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Nach harscher Scholl-Kritik: Löw und Gomez halten den Ball flach

Mehmet Scholl hat mit seiner Gomez-Kritik mächtig für Wirbel gesorgt. Derweil reagiert Bundestrainer Löw entspannt auf die Stürmer-Diskussion, der Gescholtene selbst strotzt vor Selbstbewusstsein.

Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl hat Vermutungen zurückgewiesen, er habe persönlich etwas gegen Mario Gomez, den Siegtorschützen aus dem Portugal-Spiel. "Das ist überhaupt nicht der Fall. Ich bin Fan dieser Mannschaft, Gomez ist ein Teil von ihr", beteuerte der ARD-Experte in der "Bild"-Zeitung allerdings nur etwas distanziert. Mit einem direkten Bekenntnis zu Gomez wird der 41-Jährige nicht zitiert. Nach dem EM-Auftaktspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Portugal hatte der frühere Bayern-Star noch über den Siegtorschützen Gomez gelästert: "Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss."

Die jetzt ausgelöste Debatte lässt Bundestrainer Joachim Löw unterdessen kalt. "Ehrlich gesagt habe ich keine Energie, mich um das zu kümmern, was der eine oder andere irgendwo sagt. Ich als Trainer habe eine andere Sichtweise auf die Dinge. Wir beurteilen die Spieler so, wie wir das für richtig halten. So etwas wird mich die nächsten Wochen nur am Rande interessieren", erklärte Löw am Montag bei der Pressekonferenz im deutschen EM-Quartier in Danzig.

Auch der Gescholtene selbst hielt den Ball angesichts der Kontroverse flach: "Ich war in den letzten fünf, sechs Jahren der beste Stürmer in Deutschland und habe in der Champions League in den letzten zwei Jahren nach Messi die meisten Tore gemacht. Ich möchte wissen, warum ich mich ändern soll?", erklärte Gomez. Lionel Messi vom FC Barcelona hatte in der Königsklasse in den vergangenen zwei Spielzeiten 26 Mal getroffen, Gomez 20 Mal.

Scholl kritisierte die angeblich mangelnde Einsatzfreude und Spielstärke des Torjägers, der von Bundestrainer Joachim Löw den Vorzug vor Miroslav Klose erhalten hatte. Gomez arbeite nicht genug nach hinten. "Insgesamt ist das zu wenig", befand Scholl. Zu seinem lockeren Spruch über Gomez in der TV-Analyse sagte Scholl nun: "So was nehme ich mir nicht vor. Dieser Vergleich ist mir spontan eingefallen. Die Kameras vergesse ich häufig." Auch zu seinen aktiven Fußballer-Zeiten war Scholl gelegentlich mit markigen Sprüchen aufgefallen. Unvergessen ist sein politisches Statement: "Hängt die Grünen solange es noch Bäume gibt."

"Andere haben größere Probleme"

Der ehemalige Nationaltorwart Toni Schumacher bezeichnete die Vorwürfe gegen Gomez am Montag im "Morgenmagazin" des ZDF als "überzogen". Gomez habe schließlich in der abgelaufenen Bundesliga-Saison 26 Tore für den FC Bayern München erzielt. "Andere haben viel größere Probleme", meinte Schumacher. Offen ist noch, ob Gomez am Mittwoch im zweiten Gruppenspiel der DFB-Auswahl gegen die Niederlande erneut von Beginn an spielen wird oder Klose in die Startelf zurückkehrt.

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csa/DPA / DPA

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