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FC Bayern München: Deisler leidet an Depressionen

Bayern München hat jetzt offiziell bestätigt, dass Nationalspieler Sebastian Deisler an Depressionen leidet. Er wird seit neun Tagen stationär in einer Münchner Klinik behandelt.

"Ich gehe davon aus, dass er erst wieder im neuen Jahr spielen kann". Mit diesen Worten bestätigte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld Zeitungsberichte, die von Deislers Aufenthalt in einer Münchner Spezialklinik berichtet hatten. Der Profi des FC Bayern München leidet unter Depressionen und muss seit neun Tagen stationär in der psychiatrischen Abteilung des Münchner Max-Planck-Institutes behandelt werden.

"Er ist in Behandlung. Wir haben gehofft, dass er nach den hervorragenden Leistungen den Durchbruch schafft. Nun ist das ein Rückschlag für alle Beteiligten", sagte Hitzfeld. Der Nationalspieler ist in seiner von Verletzungen gezeichneten jungen Karriere an einem neuen Tiefpunkt angelangt.

"Eine typische Depression"

Auf einer extra einberufenen Pressekonferenz erläuterten Manager Uli Hoeneß und der behandelnde Arzt, Florian Holsboer, die Erkrankung des 23-Jährigen. "Es ist eine typische Depression. Es ist eine Veränderung des Nervenstoffwechsels, für die es eine Veranlagung gibt. Sebastian Deisler befindet sich auf einem guten Weg und wir sind froh über gemachte Erfolge. Es besteht Grund, optimistisch zu sein", sagte der Mediziner. Nach der Behandlung, deren Ende nicht absehbar ist, könne Deisler seine Karriere fortsetzen. Allerdings sind Rückfälle nicht kategorisch auszuschließen.

Bis auf weiteres wird der Profi sowohl mit Medikamenten als auch per Gesprächstherapie behandelt. Ein einzelner konkreter Auslöser sei für den seelischen Ausnahmezustand des Jungstars nicht verantwortlich. Nach seinen vielen Verletzungen habe sich der Profi aber offenbar zu sehr unter Druck gesetzt, um die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Parallelen zu dem an einem "Burn-Out-Syndrom" leidenden Jan Simak von Hannover 96 bestehen bei Deisler aber offenbar nicht. "Er ist in einer guten geistigen und körperlichen Verfassung", sagte Holsboer.

"Ich kann nicht mehr"

In einem Telefonat habe Deisler Hoeneß vor etwa zwei Wochen seine Probleme signalisiert. "Er hat gesagt: ’Ich kann nicht mehr. Ich bin fertig.’", berichtete Hoeneß. Daraufhin sei über Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt der Kontakt zu Holsboer hergestellt worden. Nun sei es Deislers Wunsch gewesen, offen mit der Erkrankung umzugehen. "Was soll ich denn verheimlichen", wurde er von Holsboer zitiert. In der Klinik halte sich Deisler mit Trainingseinheiten fit. Dort hat er auch ständigen Kontakt zu seiner Freundin, die im Januar das erste gemeinsam Kind erwartet. Gesundheitliche Probleme der Freundin während der Schwangerschaft hatten Deisler zuletzt zusätzlich belastet.

Für den in seinen fünf Profijahren von 15 schweren Verletzungen und fünf Operationen gebeutelten Deisler kam die dramatische Wende zum Schlechten zu einem unerwarteten Zeitpunkt. Der Mittelfeldspieler hatte zuletzt vor zwölf Tagen im Bundesliga-Spiel gegen Borussia Dortmund (4:1) für den FC Bayern gespielt und dabei eine ansprechende Leistung gezeigt. Noch vor der Partie war "Basti-Fantasti" von den Bayern-Fans zum "Spieler des Monats Oktober" gewählt und für seine guten Auftritte nach seinem Muskelfaserriss ausgezeichnet worden.

"Natürlich ist Druck vorhanden"

Schon für das darauf folgende Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich sagte der Ex-Berliner offiziell wegen einer Muskelverhärtung aber wieder ab. Anschließend schützten die Bayern ihren Spieler mit einer vorgeschobenen Grippe vor möglichen Fragen. "Natürlich ist Druck vorhanden. Jeder Spieler reagiert anders darauf. Das darf man nicht unterschätzen", sagte Hitzfeld zu den Problemen Deislers. Seit seiner Ankunft in München hatte sich der Lörracher offensichtlich nicht richtig mit der Glitzerwelt beim Rekordmeister anfreunden können.

Deisler war im Sommer 2002 für neun Millionen Euro von Hertha BSC zum FC Bayern gewechselt. Wegen einer im Länderspiel gegen Österreich im Mai 2002 erlittenen Knieverletzung hatte er praktisch das komplette erste Jahr beim deutschen Meister pausieren müssen. Erst gegen Saisonende war er zu einigen Kurzeinsätzen gekommen. In dieser Spielzeit erzielte er in der Bundesliga in neun Spielen drei Tore für den FCB.

Arne Richter / DPA

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