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Alles gut mit Pep und Mario: Wie Matthias Sammer die Bayern-Saison schönredet

Der ewige Mahner wird zum Schönredner: Matthias Sammer findet, dass die Bayern "Außergewöhnliches" geleistet haben und dass Mario Götze besser ist als bei Dortmund. Klartext? Fehlanzeige.

Von Daniel Bakir

Seit Matthias Sammer 2012 zu den Bayern gekommen ist, fragen sich viele, was er da eigentlich macht (zum Beispiel Jürgen Klopp). Offiziell ist Sammer Sportvorstand, doch die Marschrichtung gibt eindeutig sein Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vor. So auch in der aktuellen Situation, die trotz gewonnener Meisterschaft irgendwie krisenartig ist: Raus gegen Dortmund im Pokal, chancenlos gegen Barca in der Champions League und nun auch noch das dritte Bundesliga-Spiel in Folge verloren, was es seit Trappatoni nicht mehr gegeben hat. Es gibt einiges aufzuarbeiten bei den Bayern, um die Weichen für die neue Saison zu stellen.

Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hat im Interview mit der Süddeutschen am Samstag vorgelegt: Er bekannte sich zu Trainer Guardiola, gab Mario Götze einen mit und erläuterte die Kaderplanung. Rummenigge sagte, man wolle wieder mehr Spieler aus der eigenen Jugend integrieren, aber auch neue Stars holen, allerdings keinen 100-Millionen-Transfer stemmen. Die Kaderplanung erarbeite unter anderem Matthias Sammer, so der Boss.

"Götze besser als bei Dortmund"

Sammer selbst hatte dann am Abend - nach dem verlorenen Freiburg-Spiel - die Gelegenheit, im "Aktuellen Sportstudio" etwas dazu zu sagen, wie er sich den FC Bayern der Zukunft vorstellt. Er sagte genau: nichts. Beziehungsweise nichts, was in irgendeiner Weise nach vorne weist. Stattdessen übte sich der ewige Grantler in einer für ihn neuen Disziplin: dem Schönreden. Die Bayern hätten eine "fantastische" Saison gespielt, die Spieler "Außergewöhnliches" geleistet. Dass die Bayern trotz WM-Strapazen ungefährdet den Meistertitel einfahren, hätte doch niemand erwartet. "Es gibt keinen Grund, sich bei jemandem dafür zu entschuldigen, dass wir Meister geworden sind", sagte Sammer.

Auch sonst ist angeblich alles super. Pep Guardiola sei eine Bereicherung nicht nur für die Bayern, sondern für den gesamten deutschen Fußball und auch die Nationalmannschaft. Krisenspieler Mario Götze ist in Sammers Augen sogar noch "besser als in Dortmund". Das begründete der Sportvorstand unter anderem damit, dass Götze bei Bayern große Titel geholt hätte und als Bayern-Spieler Weltmeister geworden sei.

Allerdings: Abgesehen vom Weltmeistertitel, für den die Bayern nicht viel können, hat Götze anders als von Sammer behauptet mit den Bayern bisher keine größeren Titel geholt als in Dortmund. Meister und Pokalsieger war er dort auch schon.

Keine Visionen?

Offenbar sieht Sammer seine Rolle bei Bayern darin, zu kritisieren, wenn alles super läuft, und in den Himmel zu loben, wenn es gerade scheiße läuft. "Wir haben nie für uns in Anspruch genommen, perfekt zu sein", sagte Perfektionist Sammer geradezu demütig. Gerne hätte man vom Sportvorstand auch seine Meinung gehört, was sich im Kader der Bayern ändern muss, damit nicht auch in der kommenden Saison gegen Ende die Luft ausgeht. Doch trotz konkreter Nachfragen von ZDF-Moderator Sven Voss zu Sammers Bayern-Vision wollte dieser dazu nichts sagen. Nur soviel: Man werde alles in Ruhe analysieren und dann gemeinsam mit Rummenigge und Co. Entscheidungen treffen.

Entweder Matthias Sammer weiß wirklich noch nicht, was sich bei Bayern ändern muss, um wieder mehr Titel zu sammeln. Oder er wollte einfach nichts verraten. Mit dem Plan, nichts zu sagen, hätte er sich allerdings auch nicht ins Sportstudio setzen müssen.

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