Spanien - Italien Böse Vorzeichen für die "Rote Furie"


Bei jedem Turnier gehören die Spanier zu den Favoriten. Sie zaubern und verzücken die Fans. Doch mit der K.o.-Runde wird die "Rote Furie", wie die Nationalelf auch genannt wird, regelmäßig von einem Fluch befallen: der Angst vor dem Scheitern. Im Viertelfinale gegen Italien (ab 20.30 Uhr im stern.de-Liveticker) soll dieser Fluch endlich gebannt werden.

Der König höchstpersönlich soll mithelfen, den Fluch zu vertreiben. Denn ein solcher lastet seit 1984 auf der "Roten Furie". Die "Rote Furie" ist die Nationalmannschaft des Landes, und die ist seit der Endrunde der Fußball-EM vor 24 Jahren in Frankreich nie weiter gekommen als bis ins Viertelfinale. Dort war regelmäßig Schluss, manchmal auch früher wie zuletzt bei der WM 2006 in Deutschland, als die hochgelobten "TOReros" im Achtelfinale an Frankreich scheiterten (1:3).

Der König wirds schon richten

König Juan Carlos I. von Spanien und Gattin Sofia werden am Sonntag im Ernst-Happel-Stadion in Wien zugegen sein, um den heldenhaften Kampf der Spanier zu verfolgen. Allerdings verheißt auch das Datum nichts Gutes: Es ist der 22. Juni, und an diesem Tag hat die spanische Nationalmannschaft schon dreimal das Viertelfinale bei einem großen Turnier verloren - bei der WM 1986 gegen Belgien, bei der Euro zehn Jahre später gegen England und bei der WM 2002 gegen Südkorea; jedes Mal übrigens erst im Elfmeterschießen.

Schmerzhaft in Erinnerung ist den Spaniern vor allem das Viertelfinale bei der WM 1994 in den USA. Natürlich gab es eine Niederlage (1:2), und der Gegner hieß: Italien. Luis Enrique, 63-maliger spanischer Nationalspieler, wurde damals vom Italiener Mauro Tassotti hinter dem Rücken des Schiedsrichters das Nasenbein gebrochen.

"Wir haben keine Angst"

Tassotti wurde nachträglich für acht Spiele gesperrt, es wäre Luis Enrique allerdings sehr angenehm, wenn die Italiener auch am Sonntag bestraft würden: "Es gibt keinen besseren Gegner, um den die bösen Vorzeichen hinter uns zu lassen." Ein Fluch, ein verfluchtes Datum - es ist nicht so, dass der spanische Nationaltrainer das einfach beiseite wischt. "Wir dürfen keine negativen Gedanken zulassen", fordert Luis Aragones, und er will die ganze Erfahrung aus 69 Lebensjahren einbringen: "Vielleicht bin ich auch ein bisschen als Psychologe gefragt", mutmaßt er - doch geht es nach seinen Spielern, besteht kein Grund zur Beunruhigung.

"Wir haben keine Angst", behauptet Angreifer Fernando Torres, die Vorrunde mit Siegen über Russland, Schweden und Griechenland habe gezeigt, "dass wir bei diesem Turnier niemanden fürchten müssen."

Angst nein, Respekt schon: "Italien ist nicht durch Zufall Weltmeister geworden", betont Aragones, "vielleicht haben sie im Verlauf der Turniere manchmal Glück, aber man muss sie wegen ihrer Mentalität und Qualität respektieren."

Italienische Sturmflaute

Dies gilt vor allem für den bislang torlosen Bundesliga-Torschützenkönig Luca Toni. "Es wird hart, ihn zu stoppen", sagt Aragones, der mit der seit 19 Spielen ungeschlagenen Selección den zehnten Sieg in Serie feiern könnte: Ihren Rekord von neun Siegen haben die Spanier, Europameister anno 1964, zwischen 1924 und 1927 aufgestellt. Die Vorzeichen für einen wahrhaft historischen Tag der selbstbewussten Spanier stehen allen Flüchen zum Trotz nicht mal so schlecht. Die Italiener müssen auf die gesperrten Andrea Pirlo und Gennaro Gattuso verzichten.

In der Abwehr fällt zudem nach Kapitän Fabio Cannavaro nun auch der künftige Wolfsburger Andrea Barzagli verletzungsbedingt aus. Und Toni, vor dem die Spanier ja doch ein bisschen Bammel haben, steckt in einer Krise. Seit 416 Minuten hat der Torjäger nicht mehr getroffen, und er weiß natürlich: "Wenn wir Europameister werden wollen, muss sich das ändern."

Und es wird sich ändern, glaubt Alessandro Del Piero, der 33 Jahre alte Altmeister: "Der Einzug ins Viertelfinale war erst der Startschuss für uns." Sollte sich der Edeljoker täuschen, wäre das zugleich auch das Ende für Nationaltrainer Roberto Donadoni. Sollte die Squadra Azzurra nicht mindestens ins Halbfinale einziehen, darf der italienische Verband FIGC dessen Vertrag bis 2010 innerhalb von zehn Tagen kündigen, gegen eine Abfindung von 550.000 Euro. Marcello Lippi, Weltmeistertrainer der Nazionale, steht als Nachfolger schon bereit.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Spanien:

1 Casillas - 15 Ramos, 5 Puyol, 4 Marchena, 11 Capdevila - 19 Senna - 6 Iniesta, 8 Xavi, 21 Silva - 7 Villa, 9 Torres

Italien:

1 Buffon - 19 Zambrotta, 2 Panucci, 4 Chiellini, 3 Grosso - 10 de Rossi - 22 Aquilani, 13 Ambrosini - 16 Camoranesi - 9 Toni, 18 Cassano

Schiedsrichter:

Herbert Fandel (Deutschland)

SID SID

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