Weltstar Ronaldo Der teuerste Transfer aller Zeiten


"Ich muss tun, was ich tun muss", erklärt Portugals Weltstar Ronaldo und meint damit: Ich gehe zu Real Madrid. In zwei Tagen wolle er den Mega-Transfer auch offiziell bestätigen. Damit würde der teuerste Transfer aller Zeiten perfekt werden.
Von Oliver Trust, Basel

Ronaldo schrieb Autogramme, als müsse er einen letzten Geschäftsvorgang abschließen. Eine Reporterin hatte eine Plastiktüte mit portugiesischen Trikots mitgebracht. Und Ronaldo schrieb, als sei das schon das erste Stück Vergangenheitsbewältigung. Die Europameisterschaft war mit einem brutalen Schlusspfiff zu Ende gegangen. Es schien für ihn auch der Abschluss einer Zeit, in der er ganz Europa seinen Stempel aufdrückte. Cristiano Ronaldo, der stolze Portugiese, wird Manchester United verlassen und zu Real Madrid und zu Trainer Bernd Schuster wechseln.

"In zwei Tagen werde ich bekannt geben, was ihr ohnehin schon alle wisst", sagte der Kapitän der Portugiesen, ohne freilich den Namen Real auszusprechen. "Es ist ein Traum, seit ich ein Kind war, für mich und meine Familie. Ich muss tun, was ich tun muss", sagt er. Wenn einer wie Ronaldo wechselt, der beste Fußballspieler der Welt, ist das mehr als ein schnöder Wechsel von A nach B, es ist einer vom angeblich besten Klub der Welt zu einem der berühmtesten Namen der Fußballwelt, der von "ManU" zu den "Königlichen", die sich auf der ständigen Jagd befinden, den Ruhm der Vergangenheit wieder einzufangen und festzuhalten - es ist ein Erdrutsch.

In zwei Tagen alles klar?

Er hatte eben noch an einer Stelle gestanden, wo die Gitter ein Dreieck bilden und mehr Reporter drängelten als bei allen anderen, die sich durch die Interviewzone schoben. Teurer Schmuck umrankte sein Handgelenk und eine noch teurere Uhr, die vor Edelsteinen nur noch blitzte. "Ich habe noch mit Sir Alex Ferguson gesprochen. Ich wollte mich ganz auf die Euro und Portugal konzentrieren", meinte Ronaldo. Und, wenn er etwas sagt, schaut das aus wie eine Rede zur Lage der Nation. Ronaldo ist Portugal, selbst an einem Tag wie diesem, als er auf dem Rasen nur ein Schatten seiner selbst war und gegen die deutsche Verteidigung kein Land sah.

"Ich werde jetzt zwei Tagen nach Manchester fahren und dort eine medizinische Untersuchung haben. Eine kleine Sache, nichts Bedeutendes", sagt Ronaldo. Der Rücken vermutet man. Es reichte an Bedeutendem an diesem Abend. Dann wird er Alex Ferguson, dem Mister ManU, beichten, was der längst weiß. Nach dem Champions-League-Sieg und der Meisterschaft wird der "schönste Oberkörper der EM" (ARD-Morgenmagazin) nach Spanien abwandern.

Ronaldo will wechseln

In der Mixedzone an diesem so traurigen Abend für Portugal, als alle Träume vom Titel zerplatzt waren, weil sie wieder einmal nicht zielstrebig genug gewesen waren, ging es zunehmend aufgeregt zu. Ronaldo hatte die Nachricht des Sommers verkündet. Auch eine ganze Reihe englischer Reporter drückte sich an die Gitter. Deco kam vorbei, der zusammen mit Portugals Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari zu Chelsea wechseln wird. Dort, wo Michael Ballack, der deutsche Kapitän, schon ist. Es zieht das Duo zu den prall gefüllten Kassen des Roman Abramovic. Ronaldo greift in die von Real.

Es kann kaum Zweifel geben, dass Ronaldo nach Madrid geht. Seit Wochen buhlt der Hauptstadtklub um den 23-jährigen Superstar und seit Wochen bereitet er den Weg für den Absprung. Dabei lässt er es auf einen offenen Streit mit dem mächtigen Ferguson ankommen, der schon drohte Ronaldo auf die Tribüne zu setzen. Es könnte ein Nervenspiel um Millionen werden. Rund 100 Millionen sei Real bereit als Ablöse zu zahlen heißt es, 13 Millionen netto pro Jahr soll er bekommen. Auch das wäre ein neuer Rekord. 2001 zahlte Real 75 Millionen für die französische Lichtgestalt Zinedine Zidane.

Ärger mit Ferguson?

"Ich würde gerne für Real spielen", sagte der umworbene Ronaldo vor Tagen. "Allerdings nur, wenn es wahr ist, dass sie mir und Manchester so viel zahlen, wie sie es sagen. Es hängt nicht von mir ab". Seine Mutter, der er auf seiner Geburtsinsel Madeira ein Häuschen gekauft hat, nennt noch regelmäßiger den Namen des Klubs. Es sei ihr Wunsch, dass ihr Sohn zu Real wechsele. "Ronaldo geht nirgendwo hin. Die Familie Glazer wird Real zum Teufel jagen", tobte Ferguson. Der Familie Glazer gehört Manchester als Hauptanteilseigner praktisch.

Ferguson ist zwar als besonders dickköpfig bekannt und sein Jähzorn ist gefürchtet, aber wenn sich einer wie Ronaldo hinstellt und in aller Öffentlichkeit mit dem Kapitel Manchester abschließt, scheint der Weg vorgezeichnet.

"Die Entscheidung ist gefallen", sagte Ronaldo am Abend der Niederlage. Er schien bereit, sich dem Verhandlungsmarathon mit Manchester auszusetzen. Er schrieb fleißig Autogramme auf die Mitbringsel der Reporterin. Eine Sieg hatte er schon am Vormittag errungen. Er hatte über seine Anwälte das Massenblatt "Sun" verklagen lassen. Das hatte behauptet, Ronaldo habe während des Trainings vier SMS von seinem Handy aus abgeschickt. Er wolle dem Eindruck vorbeugen, sich im Training nicht voll einzusetzen, berichtete der Prozess-Gewinner. Er zeigte damit auch den englischen Medien, dass er vor ihnen keine Angst hat.


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