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Folgen des Löw-Ballack-Streits: Eine schwere Hypothek

Michael Ballack behält trotz seiner Kritik an Joachim Löw die Kapitänsbinde der Nationalmannschaft. Einen Sieger hinterlässt der verkündete Friede von Frankfurt aber nicht. Beide Parteien gehen geschwächt aus dem Konflikt hervor. Nur ein Rest an Vertrauen ist geblieben.

Ein Kommentar von Mathias Schneider

Sie sind also doch noch zu einem Ergebnis gekommen, nach fast einem Tag des zähen Ringens hinter verschlossenen Türen. Der Bundestrainer Joachim Löw, 48, aus Freiburg und sein Kapitän Michael Ballack, 32, vom FC Chelsea London werden auch in Zukunft Seite an Seite die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika begleiten. Sogar die Kapitänsbinde darf Ballack behalten. Ein dürres Fax am Freitag um 16.36 Uhr brachte Gewissheit in einer Angelegenheit, die sich längst zu einer Posse ausgeweitet hatte.

Dass beide Seiten eine Nacht und beinahe einen Tag brauchten, um zu verkünden, dass es eigentlich nichts zu verkünden gibt, bleibt doch alles beim alten, lieferte den passenden vorläufigen Endpunkt zu einem Konflikt, der zwischenzeitlich beiden Kombattanten aus den Händen zu gleiten drohte. Der verkündete Friede von Frankfurt hinterlässt freilich keine Sieger. Beide Parteien gehen geschwächt aus der Auseinandersetzung hervor.

Bundestrainer am Randes des Gesichtsverlusts

Tatsächlich zauderte der Bundestrainer zehn Tage bis zur Entscheidung und legte so erst den Nährboden dafür, dass sich der Streit zu einer Affäre von nationaler Tragweite auswuchs. Führungskräfte mit souveräner Autorität lösen solche Probleme schneller, klarer und entschlossener.

Ballack seinerseits hat nicht nur mit seiner öffentlichen Schelte an Löws Integrität gegen alle Regeln des modernen Profifußballs verstoßen, er offenbarte auch auf dem Weg zur Krisenbewältigung zunächst einen Mangel an Taktgefühl - und brachte den Bundestrainer somit an den Rande des Gesichtsverlustes.

Nur ein Rest an Vertrauen ist geblieben

Mehr Rückendeckung durch Löw hat Ballack sich gewünscht für die kommenden zwei Jahre auf dem Weg nach Südafrika. Nun steht er ausgerechnet im Herbst seiner Karriere unter einem bislang ungekannten Druck. Die Objektive werden auf ihn gerichtet sein, wenn Deutschland in Zukunft verliert. Er wird Taten folgen lassen müssen, allein schon, um den Hype um seine Person im Nachhinein zu rechtfertigen. Die Fragen nach dem Verhältnis zu seinem Vorgesetzten werden ihn begleiten für den Rest der gemeinsamen Zeit. Sie werden lauter, wenn die Ergebnisse ausbleiben. Sie werden eindringlicher gestellt, sollten Kapitän und Trainer in Zukunft einmal nicht einer Meinung sein.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem künftig Michael Ballack und Joachim Löw wandeln. Viel Porzellan ist in den vergangenen Wochen zu Bruch gegangen. Nur ein Rest an Vertrauen ist geblieben, er wird auf eine harte Probe gestellt werden. Die deutsche Nationalmannschaft geht mit einer schweren Hypothek in die nächsten Monate. Ein dürres Fax aus Frankfurt und zahlreiche Absichtserklärungen ändern daran nichts.

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