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Europa League: Hannover und Schalke ohne übermächtige Gegner

Vorskla Poltava statt Tottenham Hotspur - mit einem lachenden und einem weinenden Auge werden Hannovers Fans die Auslosung zur Europa League zur Kenntnis genommen haben. Trotz geringen Glamourfaktors haben sowohl die Roten als auch Königsblau sehr gute Chancen auf die 2. Runde.

Einen Tag nach der Champions League wurde im Grimaldi-Forum von Monaco auch die Gruppenphase der Europa League ausgelost. Dabei ging es nicht ganz so glamourös zu wie am Vortag, aber die weniger spektakulären Gegner dürften Ralf Rangnick und Mirko Slomka ganz recht sein, bedeuten sie doch für beide Bundesligisten realistische Chancen aufs Weiterkommen.

Schalke 04 trifft nach seinem furiosen 6:1 gegen HJK nun in der Vorrundengruppe J auf Steaua Bukarest, den späteren Gastgeber des Finals der Europa League 2012, das im Nationalstadion der rumänishen Hauptstadt ausgetragen wird. Neben den Schalkern, die als Halbfinalist der Champions League mit dem Anspruch in die Saison gehen müssen, mindestens die Runde der letzten Vier wieder zu erreichen, wird sich also auch der Europacupsieger der Meister von 1986 besonders darum bemühen, das Endspiel zu erreichen. In der Qualifikation setzten sich die Rumänen gegen ZSKA Sofia durch.

Neben Steaua bekam Schalke mit dem israelischen Meister Maccabi Haifa und AEK Larnaca aus Zypern lösbare Aufgaben zugeteilt. Wobei Haifa, das in der Champions League-Qualifikation am belgischen Meister KRC Genk erst im Elfmeterschießen scheiterte, wohl noch den stärkeren Gegner darstellt als die Zyprer, die sich zwar gegen Rosenborg BK in den Playoffs behaupten konnten, ansonsten aber über kaum internationale Erfahrung verfügen.

Hannover kommt glimpflich davon

Hannover 96, das dank seiner Einteilung in Topf 3 durchaus auch eine Gruppe mit Tottenham Hotspur und Udinese hätten erwarten dürfen, darf nach der Einsortierung in Gruppe B mit dem FC Kopenhagen, Standard Lüttich und Vorskla Poltava aus der Ukraine sehr zufrieden sein - zumindest, was die sportliche Aufgabe angeht. Der Glamour-Faktor hätte für die Roten gewiss höher ausfallen können.

Der FC Kopenhagen, in der Vorsaison unter dem jetzigen Kölner Trainer Stale Solbakken noch im Champions League-Achtelfinale, scheiterte in der Champions League-Quali dieser Saison überraschend an Viktoria Plzen. Zudem musste der FCK einen Aderlass der Spieler Willam Kvist (Stuttgart), Oscar Wendt (Mönchengladbach), Zdenek Pospech (Mainz), Mikael Antonsson (Bologna) und Jesper Grönkjaer (Karriereende) verkraften.

Standard Lüttich, einer der traditionsreichsten Clubs Belgiens, war zuletzt vor zwei Jahren im Viertelfinale der Europa League am HSV gescheitert. Als Vizemeister hätten die Rouches eigentlich in der Champions League spielen können, scheiterten aber in der Qualifikationsrunde am FC Zürich, bevor sie die Europa League-Playoffs gegen Helsingborgs IF meistern konnten.

Todesgruppe I

Der dritte Hannoveraner Gegner, Vorskla Poltava, stammt aus einer 300.000-Einwohnerstadt in der Zentralukraine, östlich von Kiew. Zum ersten Mal überhaupt spielen die Grün-Weißen in der Gruppenphase, bisher überstanden sie nur einmal in ihrer Geschichte die Qualifikation, um dann 2000 in der ersten Runde an Boavista zu scheitern.

Zu den schwereren Gruppen, die in Monaco ausgelost wurden, zählt vor allem die Todesgruppe I, in der Atlético Madrid, Udinese, Stade Rennais für den Schweizer Provinzclub FC Sion wohl eine unüberwindliche Hürde darstellen dürften. Falls Sion überhauptr antreten darf, denn noch ist ein Protest des Qualifikationsgegners Celtic anhängig, der die Walliser wegen des vermeintlichen Einsatzes nicht spielberechtigter Profis angezeigt hat.

Celtic war wie die Rangers ausgeschieden, sodass die Gruppenphase in Europa komplett ohne schottische Beteiligung ausgespielt wird. Dafür hat sich zum allerersten Mal eine Mannschaft aus der Republik Irland für die Gruppenspiele qualifiziert - die Shamrock Rovers. Für das Team aus Dublin dürften diese jedoch mehr eine interessante Episode im Lebenslauf als eine Etappe auf dem Weg nach Bukarest werden, treffen sie in der Gruppe A doch auf Tottenham Hotspur, Rubin Kazan und PAOK Saloniki.

Weite Wege für Stoke City

Miroslav Klose trifft mit Lazio in Gruppe D unter anderem auf den vom FC Bayern aus der Champions League-Quali geworfenen Schweizer Vizemeister FC Zürich, daneben auf Sporting Portugal und den rumänischen Club Vaslui.

Weite Wege müssen die Fans von Stoke City zurücklegen, wollen sie ihre Potters bei der ersten Europacupsaison seit 1975 auswärts begleiten. Kiew (Dynamo), Istanbul (Besiktas) und Tel Aviv (Maccabi) heißen die Reiseziele für den Club von Robert Huth in Gruppe E. Schwer wird es für Red Bull Salzburg in Gruppe F, wo mit Paris Saint-Germain und Athletic Bilbao zwei scheinbar übermächtige Gegner warten, dazu noch ein Kurztrip zu Slovan Bratislava.

Für den englischen Zweitligisten Birmingham City, der sich als Ligapokalsieger trotz Abstieg aus der Premier League qualifiziert hatte und in den Playoffs Nacional Madeira besiegt hatte, besteht in Gruppe H mit Sporting Braga, Club Brugge und dem NK Maribor sogar eine gewisse Chance, die 2. Runde zu erreichen. 

Daniel Raecke

sportal.de / sportal

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