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EM 2008: Selbstbewusst, frech, mutig

Die deutsche Nationalmannschaft ist bereit für das erste Spiel gegen die Polen. Alle Spieler sind fit, nur noch wenige Positionen sind zu vergeben. Joachim Löw und seine Jungs sind sicher: Der EM-Titel ist möglich. Neuigkeiten gibt es in der Torwartfrage, und der EM-Ball sorgt weiter für Schlagzeilen.

Wenige Stunden vor dem Start in die Fußball- Europameisterschaft hat Joachim Löw die deutschen Endlich geht’s los. Nach drei Wochen Trainings-Schufterei und großen Tönen werden die hochmotivierten deutschen Kicker wie ungeduldige Rennpferde aus den Startboxen gelassen.

"Wir glauben tatsächlich daran, dass wir Europameister werden können. Sonst wären wir hier fehl am Platz", sagte Euro-Fighter Torsten Frings, bevor der DFB-Tross am Samstag von Lugano nach Klagenfurt flog. Bundestrainer Joachim Löw erklärte vor dem Abschlusstraining im Spielort: "Wir werden selbstbewusst, voller Überzeugung und mit einer gewissen Frechheit in dieses Spiel gehen."

Fortschritte bei Schweinsteiger

Acht Tickets für jene Startelf, die im mit 30 000 Zuschauern ausverkauften Wörthersee Stadion gegen Polen ein neues Sommermärchen in Gang setzen soll, hat der Bundestrainer vergeben. Wackelkandidaten wie Clemens Fritz, Mario Gomez und Bastian Schweinsteiger nahm Löw auch noch einmal beim Abschlusstraining genau unter die Lupe.

Schweinsteiger bescheinigte er eine Formverbesserung: "Bastian hat klare Fortschritte gemacht, wenn ich ihn im Vergleich zu Anfang der Woche sehe." Erst am Abend wollte der 48-Jährige in letzten "persönlichen Gesprächen" sein Personal-Puzzle fertigstellen.

Die Abwehr steht

"Wir haben sehr viel gearbeitet. Wir sind alle topfit", übermittelte Gomez den Fans in der Heimat. "Die Erwartungshaltung ist groß. Ganz Fußball-Deutschland steht hinter uns. Jeder möchte spielen und einen Beitrag zum Erfolg leisten", ergänzte der Bremer Fritz als erster Anwärter auf die nach dem EM-Ausfall von Bernd Schneider neu ausgeschriebene Position im rechten Mittelfeld. "Ich bereite mich so vor, als ob ich spiele", berichtete Lukas Podolski, die zentrale Figur in Löws Aufstellungs-Poker.

Die Abwehr mit Jens Lehmann in Tor und der Viererkette Philipp Lahm, Per Mertesacker, Christoph Metzelder und Marcell Jansen ist fix. Im Mittelfeld sind allein Frings und Ballack gesetzt. Auf den Außenpositionen deutet einiges auf Podolski als zusätzliche Offensiv-Kraft links sowie Fritz rechts hin. Im Angriff wird neben Miroslav Klose der Stuttgarter Gomez erwartet. Aber Löw nannte bei der letzten Pressekonferenz am Samstag in Klagenfurt auch nochmals Podolski als Angriffs-Option. "Es ist gut, dass wir vorne eine gute Auswahl haben. Der Trainer wird die zwei auswählen, die für das Team im Moment das Beste sind", bemerkte Gomez.

Auf den Punkt topfit

Löw ist glücklich über eine Luxus-Situation: "Alle Spieler sind einsatzfähig, es gibt keine Verletzungen." Torwart-Coach Andreas Köpke hatte zuvor offiziell bekanntgegeben, dass der Hannoveraner Robert Enke die Nummer 2 hinter Lehmann ist. "Wenn irgendetwas passieren sollte, dann wird Robert Enke nachrücken." Die sportliche Leitung geht aber fest davon aus, dass Lehmann "von Verletzungen verschont bleibt und auch keine Rote Karte bekommt", meinte Köpke.

Vor allem das Vertrauen in die gewachsene Reife der WM-Mannschaft von 2006, in die punktgenaue Vorbereitung durch die Fitness-Spezialisten und in einen unerschütterlichen Teamgeist lassen die DFB-Trainer "sehr optimistisch" dem Auftaktspiel entgegenblicken. "Wir haben gemeinsam alles getan, um erfolgreich zu sein. Wenn es um etwas geht, ist diese Mannschaft da", versicherte Köpke, der beim letzten EM-Triumph 1996 noch als Torwart mit auf dem Rasen stand.

Wirbel um den Ball

Allerdings gibt es vor dem Start "eine gewisse Unsicherheit", wie selbst Köpke einräumte: "Man weiß nicht, auf welchem Leistungsstand man ist." Restzweifel bleiben: Kommt die zuletzt wenig überzeugende Abwehr tatsächlich rechtzeitig in die Spur? Sind die Flügel wirklich wirkungsvoll besetzt? Kann der 38-jährige Lehmann die Unsicherheiten auch im Zusammenhang mit dem EM-Flatterball "Europass" abstellen?

Der offizielle Spielball ist auch im DFB-Lager ein großes Thema. "Grundsätzlich ist keiner hundertprozentig mit diesem Ball zufrieden", berichtete Köpke. "Der Ball ist unheimlich schnell und flattert auch." Man habe wegen der ungewohnten Eigenschaften des neuen Flugobjekts sogar das Training des gesamten Teams umgestellt, verriet der Bundestorwarttrainer. "Denn man sieht, dass die Torhüter wesentlich häufiger fausten und weniger Risiko eingehen."

"Wir werden sehr viele Tore sehen aus einer weiteren Entfernung", prophezeite Frings: "Wenn man den Ball richtig trifft, geht er schon ab. Für uns Spieler ist der Ball natürlich super. Für die Torhüter ist es schon schwer, ihn zu halten." Als mögliche Ausrede im Falle einer ersten Länderspiel-Niederlage überhaupt gegen Polen scheide das Fluggerät des DFB-Ausrüsters "adidas" aber aus, betonte Köpke: "Es macht keinen Sinn, über den Ball zu lamentieren. Ich glaube nicht, dass wir ein Tor kriegen, das am Ball liegt."

DPA / DPA

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