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Champions-League-Auftakt Luft für Trainer Tedesco wird dünner: Leipzig blamiert sich – BVB siegt souverän

Domenico Tedesco
Wie lange kann sich Domenico Tedesco noch als Trainer bei RB Leipzig halten?
© Odd Andersen / AFP
Zum Saisonstart der Fußball-Champions-League hat der BVB soueverän gegen den FC Kopenhagen gewonnen. Für RB Leipzig gab's dagegen eine Klatsche.

Jubel im Westen, Enttäuschung im Osten. Am 1. Spieltag der Fußball-Champions-League-Saison gaben die deutschen Vertreter ein uneinheitliches Bild ab. Der BVB top, RB Leipzig flop. Die Spielberichte:

RB Leipzig vs. Schachtjor Donezk 1:4

it dem nächsten desolaten Auftritt hat RB Leipzig einen Fehlstart in die Champions League hingelegt – Trainer Domenico Tedesco gehen die Argumente aus. Der Pokalsieger verlor zum Auftakt der Fußball-Königsklasse mit 1:4 (0:1) gegen den ukrainischen Meister Schachtjor Donezk und verpasste den fest eingeplanten Sieg deutlich. Die Tore von Marian Schwed (16. Minute/59.), Mychajlo Mudryk (76.) und Lassina Traoré (76.) schockten den Großteil der 41.591 Fans. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Mohamed Simakan (57.) hielt nicht einmal zwei Minuten. Die Bundesligapartie am Samstag gegen Borussia Dortmund könnte schon ein Endspiel für Tedesco werden.

Die Profis des vom Krieg geplagten ukrainischen Clubs feierten ihren emotionalen Sieg in Leipzig euphorisch, für Schachtjor war es das erste internationale Pflichtspiel seit der russischen Invasion. In der heimischen Liga wird ohne Publikum und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen gespielt.

Schon die Leipziger Generalprobe beim 0:4 in Frankfurt war ordentlich misslungen. "Der Trainer kann auch nichts dafür, wenn gar keine Laufbereitschaft vorhanden ist, und die Zweikampfbereitschaft total fehlt", hatte Clubchef Oliver Mintzlaff kurz vor dem Anpfiff bei DAZN gesagt - und Besserung sowie eine "Reaktion" gefordert.

Im für Tedesco ungewöhnlichen 4-4-2-System zeigte sich Leipzig zumindest in den ersten Minuten stabiler, aber nicht deutlich besser. Spielmacher Emil Forsberg saß überraschend zu Beginn auf der Bank, für den verletzten Dani Olmo spielte stattdessen Dominik Szoboszlai. Neuzugang Abdou Diallo kam zu seinem Debüt. Christopher Nkunku scheiterte früh an Schachtjor-Torwart Anatolij Trubin (12.), Nationalspieler Timo Werner entwickelte in der ersten Halbzeit auf der linken Seite kaum Gefahr.

Die Ukrainer waren für den Bundesligisten schwer einzuschätzen gewesen. Infolge des Angriffs der russischen Streitkräfte haben nahezu alle ausländischen Profis den Club verlassen, der neue Trainer Igor Jovicevic kam im Juli. Im Gästeblock feierten 700 Donezk-Fans das Führungstor nach einem folgenschweren Abspielfehler von Peter Gulacsi weit vor dessen Strafraum. Schwed luchste dem Torwart gedankenschnell den Ball ab und traf ins leere Tor.

RB tat sich schwer, den Rückschlag zu verarbeiten. Die Leipziger blieben das augenscheinlich überlegene Team, erspielten sich aber zu lange keine zwingenden Chancen und waren viel zu einfach zu verteidigen. Tedesco stand zeitweise stoisch an der Seitenlinie, Versuche wie von André Silva in der 29. Minute wirkten überhastet. Immerhin hatte der Bundesligist in dieser Phase auch keine Mühe mit der Gästeoffensive - das Jovicevic-Team musste allerdings auch nicht mehr tun.

In der zweiten Halbzeit - jetzt mit dem eingewechselten Nationalspieler David Raum - entwickelte sich zunächst das erwartete Spiel auf ein Tor. RB setzte Schachtjor früh unter Druck, Werner rückte mehr ins Zentrum. Simakan belohnte das Anrennen nach Vorlage von Szoboszlai - fast unmittelbar nach dem Wiederanpfiff erzielte Schwed aber sein zweites Tor. Willi Orban fälschte den Schuss des 25-Jährigen unhaltbar ab, die Schachtjor-Profis rannten jubelnd zu ihrem Trainer.

Gut zwanzig Minuten vor dem Ende wechselte Tedesco doppelt, Forsberg und Benjamin Henrichs kamen für Werner und Xaver Schlager. Die nächsten Tore kamen aber wieder von Donezk. Mudryk schloss einen Konter mustergültig ab. Traoré sorgte endgültig für die Entscheidung.

BVB vs. FC Kopenhagen 3:0

Auf der Tribüne freute sich Sébastien Haller über den erfolgreichen Start in die Champions League, auf dem Rasen ließen sich die Profis von Borussia Dortmund von der Südtribüne feiern. Dank des 3:0 (2:0)-Pflichtsiegs gegen Außenseiter FC Kopenhagen verschaffte sich der BVB ein Polster für die nun anstehenden Auswärtsspiele bei Manchester City und dem FC Sevilla. "Ich freue mich in erster Linie, dass wir dieses Must-Win-Spiel gewonnen haben", sagte Kapitän Marco Reus bei Amazon Prime Video. "Wir wissen aber auch, dass wir uns steigern müssen nächste Woche gegen City, weil da ist eine andere Qualität auf dem Platz."

Alle Statistiken und Tabellen zum ersten Spieltag der Champions League finden Sie hier

Vor der imposanten Kulisse von 70.700 Zuschauern im Signal Iduna Park, wo erstmals seit 1998 wieder Stehplätze zugelassen waren, sorgten der starke Reus (35.), Raphaël Guerreiro (42.) und Jude Bellingham (83.) für den verdienten Erfolg. Darüber war auch Neuzugang Haller froh, der nach seiner Tumor-Operation auf der Tribüne saß und den die Fans mit Ovationen empfingen. "Als wir eingelaufen sind vor dem Spiel, hat man ihn auf dem Bildschirm gesehen, da habe ich Gänsehaut bekommen", sagte Reus.

Trotz immer größer werdender Verletzungssorgen kontrollierten die Dortmunder das Spiel. Schon früh in der Saison muss der BVB gleich fünf Offensivspieler ersetzen, weil gegen die Dänen auch noch Thorgan Hazard wegen Oberschenkelproblemen (23.) raus musste. Selbst Stammtorwart Gregor Kobel fällt wegen eines Muskelfaserrisses zunächst aus, sein Vertreter Alexander Meyer wurde bei seinem Königsklassen-Debüt aber nur einmal richtig gefordert. "Ich finde, dass wir eine super Leistung gezeigt haben. Das war ein super Auftakt in unsere Champions-League-Saison", sagte Trainer Edin Terzic.

Zunächst tat sich die Borussia gegen die tief stehenden Gäste noch schwer. Kopenhagen zwang den Bundesliga-Zweiten oft zu Verlagerungen auf die Außenbahnen, gefährlich wurde der BVB von dort aber nicht. Stattdessen sorgte eine Kombination durchs Zentrum für die Führung. Nationalspieler Niklas Süle, für den Mats Hummels auf die Bank musste, leitete den Angriff der Gastgeber stark ein und fand Julian Brandt. Wie schon beim 1:0 gegen Hoffenheim am vergangenen Freitag passte Brandt genial auf Reus, der aus kurzer Distanz vollendete. Und der BVB ließ nicht nach. Ganz im Gegenteil.

Dank aggressiver Zweikampfführung holte sich Guerreiro kurz vor Kopenhagens Strafraum den Ball und leitete ihn weiter auf Giovanni Reyna – der 19-Jährige wiederum legte zurück auf den Portugiesen, der nur noch einschieben musste. "Wir müssen erst mal zeigen, dass uns das gestört hat, was letztes Jahr passiert ist in allen Pokalwettbewerben", hatte Terzic vor dem Anpfiff bei Amazon Prime Video gesagt.

Dass der BVB nicht schon wieder in der Gruppenphase der Königsklasse ausscheiden will, zeigte er tatsächlich. Brenzlig wurde es nur zweimal: In der 1. Minute streifte ein Schuss der Gäste den Außenpfosten, kurz nach der Halbzeitpause wehrte dann Torhüter Meyer in höchster Not gegen Lukas Lerager ab. Wenn sich die Dortmunder etwas vorwerfen konnten, dann nur die erneut schlechte Chancenverwertung.

Auch im zweiten Durchgang ließ der BVB nicht nach und spielte sich zahlreiche gute Gelegenheiten heraus – nutzte aber nur noch eine. Nach einem erneuten Fehler der Dänen im Spielaufbau schaltete Dortmund blitzschnell um und kombinierte sich in den Strafraum. Dort legte wieder Reyna quer – und fand diesmal Bellingham, der für den Endstand sorgte.

FC Bayern, Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen am Mittwoch gefragt

Fortgesetzt wird der erste Spieltag der Champions League an diesem Mittwoch. Europa-league-Siger Eintracht Frankfurt empfängt dabei Sporting Lissabon (18.45 Uhr, live im stern-Ticker und bei Dazn), Bayer Leverkusen tritt um 21 Uhr in Brügge an und der FC Bayern hat zu selben Zeit sein Auswärtsspiel bei Inter Mailand.

wue DPA

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