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EM-Qualifikation gegen Kasachstan Klose rettet seine Party


Beim 4:0-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft im EM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan drohte die Stimmung in der zweiten Hälfte zu kippen.
Von Klaus Bellstedt, Kaiserslautern

Schreibt uns den Miro nicht so stark, sonst können wir uns den nicht mehr leisten!" Der Ratschlag des Parkplatzwächters auf dem Betzenberg in Kaiserslautern an eine Gruppe von Nationalmannschaftsjournalisten war deutlich. Dem Dialekt nach war der Mann ein Ur-Pfälzer - und auch deshalb natürlich Fan von Miroslav Klose, dem ehemaligen Spieler des 1. FC Kaiserslautern.

Seitdem der DFB-Stürmer in einem Interview hat durchblicken lassen, dass er sich mit der Reservistenrolle bei den Bayern nicht mehr zufrieden geben und die Münchener nach Auslaufen seines Vertrages im Sommer notfalls auch verlassen will, träumt die Pfalz von der Rückkehr des verlorenen Sohnes. Und auch Klose tut das irgendwie. "Ich habe immer wieder betont, dass ich mir vorstellen kann, meine Karriere beim FCK zu beenden", sagte er vor dem Spiel gegen Kasachstan. Mit solchen Aussagen befeuert er die Hoffnungen - zumal es in Kaiserslautern schon im vergangenen Jahr Pläne für eine Rückkehr Kloses gab.

Wie sehr der Angreifer, der 40 Kilometer vom Betzenberg entfernt im kleinen Örtchen Blaubach-Diedelkopf aufwuchs, an seiner Heimat hängt, davon konnte man sich in dieser Woche auch auf einer DFB-Pressekonferenz in Mainz überzeugen. Auf die Frage, was ihm denn bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte so durch den Kopf gehen werde, reagierte Klose überraschend emotional. Er musste schlucken. Aber er scherzte auch: Die Hälfte der knapp 50.000 Tickets im Fritz-Walter-Stadion habe er beim DFB für seine Familie und für Freunde reserviert.

Bastian Schweinsteiger erwies sich als Party-Crasher

Die Partie gegen Kasachstan, die Deutschland letztlich ziemlich locker mit 4:0 für sich entscheiden konnte, sollte dann auch wirklich seine Party werden. Wie passend, dass Klose nicht nur zwei Tore, sondern an diesem Abend auch sein zehnjährigen Dienstjubiläum in der Nationalmannschaft feiern konnte.

Schon nach drei Minuten erlebte die Klose-Party ihren ersten Höhepunkt, als der 32-Jährige in bester Torjäger-Manier einen Schweinsteiger-Freistoß per Abstauber ins Tor beförderte. Die La-Ola-Welle schwappte durch die Arena. Der Rest des Spiels ist schnell erzählt. In der ersten Halbzeit wurden die Zuschauer von Spielmacher Mesut Özil & Co. mit temporeichem Offensivfußball beglückt. Thomas Müller legte nach der Führung von Miroslav Klose per Doppelpack nach. Nach dem Wechsel stellten die meisten Nationalspieler dann allerdings ihre Bemühungen ein. Man wollte ganz offensichtlich Kräfte für den Saisonendspurt sparen - was gegen die völlig ungefährlichen Kasachen irgendwie auch verständlich war.

Oberster Party-Crasher auf dem Klose-Volksfest war dabei Bastian Schweinsteiger. Der Bayern-Profi spulte ein lustloses Programm runter, produzierte viele Fehlpässe - und wurde vom kritischen Pfälzer Publikum, das mit zunehmender Spieldauer unzufriedener wurde, bei seiner Auswechslung ausgebuht. Schweinsteiger nahm das den Fans hinterher übrigens genauso übel wie Bundestrainer Joachim Löw ("Die Pfiffe empfand ich als negativ") oder auch Sami Khedira ("So etwas gehört sich nicht").

Als es ob der deutschen Passivität auf den Rängen langsam begann, richtig ungemütlich zu werden, rettete - natürlich - der Betze-Bub die Stimmung. Auf Zuspiel von Sami Khedira schob Miro Klose kurz vor Schluss den Ball ins leere Tor. Danach war Schluss - und die Fans klatschten wieder. Streng genommen klatschen sie aber nur für einen: für den Stürmer aus der Pfalz. Klose hatte mit seinen zwei Treffern seine eigene Party gerettet.

Klose jagt Müllers Tor-Rekord

Miroslav Klose ist ein Phänomen. Wann immer er Nationaltrikot überstreift, erfindet er sich als Stürmer neu. Ob in Qualifikations- oder Testspielen, bei Europa- oder Weltmeisterschaften, es scheint so, als würde vom Anpfiff weg ein anderer Klose auf dem Platz stehen als im Verein. Bei den Bayern verkommt er auf der Bank. Seine Freude über die Kurzzeiteinsätze hält sich in Grenzen. Anders beim DFB: Es ist der Respekt, den man ihm in der Nationalmannschaft entgegen bringt, der Klose so aufblühen lässt; der Respekt und das besondere Vertrauensverhältnis zu Joachim Löw. "Solange er trifft, ist es klar, dass er bei mir spielt", sagte Joachim Löw nach dem 4:0 von Kaiserslautern. Kloses Tore sehen so einfach aus - weil er sie so einfach erzielt, auch gegen Kasachstan.

61 Länderspieltore in 107 Spielen, die Bilanz des Stürmers im Trikot der Nationalmannschaft ist sagenhaft. Acht Tore fehlen Klose noch, um Gerd Müller in der ewigen Bestenliste des DFB zu überholen. "Wenn ich jetzt schon soweit gekommen bin, will ich auch ganz nach vorn in dieser Wertung", sagte Klose und ergänzte noch schnell: "Ich hab schon mit Gerd gesprochen, er ist nicht böse, wenn ich ihm den Rekord wegnehme." Zwölf Tore hat der souveräne Tabellenführer Deutschland bei seinen fünf Siegen in der laufenden EM-Qualifikation schon geschossen, allein acht Treffer steuerte Klose dazu bei. Dieser Stürmer ist noch lange nicht am Ende seiner Karriere. Mit dem richtigen Trainer kann er immer noch auf höchstem Niveau Fußball spielen. Der Parkplatzwächter schaute nach der Partie denn auch leicht bedröppelt aus seiner neongelben Sicherheitsweste: "Ist für uns wohl doch nicht zu bezahlen, der Miro."

Kann man so sehen.


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