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Englands EM-Blamage: Warum hatte Hodgson eine Rücktrittserklärung vorbereitet?

Nach dem Scheitern gegen den vermeintlichen Fußballzwerg Island erklärte Englands Nationaltrainer Roy Hodgson seinen Rücktritt. Seine Erklärung las er vom Blatt ab. Aber warum hatte er die offensichtlich vorbereitet?

Roy Hodgson vor dem Spiel gegen Island in Nizza

Skeptischer Blick: Roy Hodgson vor dem Anpfiff des Spiels, das die größte Blamage für den englischen Fußball werden sollte

Es ist merkwürdig. Nach dem desaströsen EM-Aus der englischen Nationalmannschaft gegen Island erklärte Nationaltrainer Roy Hodgson auf der Pressekonferenz seinen Rücktritt. Dazu las er eine offensichtlich vorbereitete Erklärung von einem Zettel ab. Er sei Zeit für einen "talentierten, hungrigen, jungen Nachfolger". Er dankte der Mannschaft, den Fans und den Journalisten für eine "wunderbare Reise" in den vergangenen vier Jahren. 

Die Fragen, die sich alle stellen, lauten: Hatte Hodgson tatsächlich eine Rücktrittserklärung vor dem Achtelfinale gegen die Isländer vorbereitet? Und wenn ja, warum? Hielt der 68-Jährige, der seit 40 Jahren im Trainergeschäft ist, ein Scheitern gegen den vermeintlichen Fußballzwerg für eine realistische Möglichkeit ? Und was bedeutet so eine Einstellung für sein Wirken als Trainer, der eine junge Mannschaft durch ein Turnier zu führen hat?

Roy Hodgson verzweifelte auf der Bank

Es bleibt ein fahler Nachgeschmack. Schon während des Spiels machte sich beim Coach sichtbar Verzweiflung breit. 20 Minuten vor dem Schlusspfiff vergrub er auf der Bank hockend das Gesicht in die Hände. Erst in der 87. Minute brachte Hodgson sein letztes Ass, als er den 18-jährigen Marcus Rashford aufs Feld schickte. Viel zu spät. Rashford gab alles und spielte nicht so gelähmt wie seine Mitspieler. Doch in der verbleibenden Zeit konnte das blutjunge Talent nichts mehr bewirken außer zwei Eckbälle herauszuholen. Rashford war Hodgsons letzter Schuss, und der ging daneben.

Vielleicht hatte der Trainer geahnt, dass sein Team im Turnier Probleme bekommen würde. Durch die Qualifikation waren die "Three Lions" makellos marschiert, mit zehn Siegen in zehn Spielen. Doch schon die Vorrunde, die England mit zwei Unentschieden und einem Sieg beendete, lief nicht wie gewünscht. Für die hochgelobte Mannschaft reichte es nur zum zweiten Platz in der Gruppe B, die mit Wales, Russland und der Slowakei eher schwach besetzt war.  

England hielt dem Druck nicht Stand

Offensichtlich war das Team nicht in der Lage, dem Druck und den Erwartungen in der Heimat standzuhalten.  Der Trainer muss das gespürt haben und war seinerseits nicht in der Lage, den Druck zu nehmen. Ein Coach, der vor einem K.o.-Spiel eine Rücktrittserklärung vorbereitet, glaubt nicht wirklich an seine Mannschaft. Vielleicht ist das der eigentliche Grund für die historische Blamage.

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