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Europa League Hannover bezwingt den FC Sevilla


19 Jahre war Hannover 96 international nicht mehr vertreten, nun reichte ein Spiel, um in Europa auf sich aufmerksam zu machen. Die Niedersachsen besiegten den favorisierten FC Sevilla mit 2:1 und dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf den Einzug in die Gruppenphase der Europa League machen.

Hannover 96 hat sich mit einem 2:1-Sieg gegen den FC Sevilla auf der europäischen Bühne zurückgemeldet. 19 Jahre nach dem letzten Europapokalauftritt überzeugten die Roten vor allem in der ersten Halbzeit mit einer bärenstarken Vorstellung. 

Jan Schlaudraff ließ die Niedersachsen mit zwei Toren jubeln (6./45.), für den zwischenzeitlichen Ausgleich hatte Frederic Kanouté (37.) gesorgt. Trotz des ärgerlichen Gegentreffers hat Hannover im Rückspiel in der kommenden Woche eine gute Chance, den Einzug in die Gruppenphase der Europa League perfekt zu machen. 

Hannover 96 gefiel sich vor der Partie in der Rolle des ambitionierten Außenseiters, schließlich reisten die Gäste mit Stars wie Frederic Kanouté, Alvaro Negredo oder Jesus Navas an. Respekt, aber keine Angst - so lautete das Motto der Niedersachsen, die mit dem Selbstbewusstsein von drei Siegen im Rücken und dem Wissen aufliefen, dass die Spanier noch kein Pflichtspiel in dieser Saison absolviert hatten.

Überfall auf Sevilla

Diesen Vorteil wollten die Roten nutzen und gönnten dem Gegner von Beginn an keine Ruhe. Die Mannschaft von Mirko Slomka brachte den Gegner mit den inzwischen schon gewohnten und gefürchteten blitzschnellen Angriffen immer wieder in Verlegenheit. Der erste Versuch von Mohammed Abdellaoue über die linke Seite wurde von Sevillas Keeper Andres Palop noch geklärt (4.), doch schon der zweite Angriff saß.

Vor dem eigenen Sechzehner wurde der Ball erobert. Es folgte der lange Ball in die Spitze, über Umwege landete die Kugel bei Abdellaoue, der sogleich auf Jan Schlaudraff weiterleitete. Der 28-Jährige drang in den Strafraum ein und vollendete mit viel Übersicht ins kurze Eck zum 1:0 (6.). Die 44.000 Zuschauer waren völlig aus dem Häuschen und hatten sich noch nicht beruhigt, da scheiterte Konstantin Rausch nach feinem Zuspiel von Abdellaoue an Keeper Palop (9.).

Sevilla schien geschockt und ob der brandgefährlichen Gegenstöße der Niedersachsen auch ein wenig verunsichert. Für ein erstes offensives Signal sorgte der Ex-Hamburger Piotr Trochowski mit einem Direktschuss, der über das Tor strich (11.). Trochowski spielte bei Sevilla als einer von zwei Sechsern und konnte sich in dieser Rolle immer wieder gefällig in den Spielaufbau einschalten.

Ein Patzer wird bestraft

Dennoch blieb bei den Gästen zunächst vieles Stückwerk. Vielmehr konzentrierten sie sich darauf, hinten die Räume eng zu machen, um Hannover den Spaß am Kontern zu nehmen. Das klappte Mitte der ersten Hälfte deutlich besser, allein nach vorne entfaltete Sevilla kaum ernsthafte Gefahr. Erst nach einer halben Stunde nahm die Partie wieder Fahrt auf und Hannover lud die Gäste zu ersten Chancen ein.

Zunächst stand Karim Haggui zu weit weg von Alvaro Negredo und der Angreifer zog aus 17 Metern sofort ab. Emanuel Pogatetz fälschte die Kugel noch ab und Torwart Ron-Robert Zieler konnte froh sein, dass der Ball an den Pfosten klatschte (31). Auf der anderen Seite folgte der nächste tolle Angriff der Hausherren, dieses Mal über die rechte Seite von Lars Stindl. Seine Flanke nahm Abdellaoue direkt, doch Palop parierte glänzend (34.).

Es sollte noch schlimmer kommen, den statt der möglichen Zwei-Tore-Führung gab es plötzlich den 1:1-Ausgleich. Ein katastrophaler Fehlpass von Steven Cherundolo vor dem eigenen Strafraum brachte Sevilla in Ballbesitz. Über Kanouté, Coke und Negredo landete die Kugel wieder bei Kanouté der nur noch ins leere Tor einschieben musste.

Schlaudraff, Schmiedebach, Schlaudraff - Tor!

Zahlte Hannover nun Lehrgeld gegen einen ausgebufften Gegner? Weit gefehlt, die Roten antworteten noch vor der Pause mit dem nächsten Bilderbuch-Angriff. Schlaudraff trug den Ball auf der linken Seite nach vorne und zog nach innen. Ein kurzer Doppelpass mit Manuel Schmiedebach brachte ihn im Strafraum in Schussposition und Schlaudraff vollstreckte auch dieses Mal eiskalt zum 2:1 (45.).

Das Geschehen änderte sich in der zweiten Halbzeit. Sevillas Trainer Marcelino hatte seiner Mannschaft ganz offensichtlich eingeimpft, viel dominanter aufzutreten. Er selbst unterstützte diese Forderung mit der Einwechslung von Diego Perotti, der auf der linken Offensivseite den völlig abgemeldeten Emiliano Armenteros ersetzte.

Sevilla mit mehr Initiative

Sevilla hatte nun deutlich mehr Spielanteile und verlagerte das Geschehen in die Hälfte von Hannover 96. Die Niedersachsen ließen den Gegner gewähren in der Hoffnung, eigene Konter setzen zu können. Dazu sollte es jedoch kaum kommen, da die Spanier in der Rückwärtsbewegung sehr aufmerksam waren und 96 seinerseits die Präzision im Passspiel vermissen ließ.

Die beste Möglichkeit zum Ausgleich hatte Kanouté in der 55. Minute. Navas hatte sich auf der rechten Seite durchgesetzt und mit seiner Flanke den Kopf des Angreifers gefunden. Zieler klärte jedoch reaktionsschnell zur Ecke.

Ein Schuss von Pinto, das war's

Von Hannover war lange Zeit nicht mehr viel zu sehen. Mirko Slomka reagierte in der 75. Minute und brachte mit Didier Ya Konan für Jan Schlaudraff eine frische Offensivkraft. Und tatsächlich wurden die Roten wieder etwas agiler. Zweimal hintereinander sorgte Konstantin Rausch zuerst über rechts dann über links für Betrieb - beide Male fand er jedoch keine Lücke zum Abschluss oder einen freien Mitspieler.

Da es spielerisch nicht mehr klappte, fasste sich Sergio Pinto wenig später mit einem Distanzschuss ein Herz, doch der Ball strich haarscharf am Kasten von Palop vorbei (79.). So musste Hannover noch bis zum Schlusspfiff zittern, ernsthaft in Gefahr geriet der Gastgeber aber nicht mehr. 

Trainer Mirko Slomka durfte mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden sein, vor allem in der ersten Halbzeit lieferte Hannover eine ganz starke Leistung ab. Einzig der Gegentreffer nach einem überflüssigen Fehler von Cherundolo trübte den gelungenen Abend. Sollte Hannover im Rückspiel seine Konterstärke wie gewohnt zur Entfaltung bringen, ist der Einzug in die Gruppenphase auf jeden Fall drin. Sevilla jedenfalls wird gewarnt sein. 

Lars Ahrens

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