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Deutschland steht im EM-Halbfinale: Die Rückkehr des Fußballspektakels

Der Traum vom Titel nimmt langsam Gestalt an: Die deutsche Nationalelf hat auch das vierte EM-Spiel gewonnen und steht nach einem 4:2-Erfolg über Griechenland im Halbfinale – auch dank Mesut Özil.

Von Klaus Bellstedt, Danzig

Die Überraschung war ihm gelungen: Im Vergleich zum Dänemark-Spiel veränderte Joachim Löw seine Mannschaft gleich auf vier Positionen. Dass Jerome Boateng nach seiner abgesessenen Sperre in die Startelf zurückkehren würde, damit war noch am ehesten zu rechnen. Lars Bender musste für ihn auf rechts weichen. Aber auch Lukas Podolski, Thomas Müller und Mario Gomez flogen aus der Anfangsformation. Das war die Gelbe Karte des Bundestrainers für dieses Trio. Aber hinter dem Wechsel steckte natürlich mehr: Mit der Hereinnahme von André Schürrle, Marco Reus und Miroslav Klose sollten die ultra-defensiven Griechen auseinanderkombiniert werden. Die Spielweise der drei würde eben besser zum Gegner passen. Das war der Plan.

Und das Unterfangen, das ja nicht ohne Risiko war, ging auf. Das Viertelfinale wurde nur kurz zum von allen erwarteten Geduldsspiel. Bis zur 39. Minute, dem Führungstor von Philipp Lahm. Das hätte eigentlich viel früher fallen müssen. Von Beginn an drückte die Nationalmannschaft die Hellenen in die eigene Hälfte und ging volles Risiko. Eben genauso, wie man gegen einen mauernden Kontrahenten spielen muss. Vor allem Marco Reus lieferte eine tolle Leistung ab und rechtfertige mit starken Dribblings, einem guten Spielverständnis und Mut zum Abschluss seine Aufstellung. Mit seinem sehenswerten Tor zum 4:1 (74.) belohnte er sich selbst.

Özil explodiert endlich, Schweinsteiger enttäuscht

Aber nicht nur die Neuen erfreuten Joachim Löw mit frischen Impulsen. Auch bei Mesut Özil gab es endlich die vom Coach geforderte "Explosion". Der Star im Team der Deutschen wirkte viel wacher als zu Beginn des EM-Turniers. Er lenkte das Spiel zwar noch nicht wie zu besten Zeiten, aber endlich kamen auch wieder seine Pässe an. Özil war der Ausgangspunkt vor dem 2:1 durch Sami Khedira (61.), den dritten deutschen Treffer durch Klose bereitete er direkt per Freistoß vor. Der Regisseur glänzte auch deshalb wieder mehr, weil sich das Mittelfeld besser bewegte, als in den Spielen zuvor. Auch die Spielweise von Miro Klose kommt dem Spielmacher entgegen.

Es gab an diesem Abend, der nach dem griechischen Ausgleichstreffer durch Samaras (55.) nur kurzzeitig spannend war, aber auch eine Enttäuschung: Bastian Schweinsteiger. Der Bayern-Profi leistete sich derart viele Fehlpässe und war uninspiriert, dass alle eigentlich mit seiner Auswechslung zur Halbzeit gerechnet hatten. Er spielte weiter. Aber besser wurde sein Spiel nicht.

Der letztlich ungefährdete Sieg über die limitierten Griechen, die kurz vor Schluss durch einen von Jerome Boateng verschuldetet Handelfmeter noch zum zweiten Tor kamen, macht für den weiteren Verlauf auch deshalb Mut, weil gut erkennbar war, was alle schon vorher vermutet hatten, aber keiner es wirklich wusste: Diese Mannschaft ist wirklich auf allen Positionen doppelt besetzt.


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