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EURO 2004: Rooney lässt England weiter träumen

Durch ein starkes 4:2 gegen Kroatien zieht England ins Viertelfinale ein und trifft dort auf Portugal. Wayne Rooney war mit zwei Toren der überragende Mann des Abends.

Dank Wunder-Stürmer Wayne Rooney ist Möchtegern- Europameister England dem ersten internationalen Titel seit dem WM- Gewinn vor 38 Jahren wieder ein Stück näher gekommen. Das Team aus dem Mutterland des Fußballs gewann am Montag zum Vorrunden-Abschluss in Lissabon mit 4:2 (2:1) gegen Kroatien und zog als Zweiter der Gruppe B hinter Frankreich ins EM-Viertelfinale ein, wo am Donnerstag Gastgeber Portugal der Gegner sein wird.

Vor 62 000 Zuschauern im Estadio da Luz verabschiedeten David Scholes (40.), der überragende Rooney (45.+1/68.) mit seinen Turnier-Toren Nummer drei und vier sowie Frank Lampard (79.) die Kroaten aus dem Wettbewerb und deren Trainer Otto Baric in den Ruhestand. Niko Kovac vom Bundesligisten Hertha BSC (5.) und Ivan Tudor (73.) trafen im bisher torreichsten Spiel der EURO 2004 für den WM-Dritten von 1998.

Englischer Kampfgeist

Durch Kovac’ Blitztor ließen sich die Engländer, deren Fans schon lange vor Spielbeginn Siegesgesänge angestimmt hatten, nur für kurze Zeit aus dem Rhythmus bringen. Dann antworteten sie mit energischen Angriffen und kamen dank ihrer besten Turnierleistung zu einem auch in dieser Höhe verdienten Erfolg.

Wayne Rooney, der inzwischen sogar David Beckham von den Titelseiten der Gazetten verdrängt hat, bewies eindrucksvoll, dass er nicht nur als Vollstrecker, sondern auch als intelligenter Vorbereiter wertvoll für das Team von Sven-Göran Eriksson ist. Während Beckham auf der rechten Seite nahezu wirkungslos blieb, riss der 18-jährige Jungstar im Zusammenspiel mit Scholes das Steuer für die "Löwen" herum.

Doppelschlag durch Rooney

Nachdem der in der Heimat heftig kritisierte Michael Owen am kroatischen Keeper Tomislav Butina gescheitert war, leitete Rooney den abprallenden Ball blitzschnell auf Scholes weiter, der zum 1:1 einköpfte. Sechs Minuten später war der Schlussmann gegen den wuchtigen 22 m-Schuss des Angreifers vom FC Everton ohne jede Abwehrchance, der die Engländer mit der psychologisch wichtigen Führung in die Kabine gehen ließ. Nach 68 Minuten folgte der nächste spektakuläre Auftritt von Rooney, der von der Mittellinie aus loszog und auch dem herausstürzenden Butina keine Chance ließ. Mit donnerndem Applaus wurde der 18-Jährige verabschiedet, als er in der 72. Minute für Darius Vassell Platz machte.

Kroaten gaben nie auf

Selbst die unfreiwillige Mithilfe des englischen Torhüters David James konnte den Kroaten nicht zum erstmaligen Einzug in ein EM- Viertelfinale seit 1996 verhelfen. Als der Keeper einen Schuss des Stuttgarters Boris Zivkovic aus kurzer Distanz nur abklatschen konnte, reagierte Niko Kovac schneller als Abwehrspieler John Terry und drückte den Ball schon nach fünf Minuten über die Linie. Der Treffer schien dem Spiel der Kroaten, denen die überzeugende zweite Halbzeit gegen Frankreich das Vertrauen in die eigene Stärke zurückgegeben hatte, weitere Sicherheit zu geben.

Der WM-Dritte von 1998 überzeugte in dieser Phase durch Cleverness und mannschaftliche Geschlossenheit. Tomo Sokota (26.) und Dado Prso (38.) vergaben die Gelegenheiten, den Vorsprung für das Team des 71- jährigen Baric sogar auszubauen. Doch erst einmal in Rückstand geraten, hatte die erneut ohne den Bremer Double-Gewinner Ivan Klasnic spielende Elf vom Balkan nicht mehr viel zuzusetzen. Zwar gelang Tudor per Kopfball noch einmal eine Resultatsverbesserung, doch dann stellte Lampard mit seinem zweiten Turnier-Treffer den alten Abstand wieder her.

Gerd Münster, DPA / DPA

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