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EM 2012: EM-Splitter - Nasri droht EM-Aus, Ronaldo kann fast jeden Tag

Samir Nasri muss seinen verbalen Aussetzer gegenüber eines Journalisten eventuell mit seiner Nicht-Teilnahme für das WN-Turnier 2014 in Brasilien bezahlen. Während der Verband sich berät, plant man in England eine Revolution, Robert Lewandowski verkauft sein letztes Hemd und Ronaldo würde am Liebsten jeden Tag.

"Das passiert mir nie mehr wieder, bis zum nächsten Mal", heißt es in einer Textzeile der Hamburger Band Rantanplan. Dies könnte gleichzeitig das Motto der französischen Nationalelf sein, die mit breiter Brust zur EM 2012 gefahren war und die bitteren Momente der Weltmeisterschaft 2010 vergessen machen wollte. Es sollte nicht gelingen.

Während 2010 eine Spielerrevolte ein gutes Abschneiden torpedierte, war es in diesem Jahr Samir Nasri, der die Equipe Tricolore mit seinen verbalen Äußerungen sinnbildlich durch den Schmutz zog. Nach dem Viertelfinalaus gegen Spanien setzte der Mittelfeldspieler von Manchester City zu einer Hasstirade gegen einen Journalisten an.

Wir können auch vor die Tür gehen

Die Palette reichte von Sexualpraktiken mit dessen Mutter bis zu einer Aufforderung, das Problem doch wie Männer klären zu können – ein Trend, den Ukraines Trainer Oleh Blokhin auf einer Pressekonferenz gestartet hatte. Nun zieht der Ausraster von Nasri Konsequenzen nach sich und es wird bereits unter anderem von der L'Equipe spekuliert, dass der Franzose die WM 2014 verpassen wird.

Nicolas Anelka wurde seinerzeit, als Rädelsführer des Spieleraufstands 2010, für 18 Länderspiele gesperrt - de facto musste er 15 Monate pausieren. Am kommenden Dienstag könne das Exekutivkomitee bei einem Treffen ein Verfahren einleiten.

Frankreichs Sportministerin Valérie Fourneyron sprach sich unterdessen allgemein für mögliche Maßnahmen aus. "Es gibt Regeln innerhalb des Verbandes und wenn es ein Verhalten gibt, das sanktioniert werden muss, sollte dies getan werden", sagte sie beim TV-Sender Canal Plus. Im Visier seien auch Hatem Ben Arfa, Yann M'Vila und Jérémy Ménez.

Trainer Laurent Blanc war angetreten, um den Haufen der Einzelspieler zu einer Einheit zu formen und hatte nach der Niederlage in der EM-Qualifikation gegen Weißrussland auch durchweg gute Arbeit geleistet. 21 Spiele hatten Les Bleus bis zum Auftakt der EM nicht verloren, galten als Geheimfavorit. Ob Blanc im Amt bleiben wird, soll ebenfalls diskutiert werden.

Revolution in England - Hodgson baut um

Während es bei den Franzosen bis zu möglichen Sanktionen noch dauern wird und Nasri praktisch bis zum kommenden Dienstag im eigenen Saft kochen darf, beschäftigen sich die Engländer schon mit dem Neubau ihrer Auswahl. Three Lions-Coach Roy Hodgson hat sich wenig vorzuwerfen, da sein Team im Vorfeld der Spiele vom Verletzungspech heimgesucht worden war.

Die heimische Presse ging schonend mit Spielern sowie dem Trainer um und Hodgson will aus den Fehlern lernen. Zudem plant er eine Revolution, beginnend am 15. August beim Freundschaftsspiel gegen die Schweiz. Hodgson erklärte der Sun, dass seine Spiele in einigen Situationen den Ball länger hätten halten müssen. Auch die Chancenverwertung sei nicht optimal gewesen.

"Das sind Bereiche, in denen wir arbeiten und uns verbessern müssen", so der Trainer. "Im Hinblick auf das Freundschaftsspiel muss ich sagen, dass es zu einer Revolution kommen könnte. Es ist eine ideale Möglichkeit, mir ein paar Spieler anzusehen, die nicht bei der EM dabei waren und meinten, dass sie es hätten sein müssen. Dabei sind auch jüngere Spieler, die leider verletzt waren."

Ronaldo kann praktisch jeden Tag

Noch im Turnier sind die Portugiesen und medial wurde bereits von Nachteilen für die Spanier gesprochen. Auch die DFB-Elf wird im Vorteil gesehen, denn die Elf von Joachim Löw hat zwei Tage mehr Zeit, um zu regenerieren, als die Italiener. Zudem ging das Spiel zwischen Italien und England in die Verlängerung. Zugegeben, kein zu unterschätzender Faktor.

Alles Blödsinn, meint hingegen Cristiano Ronaldo. Laut eines Berichts von espnfc.com ist Portugals Superstar genervt von den Beschwerden von Halbfinalgegner Spanien. "Drei Tage Pause sind mehr als genug", zitierte espnfc.com Ronaldo, der somit die Aussage von Spaniens Trainer Vicente del Bosque kommentierte, die zwei Tage weniger Pause, die sein Team habe, sei eine "kleine Benachteiligung".

Helden der Vorrunde

Dies sind Probleme, mit denen sich Gastgeber Polen schon seit geraumer Zeit nicht mehr beschäftigen muss. Denn nach der Vorrunde musste das Team die Segel streichen - eine riesen Enttäuschung für Fans und Spieler. Das Interesse der Polen ist dennoch ungebrochen.

Zumindest wenn man sich den Hype um ein Trikot von Robert Lewandowski ansieht. Der Stürmer von Borussia Dortmund hatte sein EM-Trikot der Stiftung des Fernsehsenders TVN für eine Wohltätigkeits-Auktion überlassen. Zehn Tage lang konnten Fans im Internet ihr Gebot abgeben. Lewandowskis Trikot mit der Nummer Neun erzielte knapp 100.000 Euro, berichtete der Nachrichtensender TVN 24.

DFB-Elf auch mental auf der Höhe

Und Neuigkeiten gibt es auch von der deutschen Nationalmannschaft. Es ist ein Trend geworden, der unterlegenen Mannschaft oft das Attribut abzusprechen, den nötigen Willen aufgebracht zu haben und mental vielleicht nicht fit gewesen zu sein. Sollte die DFB-Elf ihr Halbfinale gegen Italien verlieren, dürfte diese Ausrede kaum auf den Taktiktisch gelegt werden.

Denn nach Ansicht des Sportpsychologen Henning Plessner hat das Team die mentale Fähigkeit, den EM-Titel zu holen. "Sie ist dieses Mal so gut eingestellt wie selten zuvor", sagte Plessner. Am Anfang habe er Angst gehabt, dass die Mannschaft an der hohen Erwartungshaltung scheitern könnte, mittlerweile habe er den Eindruck, dass das Team sehr stabil sei.

Die psychologische Komponente habe beim Fußball allerdings nur einen Anteil von fünf bis zehn Prozent. "Ungefähr sechzig Prozent machen die physischen Leistungsunterschiede aus, der Rest ist Zufall", sagte Plessner. Fußball sei damit eine der zufallsanfälligsten Sportarten.

Psychologisch wirke auf dem Spielfeld neben der mentalen Stärke der einzelnen Spieler, der Teamzusammenhalt und die Überzeugung, das angestrebte Ziel auch erreichen zu können. Und da wären wir dann doch wieder die Überzeugung, die vielleicht bei einer Niederlage gefehlt haben könnte.

sportal.de / sportal

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