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FC Bayern München: "Burschen, gebt noch mal alles"

Die Bayern sind selbstbewusster denn je. Nach dem überzeugenden Sieg in Lyon will der Branchenprimus jetzt auch in der Bundesliga noch einmal voll angreifen. Speziell die ersten 45 Minuten in Lyon haben gezeigt: Mit den Münchnern ist in diesem Jahr nicht nur national zu rechnen.

In der Champions League überwintert der FC Bayern als Europas Topteam, jetzt soll auch Platz eins in der Bundesliga her. Nachdem die Münchner mit der besten Bilanz aller 32 Champions-League- Teams die Vorrunde gemeistert hatten, ergriff Karl-Heinz Rummenigge beim mitternächtlichen Bankett mit Gänseleber, Kalbsfilet und Austern voller Genugtuung das Mikrofon. Erst stimmte der Vorstandschef nach dem 3:2 (3:0) bei Olympique Lyon Lobeshymnen auf die Mannschaft an, dann schwor er die Fußballer von Trainer Jürgen Klinsmann auf das Finale um den Wintertitel ein.

"Wir wollen am Wochenende zeigen, dass die Herbstmeisterschaft nach München gehört und nicht nach Hoffenheim. Burschen, konzentriert Euch am Samstag noch mal, gebt noch mal alles", forderte Rummenigge.

Am Samstag beginnt bei Klinsmanns Ex-Club Stuttgart das Fernduell mit dem punktgleichen, aber noch an der Spitze platzierten Aufsteiger Hoffenheim, der am Sonntag Schalke empfängt.

Trotz des Liga-Spiels war bei der Landung am Donnerstag im diesigen München auch die Auslosung des Achtelfinales am 19. Dezember im Hinterkopf. Mit Nachdruck hat der deutsche Rekordmeister in seiner Comeback-Saison in der Königsklasse auf sich aufmerksam gemacht. "Bei der Leistung in den letzten Monaten, der Qualität, dem Willen und der Spielfreude, wird es nicht so einfach sein, den FC Bayern aus diesem Wettbewerb rauszuschmeißen", betonte Rummenigge nach 15 Pflichtspielen ohne Niederlage.

Klinsmann frohlockte: "Wir haben uns vorgenommen, auf Augenhöhe mit den europäischen Topteams zu ziehen. Das ist uns gelungen." Im Lostopf warten neben Michael Ballacks FC Chelsea noch FC Villarreal, Real Madrid, Atlético Madrid, FC Arsenal, Inter Mailand und Sporting Lissabon. "Das werden Brocken sein, aber dadurch, dass wir jetzt gewonnen haben, haben wir im Achtelfinale zuerst ein Auswärtsspiel", betonte Manager Uli Hoeneß.

Neben Liverpool, Manchester und Juventus marschierten die Münchner ohne Niederlage durch die Gruppenphase. "Ich glaube nicht, dass wir der Wunschgegner anderer Mannschaften sind", mutmaßte Rummenigge. Mit zwei so unterschiedlichen Spielhälften wie gegen die nie aufsteckende Mannschaft von Lyon werden die Münchner aber gegen jedes Team auch arge Schwierigkeiten bekommen.

Vor dem Seitenwechsel war das Team um den beim Bankett von Familie und Kumpels umringten Franck Ribéry "nah am perfekten Fußball" (Rummenigge) - und bei der Chancenverwertung beeindruckend effizient. Jeder Schuss, der auf das Tor ging, war drin. Miroslav Klose (12. Minute/37.) schoss sich mit seinen zwei Treffern an die Spitze der Torjägerliste. Champions-League-Topvorbereiter Franck Ribéry (fünf Vorlagen) steuerte seinen Debüt-Treffer in der Königsklasse bei.

In einer Art "Dr.-Jekyll-und-Mr.-Hyde"-Fußball zeigte die Münchner Mannschaft nach dem Seitenwechsel aber ein anderes Gesicht, ließen Lyon durch Sidney Gouvou (52.) und Karim Benzema (68.) noch einmal ins Spiel zurück. "Was wir in der ersten Halbzeit gut gemacht haben, haben wir in der zweiten Hälfte vermissen lassen", analysierte Klose. Trotz des (verständlichen) Leistungsabfalls im Gefühl des sicheren Sieges wollte Rummenigge in der Bocuse-Stadt "kein Wasser in den Wein gießen" und auch Hoeneß "kein Haar in der Suppe" suchen.

Dass es letztlich zum Sieg reichte, verdankten die Bayern, bei denen Hamit Altintop in der Schlussphase nach über drei Monaten Verletzungspause sein Comeback feierte, auch Torhüter Michael Rensing. "Er hat ohne Frage sein bestes Spiel gemacht, seit er die Nummer 1 ist", lobte Rummenigge. Rensing selbst zeigte sich nach der Klasse-Leistung auch selbstbewusst. "Nach einem Jahr, in dem wir abwesend waren, hat man uns nun schon in Europa registriert", sagte der Keeper und hatte ein Wunschlos. "Chelsea wäre geil. Aber ich wäre auch zufrieden, wenn wir gegen die erst im Finale spielen würden."

Rein rechnerisch dürfen sich die Münchner, die ihr Prämien-Konto in der Königsklasse auf 10,6 Millionen Euro hochschraubten, schon einmal zu 58 Prozent für das Viertelfinale planen. In 124 K.o.- Duellen der Königsklasse setzte sich 73-mal die Mannschaft durch, die zuerst auswärts antrat.

DPA / DPA

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