VG-Wort Pixel

Erste Runde gespielt Titelanwärter oder Rohrkrepierer? So steht es um die Form der EM-Favoriten

Durchs Tornetz gesehen: Neuer liegt am Boden, Hummels ist kosterniert, Hernandez jubelt
Manuel am Boden. Mats Hummels hat gerade unabsichtlich den Ball zum 1:0 für Frankreich ins eigene Tor befördert. So kann man nicht Europameister werden. 
© Federico Gambarini / DPA
Bei der EM haben nun alle Teams einmal vorgespielt. Wie steht es um die Titelanwärter? Wer hat enttäuscht, wer hat die Erwartungen erfüllt und von wem ist vielleicht noch mehr zu erwarten? Ein kurzer Check der EM-Favoriten.

Spieltag eins bei der Fußball-Europameisterschaft ist vorbei, alle Teams haben eine erste Kostprobe ihres Könnens abgegeben. Und dabei konnten selbst von den Favoriten nicht alle Mannschaften überzeugen. Ein kurzer Form-Check.

Frankreich

Das 1:0 im Duell der beiden vergangenen Weltmeister gegen Deutschland war ein guter Start. Und dennoch wohl nur ein Vorgeschmack auf das, was da noch kommen soll. Denn die Franzosen haben eindeutig noch Luft nach oben. Bei zwei Abseitstoren gegen das DFB-Team deutete die Équipe tricolore ihre Offensivstärke eindrucksvoll an. Zudem hatten Pogba, Mbappé und Co. das Spiel jederzeit im Griff. Frankreich ist und bleibt der Top-Favorit.

Erste Runde gespielt: Titelanwärter oder Rohrkrepierer? So steht es um die Form der EM-Favoriten

Deutschland

Taktisch gut und mit Leidenschaft gespielt gegen Frankreich, aber offensiv noch ohne Durchschlagskraft. Will die deutsche Mannschaft die K.o.-Runde erreichen, ist eine Steigerung schon gegen Portugal unbedingt notwendig. Dass Bundestrainer Joachim Löw eine Gruppe hervorragender Fußballer beisammen hat, steht außer Frage. Bisher vermisst wurden aber zwingende Abläufe, die den Gegner auch mal überraschen. Löw will nach der Auftakt-Pleite "einige Dinge aufarbeiten" und seine Lehren ziehen. Gedanken an den Titel sollten die Deutschen (vorerst?) nicht verschwenden. 

Italien

Der EM-Start ist mit dem 3:0 im Eröffnungsspiel gegen die allerdings schwache Türkei perfekt gelungen, die Euphorie seither groß. Das Achtelfinale wollen die Azzurri schon im zweiten Spiel gegen die Schweiz perfekt machen, sogar den Titel hält man im Land des viermaligen Weltmeisters für möglich. Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg. Schon die Schweizer werden der seit langem ungeschlagenen Truppe von Coach Roberto Mancini mehr abverlangen als die Türkei. Neu ist, dass Italien das Offensivspiel für sich entdeckt hat. Das erzeugt Begeisterung und nährt Hoffnungen, doch wer wüsste beste als Italien: Turniere gewinnt man mit einer starken Defensive.

Spanien

Das ist noch nicht titelreif. Bei weitem nicht. Kicken können sie ja, zweifelsfrei. Aber Tore schießen? Schweden entnervte die Spanier mit einer destruktiven Taktik. Chancen hatten die Spanier, den Ball sowieso die meiste Zeit. Effektivität aber gleich Tore: null. Selbst der Heimvorteil wirkte nicht. Beunruhigt sind sie noch nicht. Aber die Torflaute muss schnell beendet werden, soll nicht auch das Turnier für Spanien bald schon wieder vorbei sein. Allerdings ist längst nicht jede Mannschaft in der Lage, soviel Beton anzurühren wie es die Schweden taten. Wer wüsste das besser als die deutsche Elf seit dem historischen 0:6 vom November 2020.

Portugal

Der Titelverteidiger spielt noch nicht auf höchstem Niveau. Das 3:0 gegen Ungarn klingt zwar deutlich, war aber keineswegs souverän. Mehr als 80 Minuten lang bot der Außenseiter dem Favoriten die Stirn. Doch zur Erinnerung: Beim Titelgewinn vor fünf Jahren mogelte sich die Truppe von Coach Fernando Santos mit drei Unentschieden in die K.o.-Runde. Rekordmann Cristiano Ronaldo ist der entscheidende Mann: Läuft es bei ihm, läuft es für Portugal. 

Belgien

Die Nummer 1 der Weltrangliste will endlich einen vorzeigbaren Titel. Der Auftakt des Topteams ist gelungen. Torjäger Lukaku aber ist mit zwei Toren beim 3:0 gegen Russland schon wieder in absoluter Topform. Die Gruppe dürften die Red Devils locker überstehen. Danach hängt es auch davon ab, in welcher Form sich der zunächst als Joker eingesetzte Eden Hazard präsentiert. De Bruyne und Witsel stehen zudem kurz vor der Rückkehr. Kommt die Truppe rechtzeitig in Fahrt, ist sie ein heißer Titelanwärter.

England

England träumt. Sterlings 1:0-Siegtreffer gegen Vize-Weltmeister Kroatien ließ das Wembley-Stadion für wenige Sekunden beben. Bis zu sechs Spiele inklusive Finale könnten die Three Lions in Londons Fußball-Tempel absolvieren. Kein Team genießt einen größeren Heimvorteil. Die Mannschaft ist jung und talentiert. Und das Land sehnt sich danach, nach 55 Jahre dem einzigen WM-Titel endlich mal wieder einen Pott an Land zu ziehen. Mit Frankreich oder Belgien scheinen sie jedoch nicht auf Augenhöhe zu sein.

Niederlande

Der EM-Start ist in einem umkämpften Match gelungen, insbesondere offensiv überzeugte das Oranje-Team um den starken Georginio Wijnaldum, der nach der EM für Paris Saint-Germain spielen wird. Defensiv gab es im ersten Spiel gegen die Ukraine noch ein paar Wackler, an denen Trainer Frank de Boer mit seiner hungrigen Mannschaft arbeiten muss. Mindestens der Einzug ins Achtelfinale sollte aber in der aktuellen Form gelingen.

dho / tkr DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker