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Europa League Hannover startet mit Heimremis in Europa League


Europa unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach, wie man weiß. Hannover 96 weiß jetzt auch, dass Raum und Zeit in der Europa League anders funktionieren als in der Bundesliga. Schnell umschalten konnten die Roten gegen Standard Lüttich selten, und viel weniger Platz hatten sie auch. So endete der Auftakt gegen die Belgier 0:0.

Hannover 96 erlebte zum Auftakt in die erste Europa League-Saison seiner Geschichte, wie schwer es gegen gut organisierte Clubs ist, seinen aus der Bundesliga gewohnten Stiefel herunterzuspielen. Gegen ein sehr kompakt verteidigendes Standard Lüttich reichte es so für die Roten nur zu einem 0:0.

Da Mirko Slomkas Mannschaft die Defensive auch nicht ganz aufgeben wollte, regierte bei beiden Teams die Devise "Ein Punkt in der Hand ist besser als der Auftaktsieg auf dem Stadiondach". Mit der einzigen echten Torchance des Spiels traf Jan Schlaudraff kurz vor der Pause die Latte, aber insgesamt sahen 43.000 Zuschauer in der AWD-Arena, darunter Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, ein leistungsgerechtes Unentschieden, das beiden Clubs in der Gruppe B alle Chancen offen lässt. 

Mirko Slomka musste auf den verletzten Christian Schulz verzichten, und da auch Ersatz Christian Pander nicht spielen konnte, rückte Kapitän Steve Cherundolo nach links, rechts spielte Sofian Chahed. Der wieder genesene Mohammed Abdellaoue verdrängte Didier Ya Konan zunächst wieder auf die Bank.

4-4-2 - und wie man in Belgien dagegen spielt

Bei Standard brachte Trainer José Riga in der Innenverteidigung Antonio Pereira dos Santos Kanu an Stelle von Laurent Ciman. Im Mittelfeld spielte Geoffrey Mujangi Bia rechts, zudem kam William Vainqueur für den erkrankten Karim Belhocine, und das Sturmduo aus dem Ligaspiel am Wochenende gegen Westerlo, Mohammed Tchité und Mbaye Leye, musste auf die Bank, und der junge Ivorer Cyriac Gohi Bi gab die einzige echte Sturmspitze, nur gelegentlich von Mujangi Bia unterstützt.

Es ergab sich ein Spiel, wie es Hannover in der vergangenen Saison nicht oft bestreiten musste: Gegen einen tief stehenden Gegner, der meist erst in der eigenen Hälfte angriff und auf Pressing mehr oder minder ganz verzichtete, tat sich das 4-4-2 der Roten schwer damit, Chancen herauszuspielen. Standard verteidigte kompakt und hatte im zentralen Mittelfeld meist Überzahl.

Wenn es überhaupt mal gefährlich wurde, dann meist über die linke Seite, wo Cherundolo gelegentlich mit Konstantin Rausch gut kombinierte. Die einzige wirklich nennenswerte Torchancew der ersten Spielhälfte ergab sich dann aber doch durch die Mitte, als Manuel Schmiedebach einen Steilpass durch die Gasse spielte, Kanu sich verschätzte, so dass Jan Schlaudraff mit einer Körperdrehung an der Strafraumgrenze in Schussposition kam und den Ball an die Querlatte setzte. Abdellaoue versuchte noch, nachzusetzen, aber Verteidiger Felipe rettete stark.

Starke Sechser, armer Pinto

Nach der Pause kam Ya Konan für den möglicherweise doch nicht ganz gesunden Abdellaoue ins Spiel. Gefährlicher wurde 96 allerdings nicht, was vor allem an den sehr disziplinierten defensiven Mittelfeldspielern Standards lag. Vainqueur und Yoni Buyens machten ein starkes Match und nahmen Sergio Pinto mehr oder minder aus dem Spiel. Bei eigenen Kontern ließ die Präzision im Spiel der Belgier aber auch zu Wünschen übrig, so dass Ron-Robert Zieler selten seinen Ruhepuls aufgeben musste.

Standard-Keeper Sinan Bolat war bei hohen Bällen sicher und zeigte auch sonst keine Unsicherheiten, die den Roten in diesem Spiel Chancen ermöglicht hätten, die sich aufgrund der Spielanlage nicht wie sonst gewohnt für 96 ergaben. Für die letzten zehn Minuten gab Mirko Slomka dann sogar seine lieb gewordene Grundordnung auf und brachte mit Moritz Stoppelkamp für Manuel Schmiedebach einen weiteren gelernten Stürmer, auch wenn der eher über die rechte Seite kam.

Es war dann Stoppelkamp, der fast Gelegenheit bekommen hätte, zum ersten Mal Europa an seinem bekannten Stolperjubel teil haben zu lassen, den er in Oberhausen gerne zelebrierte. Aber sein Schuss von der Strafraumgrenze flog in der 83. Minute ganz knapp am langen Pfosten vorbei. So blieb es beim 0:0, und Hannover hat nun drei Tage Zeit, um sich auf das Heimspiel gegen Borussia Dortmund an gleicher Stelle vorzubereiten. Standard spielt am gleichen Tag übrigens auch gegen den Meister, in Genk.

Daniel Raecke

sportal.de sportal

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