bukarest reicht ein Punkt zum Weiterkommen.

Ruhe bis Weihnachten

Zwar steht das Projekt weiter auf wackligen Säulen, aber gemessen an nackten Resultaten ist der Rekordmeister auf Kurs. In der Königsklasse fast am Ziel, in der Bundesliga kurz vor dem Schalke- Knüller am Sonntag in Schwung und die bei Hauptversammlung präsentierten Zahlen stimmen sowieso. Manager Uli Hoeneß freute sich, am Freitag den Mitgliedern einen "Gewinn ausweisen" zu können ebenso wie über die "gute Ausgangsposition in der Champions League" - alles in allem über "sechs Wochen Lebensqualität", weil man bis Weihnachten nun Ruhe habe. Dass der am Ende gut mögliche Sieg verpasst wurde und noch jede Menge Luft nach oben ist, störte niemanden. "Wir müssen besser spielen, um in der Champions League weit zu kommen", sagte der mit einem dick bandagierten Bein abgereiste Bastian Schweinsteiger.

Die Führungsriege, die wegen der Beerdigung des Vorsitzenden des FC Bayern München Hilfe e.V., bereits am frühen Donnerstagmorgen die Toskana verlassen musste, lobte die Leistung in hohen Tönen. Vollblut-Profi Mark van Bommel hob dagegen mahnend den Finger. "In der ersten Halbzeit waren wir ängstlich und hatten viele Alibi- Zweikämpfe", sagte der Kapitän. Rückhalt in dieser Phase: Torwart Michael Rensing, der einen höheren Rückstand verhinderte und nach der Kritik in seinen Anfangswochen als Nummer 1 ein Spiel rettete. "Es war mir klar, dass ich bei jeder Kleinigkeit kritisiert werden würde", sagte der Keeper und verspürte nach Paraden gegen Mutu oder Alberto Gilardino ein "geiles Gefühl".

Borowski erfolgreichster Bayern-Torschütze

Ein schönes Gefühl konnte auch Borowski genießen, als er als letzter Bayern-Profi nach der Partie durch das Spieler-Spalier der Florenzer über den ausgelegten violetten Teppich schritt. Mit einem Lauf fast über das gesamte Spielfeld hatte Hoeneß die in der Kurve feiernde Mannschaft zur Ehrung durch den Gegner getrieben, um die niedergeschlagenen Toskana-Truppe nach dem vermutlichen Aus nicht länger wartenzulassen. "Das war auch das Spiel einer gewissen Siegermentalität", befand Borowski, mit sechs Pflichtspieltoren erfolgreichster Bayern-Torschütze.

Christian Kunz/DPA / DPA

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