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EM-Spielorte 2020: DFB würde wohl das Finale ausrichten, aber...

Die EM 2020 wird eine ganz besondere. Sie wird in ganz Europa stattfinden. Am Mittag werden die Ausrichtungsorte bekanntgegeben, das Finale könnte nach München gehen. Der DFB will das aber gar nicht.

Als die Entscheidung im Dezember 2012 verkündet wurde, war die Aufregung groß: Die Fußball-Europameisterschaft 2020 wird die erste paneuropäische der Geschichte. Sie soll auf dem gesamten Kontinent stattfinden, in 13 Ländern. 19 Verbände insgesamt haben sich mit je einer Stadt um Spiele beworben, für Deutschland geht die Allianz Arena in München an den Start. Dort könnte sogar das Finale steigen - doch der DFB überlegt, zurückzuziehen. Am Freitag (13 Uhr) verkündet Uefa-Boss Michel Platini in Genf die Ausrichterländer und die Finalstadt.

Warum überhaupt eine paneuropäische EM?

Die Idee stammt von UEFA-Präsident Michel Platini. Der Franzose will damit das Jubiläum der Europameisterschaft feiern. Die erste EM fand 1960 in Frankreich statt.

Wie werden die Ausrichterstädte bestimmt?

13 Verbände bekommen je drei Vorrundenspiele sowie ein Achtel- oder Viertelfinale. Deutschland und England sind die beiden einzigen Länder, die außerdem um das Finalpaket mit den beiden Halbfinals und dem Endspiel konkurrieren. Das Finale 2020 wird also in London oder München stattfinden. Die Entscheidung über alle Ausrichterländer und den Finalort trifft das Exekutivkomitee der Uefa. Außer Michel Platini gehören dem Gremium 16 weitere Mitglieder an, auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist dabei. Die Abstimmung findet geheim statt.

Warum bewirbt sich Deutschland ausgerechnet mit München?

Außer München mit der Allianz Arena war bei der nationalen Bewerbung auch Berlin mit dem Olympiastadion bis zum Schluss dabei. Der DFB entschied sich am Ende aber wohl auch deswegen für München, weil Berlin bereits bei der WM 2006 Austragungsort des Endspiels war.

Wie groß sind die Chancen auf ein Finale in Deutschland?

Tatsächlich wird das Finale 2020 wahrscheinlich nicht in München, sondern in London stattfinden - weil der DFB nicht mehr will. Dessen großes Ziel ist es, stattdessen die komplette Europameisterschaft vier Jahre später auszurichten. Da die Uefa wohl kaum sowohl das Enspiel 2020 als auch das Turnier 2024 an das gleiche Land vergibt, erwägt der Verband, seine Bewerbung um die Finalspiele 2020 zurückzuziehen. Aber nur, wenn es klare Signale gibt, dass Deutschland dafür den Zuschlag für 2024 bekommt.

"Unser größter Wunsch ist, die gesamte EM 2024 in Deutschland auszurichten", machte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in den vergangenen Tagen deutlich. Es gilt daher, den Engländern die Zusage abzuringen, kein Interesse an der Komplett-EM 2024 zu zeigen, wenn sie dafür vier Jahre zuvor die Finalrunde ausrichten dürfen. Auf der DFB-Homepage wird das Londoner Wembley-Stadion daher auch unverblümt als "Favorit für die Finalrunde" bezeichnet. Als sicher gilt, dass Deutschland den Zuschlag für drei Vorrundenspiele und ein Achtel- oder Viertelfinale erhält. Dann würden zwei Gruppenspiele der deutschen Mannschaft definitiv in München stattfinden.

Diese Verbände haben sich beworben:

Aserbaidschan mit Baku (Olympiastadion, 69.870 Plätze)
Belgien mit Brüssel (Eurostadion, 62.613 Plätze)
Bulgarien mit Sofia (Nationalstadion, 33.621 Plätze)
Dänemark mit Kopenhagen (Parken-Stadion, 38.190 Plätze)
Deutschland mit München (Allianz Arena, 70.067 Plätze)
England mit London (Wembley-Stadion, 90.652 Plätze)
Irland mit Dublin (Dublin Arena, 51.711 Plätze)
Israel mit Jerusalem (Teddy Stadion, 32.000 Plätze)
Italien mit Rom (Olympiastadion, 68.993 Plätze)
Mazedonien mit Skopje (National Arena Philip II, 32.483 Plätze)
Niederlande mit Amsterdam (Amsterdam Arena, 53.052 Plätze)
Rumänien mit Bukarest (National Arena, 54.851 Plätze)
Russland mit St. Petersburg (Zenit Arena, 61.251 Plätze)
Schottland mit Glasgow (Hampden Park, 51.472 Plätze)
Schweden mit Stockholm (Friends Arena, 50.653 Plätze)
Spanien mit Bilbao (San Mamés Stadion, 53.289 Plätze)
Ungarn mit Budapest (Puskás Ferenc Stadion, 68.156 Plätze)
Wales mit Cardiff (Millennium Stadium, 74.154 Plätze)
Weißrussland mit Minsk (Dinamo Arena, 35.000 Plätze)

Wird das Turnier in allen Regionen Europas ausgerichtet?

Die 19 Bewerber werden in sechs bis acht geografische Zonen eingeteilt, die jeweils mindestens zwei Spielorte umfassen. So sollen alle Regionen berücksichtigt und den Teams und Zuschauern weite Reisen erspart werden.

Gibt es auch Kritik an einer paneuropäischen EM?

Anfangs wurde die Idee Platinis belächelt, inzwischen hat sie die viele Kritiker überzeugt. Die Befürworter des Formats loben, dass so auch kleinere Länder wie Aserbaidschan, Ungarn oder Wales die Chance bekommen, zumindest teilweise eine EM zu veranstalten. Selbst der zunächst skeptische Niersbach bezeichnet den Plan inzwischen als "sehr reizvoll". Gegner des Konzepts fürchten jedoch, dass keine gemeinsame Turnierstimmung aufkommen wird und es stattdessen 13 isolierte Veranstaltungen gibt.

car/DPA / DPA

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