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FC Bayern München: WM hinterlässt Großbaustelle

Ex-Bayer Michael Ballack kickt in England, die Bundesliga steht vor der Tür und Trainer Felix Magath ringt beim FC Bayern München mit dem Neuaufbau der Mannschaft. Einen holprigen Saisonstart kalkuliert er bereits ein.

Das "Team 2006" des FC Bayern München existiert bislang nur auf dem Reißbrett, tatsächlich fühlt sich Felix Magath, der Trainer des deutschen Fußball-Meisters, wie auf einer Großbaustelle. "Da wird die Zeit schon knapp, um Dinge einzustudieren", gestand Magath, der am 26. Juli seinen 53. Geburtstag feiert. Er kämpft auch im zweiten Trainingslager der Saison-Vorbereitung am Tegernsee noch mit den Nachwirkungen der Weltmeisterschaft, denn erst am kommenden Wochenende stehen ihm auch die vier deutschen Nationalspieler sowie der Franzose Willy Sagnol wieder zur Verfügung. "Keine Frage, dass so etwas problematisch ist, es sind ja gleich fünf Spieler", sagte Magath, der bereits einen holprigen Saisonstart einkalkuliert.

Flexibilität ist das Zauberwort

Kapitän Oliver Kahn im Tor, Willy Sagnol und Philipp Lahm auf den Außenpositionen der Abwehrkette sowie die jungen Publikumslieblinge Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski in der Offensive sind als Eckpfeiler bei der erneuten Jagd nach Meistertitel und Pokalsieg sowie einem besseren Abschneiden in der Champions League vorgesehen. Doch nach dem WM-Urlaub und nur zwei Wochen Vorbereitung kann das Quintett bis zum Bundesliga-Eröffnungsspiel am 11. August gegen Borussia Dortmund noch nicht wieder in bester Verfassung sein.

"Das Problem ist, alle auf ein Niveau zu bringen. Damit beschäftige ich mich jetzt", sagte Magath. Er bezeichnet die schwierige Situation allerdings auch als "eine besondere Herausforderung" für sich. Das Zauberwort heißt "Flexibilität".

Keine Stammplatz-Garantie

Eine Einsatz-Garantie habe niemand, betonte Magath bereits vor dem Ausbruch des großen Konkurrenzkampfes ab dem Wochenende, wenn die Münchner aber zuerst nach Japan reisen und direkt nach der Rückkehr im Ligapokal-Halbfinale antreten müssen. Auch der rund 10 Millionen Euro teure Neuzugang Podolski kann sich absolut nicht sicher sein, zum Bundesligastart auf dem Platz zu stehen. "Es war hier intern noch nie ein Thema, dass einer eine Stammplatz-Garantie hat", so Magath.

Unterstützung erhielt der Coach von Uli Hoeneß. "Ein Spieler muss sich hier durchsetzen und Leistung bringen. Es gibt keinen Bonus", sagte der Manager. Die Startelf gegen Dortmund zeichnet sich noch nicht einmal ansatzweise ab, und wer in die Ballack-Rolle schlüpft, ist ebenfalls ungewiss. Und ob der Niederländer Ruud van Nistelrooy tatsächlich für rund 15 bis 17 Millionen Euro bei Manchester United losgeeist werden kann, steht ebenfalls noch in den Sternen.

Spiel mit mindestens zwei Spitzen

"Wir arbeiten hier ohne van Nistelrooy", verkündete Magath in Rottach-Egern gelassen, "das könnten wir auch die ganze Saison." In Roy Makaay, Claudio Pizarro, Roque Santa Cruz und Podolski verfügen die Bayern bereits über erhebliche Angriffs-Power. Unabhängig von dem umworbenen van Nistelrooy hat sich Magath bereits in einem Punkt klar festgelegt. "Bayern München wird nicht wie Italien oder Portugal bei der WM mit nur einer Spitze spielen, sondern mindestens mit zwei."

In Abwehr und Mittelfeld bleibt der Coach dagegen vage. Auch eine Abkehr vom bislang praktizierten 4-4-2-System hin zu einem 3-5-2 ist nicht ausgeschlossen. "Die Möglichkeit mit einer Dreierkette und einem Fünfer-Mittelfeld halte ich mir offen", erklärte Magath. So könnten Neuzugang Daniel van Buyten, der Brasilianer Lucio und der Franzose Valerien Ismael auch zusammen verteidigen. "Für mich ist das kein Problem", sagte Lucio. Er sei so 2002 mit Brasilien Weltmeister geworden, auch in Leverkusen habe er früher in einer Dreierkette verteidigt. Aktuell ist diese Variante aber nicht, so Magath: Zwar hat Lucio nach seinem WM-Urlaub das Training wieder aufgenommen, aber Ismael muss nach einer Schienbein-Operation weiterhin pausieren.

Klaus Bergmann/DPA / DPA

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