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Letzter Schrei bei der Fußball-EM Schienbeinschoner werden wahre Kunstwerke


Eigentlich sollen sie nur die wertvollen Fußballer-Beine schützen, einige aber sind wahre Kunstwerke. Die exklusiven Schienbeinschoner des ehemaligen Ferrari-Manns Enrico Campari sind der EM-Renner.

Lukas Podolski kickt bei der Fußball-EM mit dem Kölner Wappen auf dem Schienbein, Italiens Abwehrstar Giorgio Chiellini mit King Kong und Frankreichs Stürmer Jeremy Menez trug gar den Pariser Eiffelturm spazieren. Schienbeinschoner mit den persönlichen Motiven der Fußballstars sind der letzte Schrei in Polen und der Ukraine. Eigentlich sollen sie nur die wertvollen Beine schützen, manche der sündhaft teueren Einzelstücke aber sind wahre Kunstwerke.

Enrico Campari, ein Ferrari-Tüftler aus Italien, beliefert die Weltklassekicker fast aller Nationen mit den bis zu 3000 Euro teuren Hightech-Schützern. Die individuellen Schoner zieren Monumente, Smileys, Spitznamen, die Namen der Kinder, Comic-Helden und Nationalflaggen. Italiens Mittelfeldspieler Riccardo Montolivo hat zu Ehren seiner deutschen Mutter neben der Tricolore gleich noch die deutsche Fahne gewählt.

DFB-Stürmer Podolski hat sich neben seinem Spitznamen Poldi den Namen seines Sohnes Louis aufdrucken lassen. Auf Jérôme Boatengs schwarzen Schützern ist neben seinen Vornamen und seiner Rückennummer ein Kreuz abgebildet, Ilkay Gündogan hat in Borussia-Gelb "Illy" drauf drucken lassen.

Die Ferraris unter den Schienbeinschonern

Auch der Franzose Franck Ribéry trägt in München die Spezial-Schoner mit seinem Namen und dem Bayern-Logo drauf. Spaniens Mittelfeld-Star Xabi Alonso hat sich für Exemplare in edlem Weiß mit seinem Namen und dem Emblem von Real Madrid entschieden.

Selbst Argentiniens Stürmerstar Lionel Messi trägt sie beim FC Barcelona in den Farben der Nationalflagge und einem großen "Leo"-Schriftzug. Die "historischen Schützer", die Ex-Azzurri-Kapitän Fabio Cannavaro beim Gewinn des WM-Finals 2006 in Berlin trug, sind sogar im italienischen Fußballmuseum in Coverciano zu bewundern.

Geschaffen wurden die funktionellen Kunstwerke von Enrico Campari. "Meine Produkte sind die Ferraris unter den Schienbeinschonern", sagte der passionierte Formel-1-Fan der Nachrichtenagentur dpa. Vier Jahre lange arbeitete er bei Ferrari, seit fast zehn Jahren beliefert der Tüftler Italiens Edelschmiede als selbstständiger Unternehmer mit Sicherheitsausstattung für die Rennwagen.

Bei der "Scuderia" lernte er, mit modernen Hightech-Kunststoffen umzugehen. Jetzt setzt der 45-Jährige sie zum Schutz der Fußballerbeine ein. "Ehrensache, dass ich damals Michael Schumacher sofort ein Paar geschenkt habe, als er 1996 zu Ferrari kam", erzählte Campari. Der Formel-1-Rekordweltmeister ist leidenschaftlicher Fußballer.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wen der ehemalige Ferrari-Mann noch ausstattet...

Haute Couture für die Beine

Fast die gesamte Squadra Azzurra und viele weitere Top-Fußballer aus zehn der 16 EM-Teams stattet der findige Signore aus Parma aus. Die meisten DFB-Spieler werden im Halbfinale am Donnerstag gegen Italien dagegen immer noch Schienbeinschoner von der Stange tragen. Camparis Schützer dagegen sind die Haute Couture - "schön, funktional und kompromisslos hochwertig", wie Signor Campari im Gespräch betont. Neben Karbon und Kevlar verarbeitet er auch Zylon. "Eine extrem leichte, aber teure Kunstfaser, die in der Formel 1 zum Schutz der Benzintanks in den Boliden eingesetzt wird", erklärt Campari.

Den Profis werden die Schoner anatomisch passgenau maßgeschneidert. "Wir arbeiten mit 3 D-Scannern, um die Beine der Fußballer millimetergenau zu vermessen", erklärt Diego Penocchio im Gespräch mit der dpa. Der Vize-Präsident des FC Parma ist gerade bei Campari eingestiegen. Ihre neue Gesellschaft wird die begehrten Schienbeinschoner jetzt in größeren Mengen herstellen. Bislang produzierte Campari in seiner Manufaktur nur 4000 Stück pro Jahr.

"Durch die industrielle Produktion werden die Einstiegsmodelle auch für Freizeitkicker günstiger", erklärt Penocchio. Wer wie Italiens Mittelfeld-Star Daniele De Rossi aber das römische Kolosseum auf seinen Schonern haben will, muss für die exklusiven Hightech-Schützer Made in Italy auch in Zukunft tief in die Tasche greifen.

Bernhard Krieger, DPA DPA

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