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Löw-Interview: "Demonstration der Willensstärke"

Der erste Schritt ist gemacht, das Auftaktspiel gewonnen. Nach dem 2:0 gegen Polen ist die DFB-Elf voll im Soll. Bundestrainer Jogi Löw über die starke Leistung seiner Jungs und wie er persönlich seine Turnier-Premiere als Chefcoach erlebt hat.

Wie zufrieden sind Sie - abgesehen von den drei Punkten - mit der Darbietung Ihrer Mannschaft?

"Natürlich sind wir mit dem ersten Sieg zufrieden. Als Trainer fragt man sich immer bis zum Anpfiff, wo die Mannschaft vor so einem Turnier nach der Vorbereitungsphase ohne ernsthaften Wettkampf steht. Die Mannschaft hat sehr gut gespielt, wir waren ein Team und hatten einen Fokus, das Spiel zu gewinnen. Es war auch eine Demonstration der Willensstärke und Konzentration."

Wie beurteilen Sie die Leistung von Lukas Podolski? Und: Ist seine Aufstellung links jetzt noch eine Variante oder eine Dauerlösung?

"Die ganze Mannschaft - nicht nur Lukas Podolski - hat eine gute Leistung abgerufen. Lukas Podolski hat die beiden Tore erzielt. Wenn er zum Abschluss kommt, wenn er ständig in Bewegung ist, wenn er aus der Tiefe in den Raum stößt, ist er brandgefährlich. Ich denke, er kann beide Positionen leisten. Das 1:0 war sehr gut herausgespielt von Mario Gomez und Miro Klose, der schon in der ersten Situation davor einen sehr guten Pass auf Gomez gespielt hatte. Die Kombinationen und die Spielanlage waren insgesamt sehr gut."

Wie war für Sie persönlich das erste Turnier-Spiel als Chefcoach?

"Es war normal. Wir hatten schon einige Qualifikationsspiele, die auch sehr wichtig waren. Es war ein schönes Erlebnis für mich, alleinverantwortlich auf der Bank zu sitzen. Unter Strom steht man als Trainer immer während des Spiels. Man lebt die Emotionen mit. Dieses Spiel stand ja auch, bevor das 2:0 fiel, auf der Kippe. Der Gegner riskiert alles, wenn er in Rückstand ist. Da ist es normal, dass auch gefährliche Situationen entstehen."

Wie war die Stimmung in der Kabine?

"Die Stimmung war gut, die Stimmung war gelöst. Sie war auch sehr freudig. Auch eine Mannschaft steht vor einem Turnier vor einer besonderen Spannung."

Sie haben Clemens Fritz schon kurz nach der Pause herausgenommen. War er verletzt, war er platt oder was war der Grund?

"Verletzt war er nicht. Aber er hat die 50 Minuten auf einem hohen Tempo absolviert und musste weite Wege gehen. Alle vier Spieler auf den Außenbahnen, Jansen, Podolski, Lahm und Fritz haben enorme Wege gemacht und viel Druck erzeugt. Ich wollte einen frischen Spieler bringen. Mit Bastian Schweinsteiger hatten wir eine Option."

Warum trumpft Lukas Podolski, der bei Bayern München keine überragende Saison gespielt hat, im Nationalteam so auf?

"Lukas hat schon bei Bayern München, wenn er gespielt hat, gute Leistungen gezeigt. Wir haben die drei Wochen Vorbereitung optimal genutzt. Lukas hat die intensive Arbeit sehr gut weggesteckt. Er hat ein unglaubliches körperliches Potenzial, Schnelligkeit und eine gute Ausdauer. Er war die ganze Zeit unglaublich beweglich und aktiv im Training. Er hat bei der Nationalmannschaft schon immer gute Leistungen gebracht. Und in den letzten zwei Jahren sowie bei der WM war er eigentlich auch immer bei uns ein Leistungsträger."

Es gab vor dem Start Kritik am Defensiv-Verhalten der Mannschaft. Wie sehen Sie das jetzt?

"Die Defensive hat ihre Sachen über weite Strecken gelöst. Alle vier Verteidiger haben sehr aufmerksam gespielt, auch die Innenverteidiger haben in der Abstimmung kaum einen Fehler gemacht. Auch im Mittelfeld davor hat die Mannschaft über weite Strecken gut gearbeitet. Und Jens Lehmann war eigentlich auch sicher bei vielen Bällen und hat eine gute Leistung gebracht."

Wo sehen Sie noch Potenzial nach oben?

"Jetzt hat das Turnier begonnen und es ist wichtig, dass wir das Spiel gewonnen haben. Aber es war der Beginn, und eine EM ist ein Marathon. Es gibt noch einiges zu arbeiten und zu verbessern."

DPA / DPA

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