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Gefilterte EM-Berichte DFB protestiert gegen TV-Bilder von Löws "Handspiel"

Bundestrainer Joachim Löw am Rande der EM-2016-Partie Deutschland gegen die Ukraine mit der Hand in der Hose
Bundestrainer Joachim Löw am Rande der EM-2016-Partie Deutschland gegen die Ukraine mit der Hand in der Hose. Der DFB soll gegen die TV-Bilder bei der Uefa offiziell protestiert haben.
© Screenshot Twitter
Die einen bemängeln, dass die Uefa in ihren TV-Bildern von der EM Teile der Realität ausblende. Den anderen geht das, was gezeigt wird, zu weit. Gegen die Ausstrahlung des bloßstellenden "Handspiels" von Joachim Löw soll der DFB offiziell protestiert haben.

Die Sache ist anrüchig, deshalb will auch niemand offen darüber sprechen. Nationalcoach Jogi Löw wurde durch TV-Bilder, die ihn zeigen, wie er seine Hose richtet und anschließend an seinen Fingern riecht, europaweit bloßgestellt. In den sozialen Medien gab es Spott und Häme. Ungewöhnlich dabei: Eigentlich werden solche Bilder durch die Regie des die EM veranstaltenden europäischen Fußballverbands Uefa gefiltert. Diesmal jedoch nicht, zumindest nicht überall. Der DFB hat gegen die Freigabe der Bilder bei der Uefa daher protestiert. Das berichtet die Hamburger "Morgenpost".

Zu sehen waren die Bilder von Löws Fauxpas in einem italienischen Sender, der offenbar mehr Kameraeinstellungen gebucht hat als das deutsche Fernsehen. Denn hierzulande war Löws inzwischen berühmtes "Handspiel" nicht zu sehen. Dem Bericht zufolge gibt es daher sogar Stimmen, die Absicht vermuten - etwa um Unruhe ins Lager des Weltmeisters und Turnierfavoriten zu bringen. Daher wollen die Verantwortlichen rund um die Nationalelf trotz allen Ärgers auch nicht weiter auf die anrüchige Sache eingehen. Auf Nachfrage des Blattes wollten angeblich weder Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff noch der Bundestrainer selber zu der Sache Stellung nehmen. Volle Konzentration aufs Sportliche, laute die Devise, heißt es weiter. Jetzt also: Schwamm drüber!

Abseits des Falls Joachim Löw: ARD und ZDF beklagen Zensur

Die Forderung des DFB ist ein zweischneidiges Schwert. Während der Verband die Uefa nun offenbar regelrecht gebeten hat, TV-Bilder zu filtern, haben sich ARD und ZDF gerade erst über eben jene "Schönung der Bilder" beschwert. Der europäische Fußballverband nutzt die Bild-Regie offensichtlich dazu, ein rein positives und sauberes Bild von seinem Event zu zeichnen. Deutlich wurde das vor allem dadurch, dass die Prügelszenen auf der Tribüne des Stadions von Marseille nach dem Spiel England gegen Russland von der Uefa nicht gezeigt wurden. Ausschreitungen und Hooligan-Krawalle wurden ausgeblendet, fanden schlicht nicht statt. Ein weiteres Beispiel: Auch die Jubelbilder der kroatischen Spieler nach dem Tor von Luca Modric gegen die Türkei sollen eng geschnitten worden sein - weil sich ein Fan beteiligte. "Wir müssen alles Wichtige berichten, was im Stadion passiert, nicht nur das auf dem Spielfeld. Das ist einfach eine Frage der Glaubwürdigkeit", betonte WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn in einem ARD-Bericht.


Die besten Sprüche der EM 2016

Ob der Fall Löw nach Einschätzung der die EM übertragenden Sender von ausreichendem Interesse wäre, um darüber zu berichten, bleibt offen. Mit ihren manipulativen TV-Praktiken fällt die Uefa allerdings nicht zum ersten Mal auf. Auch bei der EM 2012 stand eine Szene mit Joachim Löw dabei im Mittelpunkt. Der Nationalcoach erlaubte sich damals einen Spaß mit einem Balljungen. Die Szene wurde damals ohne jede Kennzeichnung ins Live-Programm eingespeist. Der an sich harmlose Vorfall löste eine Diskussion um die Glaubwürdigkeit der EM-Berichterstattung aus. Die Befürchtungen von damals scheinen sich nun zu bewahrheiten. Noch mehr als der Fall Löw belegt das das Ausblenden der Hooligan-Krawalle.

dho

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