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EM 2012: Russland führt Tschechien vor

Russland landete einen ungefährdeten 4:1-Sieg gegen Tschechien. In einem weitestgehend einseitigen Spiel wurden Alan Dzagoev und Roman Pavlyuchenko zu den Matchwinnern für Russland, die damit eine gute Ausgangsposition für die nächsten Aufgaben haben.

Im zweiten Spiel der Gruppe A der Europameisterschaft 2012 setzte sich Russland vollkommen verdient gegen überforderte Tschechen durch. Jungstar Alan Dzagoev brachte Russland auf die Erfolgsspur (15.). Roman Shirokov erhöhte noch vor der Halbzeit auf 2:0. Nach der Pause ließ Vaclav Pilar Tschechien noch einmal kurz hoffen.

Doch als in der 73. Minute Roman Pavlyuchenko eingewechselt wurde, machte Russland alles klar. Zunächst bereitete der Joker das 3:1 von Dzagoev vor (79.) und setzte kurz darauf selbst den 4:1 Schlusspunkt (81.). Nach dem 1:1 im Eröffnungsspiel zwischen Polen und Griechenland stehen die Russen nun auf dem ersten Platz der Tabelle und genießen eine hervorragende Ausgangsposition.

Akinfeev ist nicht mehr fit geworden

Einen leichten Rückschlag hatten die Russen bereits im Vorfeld der Partie hinnehmen. müssen. Der angeschlagene Stammkeeper Igor Akinfeev war nicht rechtzeitig fit geworden und wurde durch Vyacheslav Malafeev ersetzt. Ansonsten gab es im Team von Trainer Dick Advocaat keine Überraschungen. Das vom Coach gegenüber der ARD ausgegebene Ziel "Soweit wie möglich zu kommen“ wurde mit einem 4-3-3 in Angriff genommen.

Bei den Tschechen hatte lange der Einsatz von Tomas Rosicky und Milan Baros auf der Kippe gestanden. Allerdings kam in den vergangenen Tagen die Entwarnung und Michal Bilek durfte bei der Aufstellung das volle Potential ausschöpfen. Die Tschechen, die seit 1996 ununterbrochen bei der Europameisterschaft dabei sind, stellten mit Baros nur eine Spitze und spielten mit einem 4-5-1. Die zuvor einzige Partie zwischen Russland und Tschechien war bei der EM 1996 3:3 ausgegangen.

Russische Effektivität gegen tschechische Harmlosigkeit

Die 43.771 Zuschauer im Municipal Stadium Breslau freuten sich nach dem Ergebnis von 1996 auf ein ähnlich torreiches Spiel. Und sie sollten ihre Tore bekommen. Zu Beginn spielten fast nur die Tschechen ohne allerdings gefährlich vor das Tor von Malafeev zu gelangen.

Milan Baros war als einzige Sturmspitze komplett überfordert und trat nur bei einem Stürmerfoul richtig in Erscheinung. Das 5-Mann-Mittelfeld der Tschechen, die als leichte Außenseiter in die Partie gegangen waren, kam gegen kompakt stehende Russen nicht durch.

Russland hingegen ließ sich erst nach knapp zehn Minuten vor dem Tor von Petr Cech blicken. Es war, als wäre das der Warnschuss gewesen. Denn nur wenige Augenblicke später setzte Aleksandr Kerzhakov einen Kopfball gegen den tschechischen Pfosten. Der jüngste im Team der Russen, Alan Dzagoev, stand danach goldrichtig und staubte aus sechs Metern zum 1:0 für Russland ab (15.).

Was Russland im Anschluss zeigte, war ein richtig feines Kombinationsspiel. Immer wieder ließen sie den Ball laufen und verstanden es, sowohl das Spiel sicher aufzubauen, als auch schnell zu kontern. Dadurch ergaben sich zahlreiche Möglichkeiten, so auch in der 24. Minute.

Andrey Arshavin kam über die linke Seite und passte den Ball flach aus dem Halbfeld in Richtung Elfmeterpunkt, wo Kerzhakov verpasste. Symptomatisch für die erste Halbzeit allerdings, dass Roman Shirokov mitgelaufen war und einen Tick vor Weltklasse-Keeper Petr Cech an den Ball kam, ihn über Cech lupfte und zum 2:0 traf. Die tschechische Abwehr war erneut nach allen Regeln der Kunst ausgespielt worden.

Zwar gaben die Tschechen sich nicht auf, kamen aber auch zu keiner nennenswerten Chance. Zur Halbzeit konnte Tschechien froh sein, dass es nur 2:0 stand, denn Dzagoev und auch Kerzhakov hatten mehrere Möglichkeiten zu erhöhen.

Tschechien schöpft Hoffnung

Die zweite Halbzeit begann zunächst, wie die erste geendet war. Russland weiter im Vorwärtsgang, wenn auch gemächlicher, während das Team von Michal Bilek nur schwer in die Gänge kam. Wie aus heiterem Himmel fiel dann in der 51. Minute der Anschlusstreffer. Ein Traumpass von Jaroslav Plasil überwand die komplette und bis dahin gut stehende Abwehr der Russen. Vaclav Pilar nutzte den Pass und schob eiskalt zum 1:2-Anschlusstreffer ein.

Das Spiel nahm nach dem Tor von Pilar wieder an Fahrt auf. Russland ließ sich nicht aus der Bahn werfen und erhöhte das Tempo. Dadurch kamen sie zu mehreren Großchancen, die allesamt ungenutzt blieben. Doch auch Tschechien versteckte sich nun nicht mehr und kam ebenso zu der ein oder anderen Gelegenheit. Alle Hoffnungen wurden in der 79. Minuten zunichte gemacht.

Pavlyuchenko, der Joker

Der in der 73. Minute eingewechselte Roman Pavlyuchenko setzte das größte russische Fußballtalent Alan Dzagoev perfekt in Szene und der schloss mit einem wuchtigen Schuss zum 3:1 ab. Petr Cech war wieder chancenlos und musste zwei Minuten später erneut den Ball aus den Maschen holen. Pavlyuchenko kam am linken Strafraumrand an den Ball und setzte sich gegen den Berliner Verteidiger Roman Hubnik durch. Als sich die Lücke zum Abschluss bot, versenkte er die Kugel zum 4:1. Ein starker Auftritt von Pavlyuchenko.

Tschechien trifft am zweiten Spieltag der Gruppe A auf Griechenland. Dort müssen Rosicky und Co. einen Sieg einfahren, wenn sie die Chance auf das Viertelfinale wahren wollen. Russland trifft anschließend auf den Co-Gastgeber Polen. In dem Spiel wird es voraussichtlich um den Gruppensieg gehen. Bis dahin haben beide Teams drei Tage Pause.

Tobi Becker

sportal.de / sportal

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