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Fußball-Bundesliga: Abstiegskampf - Zittern ab Platz 12

Vor dem 33. Spieltag hält der Abstiegskampf noch sieben Clubs in Atem. Wer hat die besten Chancen, die Liga zu halten? Für wen sieht es übel aus? Der stern.de-Abstiegs-Check.

Von Klaus Bellstedt und Dirk Benninghoff

Bellstedts Ballshow: Warum Daum die Eintracht nicht retten kann

Sieben Vereine müssen noch um den Klassenerhalt in der Bundesliga bangen. Einige mehr, andere weniger. Und einer, der FC. St. Pauli, plant ohnehin schon für die Zweite Liga. Ein Überblick über die Abstiegskandidaten vor dem 33. Spieltag. Den 1. FC Kaiserslautern zählen wir übrigens nicht mehr dazu. Mit 40 Punkten und einem weit besseren Torverhältnis als der 16. Frankfurt sind Abstiegsängste in der Pfalz rein theoretischer Natur.

Platz 12: der VfB Stuttgart

Ausgangslage Die Schwaben kommen auf 39 Punkte bei einer Tordifferenz von +1. Sie bleiben ganz sicher drin, wenn sie gegen Hannover gewinnen. Wenn Frankfurt nicht gegen Köln siegt und Wolfsburg zu Hause Kaiserslautern unterliegt, kann man sich sogar erlauben, gegen 96 zu verlieren.

Trend

The trend ist Stuttgarts friend, würde Uli Hoeneß sagen. Die letzten drei Spiele wurden vom VfB alle gewonnen. Von den letzten neun Ligaspielen verlor Stuttgart nur eines und liegt mit 27 Punkten sogar auf Platz vier der Rückrundentabelle.

Probleme

Das Restprogramm hat es in sich. Es geht noch gegen die Bayern und Hannover 96, zwei Clubs, die in die Champions-League wollen. Etwas belastend könnte das Störfeuer der Leverkusener in Sachen Christian Träsch sein. Die Avancen des voraussichtlichen Vizemeisters könnten einem der Schlüsselspieler von Trainer Bruno Labbadia in der entscheidenden Phase den Kopf verdrehen. Aber echte Probleme sind das eigentlich nicht.

Platz 13: Werder Bremen

Ausgangslage Werder kommt derzeit auf 38 Punkte bei einem Torverhältnis von -15. Das Team von Trainer Thomas Schaaf kann den Klassenerhalt an diesem Spieltag mit einem Sieg gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund fix machen. Bei einem Unentschieden gegen den BVB kann Bremen immerhin nicht mehr direkt absteigen. Verliert Werder gegen Dortmund, ist es nur dann am 33. Spieltag gerettet, wenn Frankfurt verliert und Gladbach maximal einen Punkt holt.

Trend

Werder hat aus den vergangenen fünf Spielen nur einen Sieg geholt. Die Bilanz im Weserstadion ist grauenhaft: Seit sieben Spielen haben die Fans keinen Erfolg mehr zu Hause feiern können. Man kann es aber auch so sehen: Vor der Niederlage gegen Wolfsburg blieb die Schaaf-Truppe achtmal in Serie ungeschlagen. Auch haben die Bremer achtmal hintereinander nur jeweils ein Tor kassiert - ein Treffer gegen Dortmund könnte also genügen ...

Probleme

Tim Borowski, der sich in der kritischen Phase der Bremer zu einem echten Leader aufgeschwungen hatte, fällt weiter verletzt aus. Sein Antrieb und sein Aktionsradius fehlen Werder. Zum Glück für die Bremer ist Sandro Wagner wieder fit, der sich zu einem gleichwertigen Partner von Claudio Pizarro entwickelt hat. Hätte Marko Arnautovic wieder für ihn von Beginn an einspringen müssen …, nun ja, auch das wäre ein echtes Problem gewesen. Es bleibt aber die gravierende Heimschwäche. Während Werder in der Vorrunde zu Hause recht stabil war, siegt man jetzt nur noch auswärts. Der letzte Heimsieg datiert vom Januar (2:1 gegen Hoffenheim).

Platz 14: Der 1. FC Köln

Ausgangslage Der FC (38 Punkte, Torverhältnis -18) braucht nur einen Punkt in Frankfurt, dann bleibt er sicher in der Bundesliga. Reicht es nicht für ein Remis und Köln verliert bei der Eintracht, darf Gladbach nicht gegen Freiburg gewinnen. Ein direkter Abstieg wäre dann ausgeschlossen.

Trend

In den letzten vier Spielen gab es drei Niederlagen und nur einen Sieg. Der aber hatte es in sich. Gegen den Tabellenzweiten Leverkusen am vergangenen Spieltag zeigte der FC zwar keine Glanzleistung, aber der Wille stimmte. Genauso geht Abstiegskampf. Das stimmt die Kölner für die Partie in Frankfurt hoffnungsfroh.

Probleme

Köln hat eine schreckliche Auswärtsbilanz. Mit 12 Niederlagen sind sie in der Ferne einsame Ligaspitze. Nach tollen Vorstellungen im RheinEnergieStadion folgten in der Fremde meist Katastrophenauftritte. Die Mannschaft präsentiert sich so wie früher der Ruf des Vereins war: als launische Diva. Und in Frankfurt? Spielt die Psyche mit? Zweifel bleiben. Der Gegner könnte angesichts seiner derzeitigen Krise aber gelegen kommen, die Auswärtschwäche zu überwinden. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Platz 15: Der VfL Wolfsburg

Ausgangslage Die Wölfe (35 Punkte, -6) bleiben sicher drin, wenn sie gegen Kaiserslautern gewinnen, Frankfurt gegen Köln verliert und Gladbach keinen Sieg gegen Freiburg schafft. Spielt Wolfsburg gegen den FCK dagegen nur remis, kann der VfL immer noch auf Platz 17 oder 18 zurückfallen.

Trend

Nur eine Niederlage in den letzten fünf Spielen, zwei Siege in Folge: Die Magathisierung hat eingesetzt. Zuletzt brach das Team in Bremen die Serie von Werder.

Probleme

Gegen Kaiserslautern fehlt Grafite wegen seiner fünften Gelben Karte. Der formschwache Patrick Helmes muss einspringen. Spielmacher Diego gerierte sich nach seiner Auswechslung in Bremen mal wieder als Diva. Ein Eckpfeiler im Abstiegskampf ist er nicht.

Platz 16: Eintracht Frankfurt

Ausgangslage Die Eintracht muss gegen Köln gewinnen, will sie sich noch berechtigte Hoffnungen auf Platz 15 machen. Bei einem Remis wäre es damit so gut wie vorbei. Auf der anderen Seite können die Frankfurter schnell auf Platz 17 zurückfallen. Spielt Frankfurt gegen Köln unentschieden und Gladbach siegt, dann sind beide punktgleich. Und Frankfurt muss am letzten Spieltag in Dortmund ran ... Kurzum: Das Spiel gegen Köln ist existenziell für die Frankfurter, seit Jahren war für den Verein keine Partie so wichtig.

Trend

Verheerend. In der Rückrunde gewann Frankfurt nur ein einziges Spiel - gegen den Letzten St. Pauli - und schoss in 15 Spielen gerade mal sechs Tore. Unter Daum gab's noch gar keinen Sieg. Die Mannschaft ist vom Mittelfeld bis auf Platz 16 durchgereicht worden - endet die Talfahrt hier wirklich?

Probleme

Torjäger Teofanis Gekas sorgte in der Vorrunde mit 14 Treffern für einen respektablen Tabellenplatz. In der Rückrunde versiebt er reihenweise allerbeste Torchancen. Ein wichtiger Grund für die Krise. Ganz bitter: Gegen Köln fehlen Leader Maik Franz (Mittelfußbruch) und der starke Youngster Sebastian Rode.

Platz 17: Borussia Mönchengladbach

Ausgangslage Fast schon abgestiegen, ist die Borussia phänomenal zurückgekommen und liegt derzeit bei 32 Punkten und einem Torverhältnis von -19. Schlägt sie Freiburg, kann sie theoretisch an Frankfurt vorbei- und punktemäßig mit Wolfsburg gleichziehen. Chancen auf Platz 15: Davon hatte vor Wochen noch niemand geträumt in Mönchengladbach. Verliert das Team allerdings, war's das wohl mit Liga 1.

Trend

Exzellent. Dortmund geschlagen, Hannover geschlagen. Fünf Siege aus den letzten zehn Spielen. Die Abwehr deutlich verbessert, Mittelfeldstar Marco Reus in Topform - die Vorzeichen für Gladbach auf einen erneuten Sieg sind sehr gut. Trainer Lucien Favre kann auf seine beste Mannschaft zurückgreifen.

Probleme

Die Sorgen der Mannschaft resultieren aus der Vorrunde: Das Torverhältnis ist noch immer schlechter als das der Konkurrenz, es bedarf eines Kraftaktes, um den Abstieg zu vermeiden. Das Team ist zum Siegen verdammt - was angesichts der Gegner (Freiburg und der HSV), die beide ohne weitere Ziele im vorderen Mittelfed herumgeistern, allerdings zweimal möglich ist.

Platz 18: FC St. Pauli

Ausgangslage Die Hamburger (29 Punkte, -25) können den Klassenerhalt nur noch theoretisch schaffen. Sie spielen noch gegen Bayern München und in Mainz - kaum vorstellbar, dass St. Pauli beide Spiele gewinnt. Das muss es aber, um wenigstens theoretisch noch eine Chance auf Relegationsplatz 16 zu haben. Platz 15 können sich die Hamburger angesichts des desaströsen Torverhältnisses komplett abschminken.

Trend

Der schlechteste der Liga. Vom Rückrunden-Tabellenführer bis zum Schlusslicht dauerte es knappe drei Monate. Neun Niederlagen und ein Unentschieden stehen in dieser Zeit zu Buche.

Probleme

Die Mannschaft wirkt bereits seit einigen Spielen so, als hätte sie sich aufgegeben. Der früh verkündete Weggang von Trainer Holger Stanislawski nach Hoffenheim trug sein Übriges zur Gesamtlage bei. Die Verletzungsmisere hält auch zum Saisonende an. Steigt St. Pauli nicht ab, kann man wohl wirklich von einem Wunder sprechen.

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